Stendal/Salzwedel l Der Prozess um schweren sexuellen Kindesmissbrauch in einem westaltmärkischen Dorf nahe der Landesgrenze zu Niedersachsen wird auch im neuen Jahr das Landgericht in Stendal beschäftigen.

Denn am zehnten Prozess-tag gab es vor dem Jahreswechsel statt eines Urteils durch die Jugendkammer des Landgerichts neue Beweisanträge des erst am zweiten Verhandlungstag in den Prozess eingestiegenen Wahlverteidigers des Angeklagten. Für einen zweiten, als Pflichtverteidiger agierenden Rechtsanwalt scheint das Verfahren indes abschlussreif zu sein, wie er mehrfach durchblicken ließ.

Blinde-Kuh-Spiel

Wie berichtet, soll ein aus Niedersachsen stammender Mann die Töchter seiner damaligen Lebensgefährtin mehrfach missbraucht haben. Die Anklage der Staatsanwaltschaft Stendal wirft dem 51-Jährigen vor, sich zwischen 2005 und 2012 mehrfach an einem heute 16 Jahre alten Mädchen vergangen zu haben. Die jüngere Schwester, heute 14 Jahre alt, musste laut Anklageschrift bei einer Art "Blinde-Kuh-Spiel" einmal das Geschlechtsteil des Angeklagten anfassen, das dieser auf einem Frühstücksbrettchen drapiert haben soll. Zusammen mit weiteren Kindern mussten die minderjährigen Schwestern dem Angeklagten beim Sex mit ihrer Mutter zusehen, heißt es in einem weiteren Anklagevorwurf. Seine Lebenspartnerin selbst soll er zudem einmal vergewaltigt haben.

Der bei einem Arbeitgeber im öffentlichen Dienst tätige Angeklagte macht im Prozess von seinem Schweigerecht Gebrauch. Zeugen außer den beiden Mädchen und ihrer Mutter gibt es keine. Und so konzentriert sich der Wahlverteidiger auf die Aussagen der vermeintlichen Opfer, deren Glaubhaftigkeit er durch einen Gutachter erschüttern lassen will.

Zum Ende kommen

Darum kreisen auch die zahlreichen Beweisanträge, die der Anwalt im Verfahren stellt, seitdem die Jugendkammer unter Vorsitz von Richter Ulrich Galler schon mehrfach das Schließen der Beweisaufnahme angekündigt hatte, um zu einem Ende des Prozesses zu kommen.

Bislang hat das Gericht sämtliche Anträge abgelehnt. Die Richter seien aufgrund jahrelanger Erfahrungen in derartigen Prozessen selbst in der Lage, sich ein Bild von der Glaubwürdigkeit der vermeintlichen Opfer machen zu können, hieß es in der Begründung zur Ablehnung.

Das ficht den Verteidiger aber nicht an, neue Beweisanträge mit selber Zielrichtung zu stellen. Und so findet der Prozess seine Fortsetzung am 7. und 14. Januar.