Die ersten Folgen des frostigen Dezembers sind auf den altmärkischen Straßen zu sehen. Kreis und Kommunen müssen sich auf einen erhöhten Reparaturaufwand einstellen. Angesichts leerer Kassen käme das von Landesverkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) zunächst angekündigte und dann doch wieder ausgesetzte Notprogramm gegen winterbedingte Schlaglöcher gerade recht.

Salzwedel. Mittlerweile fast zehn Zentimeter tief ist das seit Freitag abgesperrte Loch auf der Jeetzebrücke der Salzwedeler Brückenstraße – ein Felgenkiller. "Betonkrebs" hat den Chüdenwall vor dem Freizeit- und Eventcenter inzwischen völlig zerfressen. Einzelne Fugen der Fahrbahnplatten liegen frei. Geübte Autofahrer umkurven die zum Teil mehrere Zentimeter abgesackten Kanaldeckel. Andere donnern mit ihren Fahrzeugen laut rumpelnd darüber.

Auf der Braunschweiger Straße, ab Höhe Einmündung Felixstowestraße stadtauswärts, ist vom Flickwerk des Frühlings 2010, das der Landesbetrieb Bau dort notdürftig vornahm, schon nichts mehr zu sehen. Der ausgefahrene Asphalt gibt bereits die Pflastersteine preis. Jeder Autofahrer ist deshalb mitten auf der Fahrbahn unterwegs, um die Stoßdämpfer und Reifen zu schonen – wenn gerade kein Gegenverkehr kommt.

Vor dem Neuperver Tor tuen sich in Höhe des Penny-Marktes die ersten Schlaglöcher auf. Auf die gefährlichste Kurve der Stadt, das Blaubasaltpflaster zu Füßen des Karlsturms, haben sich die meisten Kraftfahrer längst eingestellt.

In den vergangenen Tagen geflickt worden ist bereits vom Altmarkkreis der Gerstedter Weg, wo vornehmlich im Bereich der Gossen das Wasser steht. Letzteres gilt auch für den Böddenstedter Weg. Deutlich zu sehen sind Spurrinnen auf dem Sportplatzweg.

In recht passablem Zustand präsentieren sich große Teile der Uelzener Straße. Lediglich am Bahnübergang Westring sind gefährliche Löcher auszumachen. Eines davon ist sieben Zentimeter tief. Tadellos – dieses Urteil trifft für die Karl-Marx-Straße und den Schäferstegel zu.

Nicht nur Schlaglöcher, auch Fahrbahnabsenkungen sind ein Ärgernis. Besonders auf der Steintorstraße. Vor einem Wohnhaus befindet sich eine Riesenpfütze – die Fassade bekommt regelmäßig einen neuen Feuchtanstrich.

Auf der Ampelkreuzung am Netto-Markt klafft einer der größten Straßenkrater der Hansestadt. Fast einen Meter lang ist das Schlagloch. Weitere tuen sich auf der Ernst-Thälmann-Straße bis in Höhe der Lessing-Grundschule auf. Die Gosse sieht verheerend aus – rotweiße Warnbaken weisen seit mehr als einem Jahr auf die tiefen Löcher dort hin.

Der Bundesstraßen-Abschnitt der Ernst-Thälmann-Straße erweckt einen besseren Eindruck, ebenfalls die Magdeburger Straße. Vorne hui, hinten pfui – so zeigt sich die Käthe-Kollwitz-Straße bei der Einfahrt vom Fuchsberg-Kreisel. Am Abzweig B 190 droht der Felgentod. Eine Riesenpfütze nimmt den halben Einfahrtsbereich ein. In Höhe des Perver Friedhofs auf der Arendseer Straße hat der Landesbetrieb Bau die frostfreie Zeit offensichtlich zum Flicken mehrerer Schlaglöcher genutzt.

Auffällig: Frostschäden sind fast ausschließlich auf jenen Pisten aufgetreten, die seit Jahren nicht ordnungsgemäß unterhalten worden waren.

Einen Bedarf von 400 000 Euro für die Unterhaltung seiner rund 180 Straßenkilometer hat das Salzwedeler Bauamt für den Haushalt 2011 angemeldet. "Das gleiche Niveau wie im Vorjahr. Mehr ist in der Konsolidierungsphase nicht drin", sagte Bauamtsleiter Ralf Burmeister. Dabei sind zum Jahresanfang einige neue Straßen, unter anderem durch Zwangseingemeindungen hinzugekommen. Außerdem hat der Bund unter anderem Karl-Marx-, Uelzener und Hoyersburger Straße an die Hansestadt abgegeben.

Das riesige Loch auf der Brückenstraßen-Brücke sei bereits in der Vorwoche mit einer Kaltmischung verfüllt worden, berichtete Burmeister. Allerdings sei die Masse wieder herausgefahren worden. "Die Witterung war zu feucht." Die Stelle habe deshalb abgesperrt werden müssen. Zuvor hatte es Anrufe aus der Bevölkerung gegeben, die auf die Gefahr hinwiesen. "Wir nehmen Hinweise auf Schlaglöcher dankbar entgegen, weil wir selbst nicht alle erfassen können", ermunterte der Bauamtsleiter die Bürger, problematische Stellen zu melden. Nach Ende der Frostperiode sollen die Reparaturarbeiten beginnen, weil es vorher keinen Sinn mache.

Dies wird bei der Kreisstraßenmeisterei offenbar anders gesehen. Sie hat bereits gehandelt und das Tauwetter genutzt, um die gröbsten Schäden auf den 510 Kilometer Kreisstraßen zu beseitigen, teilte Birgit Eu-rich, Sprecherin des Landratsamtes, auf Volksstimme-Nachfrage mit. Auf die durch diesen Winter zu erwartenden Schäden ist bereits reagiert worden: Nach 350 000 Euro im Vorjahr soll das Budget für die Straßenunterhaltung 2011 auf 500 000 Euro aufgestockt werden.

Zusätzliche Finanzhilfe könnte von der Landesregierung kommen. Das von Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre angekündigte Notprogramm für Kommunen lässt aber auf sich warten. Erst soll ein Straßenschadensbericht abgewartet werden, ehe das Kabinett entscheidet, was zu tun ist.

 

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