Das neue Kind-Eltern-Zentrum soll Seeperlen heißen. Das entschieden die Mitglieder des Sozialausschusses gemeinsam mit Vertreterinnen der Kindertagesstätten und Einwohnern. Ein Novum: Sogar die Presseleute durften mit abstimmen. Das letzte Wort hat der Stadtrat.

Arendsee l "Wer gibt uns denn die Garantie, dass der Stadtrat den vorgeschlagenen Kitanamen auch gut findet?" Das fragte Ronald Pitt Krüger, sachkundiger Bürger, während der öffentlichen Sitzung des Arend- seer Sozialausschusses am Dienstagabend. "Niemand", so die lapidare Antwort von Ausschusschef Thomas Schlicke (Die Linke). Aber es sollte trotzdem schnell ein Name für das neue Kind-Eltern-Zentrum-gefunden werden. Bürgermeister Norman Klebe stimmte ihm zu: "Auch der Fördermittelgeber will endlich einen Namen wissen." Und Hauptamtsleiter Andreas Koch ergänzte: "Es muss jetzt Druck hinter die Namensfindung gemacht werden, denn der Planer muss wissen, wie er die Innenräume und die Außenfassade passend zum Namen gestalten soll", betonte er.

"Einen beseren Bezug als die Mühle gibt es nicht - sie steht nur wenige Meter entfernt."

Bürger Heiko Tannhäuser

Kritik kam gleich zu Beginn der Sitzung von den Elternvertreterinnen der drei betroffenen Einrichtungen "Zur Linde", "Zur Mühle" und "Zum Fliegenpilz". "Wir sind sauer und finden es peinlich, dass unser lange zusammen gesuchter Vorschlag vom Stadtrat einfach abgelehnt wurde und jetzt von vorn angefangen werden muss", machte Nadine Schütte aus Arendsee ihren Standpunkt deutlich. Es sei alles ziemlich unglücklich gelaufen. "Dabei ist den Kindern der Name ihrer Kita bestimmt nicht so wichtig - Hauptsache, es ist schön dort", betonte sie. "Aber jetzt ist es, wie es ist und ein neuer Name sollte ohne krampfhaftes Suchen her."

Anja Grabowski aus Zießau sah das ebenso, meinte aber: "Wir haben viele Vorschläge mit dem vom Stadtrat geforderten Zusatz See gemacht, aber keiner kam in die engere Auswahl", kritisierte sie das ihrer Meinung nach nicht demokratisch abgelaufene Prozedere. Dass es die ausgesuchte Variante schon in Beetzendorf gebe, habe ihnen niemand verraten.

Die Diskussion beendete Ausschussmitglied und Stadtratsvorsitzender Hans-Georg Kempcke aus Kleinau (Fraktion Arendsee-Land) mit der Forderung, nicht länger über vergangene Fehler zu debattieren, sondern "jetzt kurz und knapp zu entscheiden". Er teilte Listen mit über 40 alten und neuen Namensideen aus. Darunter auch der abgelehnte Name Haus der kleinen Füße, aber auch FridoLina, Villa Kunterbunt, Seeungeheuer, Kleine Seesterne, Zwergenland, Tausendfüßler oder Arendseer Stadtpiraten. Von vornherein gestrichen werden sollten jene, die es anderswo in der Einheitsgemeinde oder im Altmarkkreis schon gibt, wie beispielsweise Zwergenland, Villa Kunterbunt oder Rappelkiste.

Eine wichtige Wende brachte die Wortmeldung von Heiko Tannhäuser aus Arendsee, der aufgrund des Volksstimme-Artikels an der Sitzung teilnahm: "Einen besseren Bezug als die Mühle gibt es nicht - sie steht nur wenige Meter neben dem Haus", erklärte er. Er finde es unsinnig, nach irgendeinem Namen zu suchen, wenn er klar auf der Hand liege. "Warum wird der Name Zur Mühle oder Mühlenkinder von vornherein aus der Wahl ausgeschlossen?", wollte er wissen. Kochs Antwort: "Wir wollten einen Neubeginn mit völlig neuem Namen und keine der drei Einrichtungen bevorteilen."

Trotzdem kamen beide Vorschläge noch mit auf die lange Liste, ebenso "Der gestiefelte Kater" und "Seeperlen". Und dann konnten alle 25 Anwesenden, ob Stadträte, Verwaltung oder Einwohner, ihren Favoriten ankreuzen. Das Novum außerdem: Sogar die beiden Pressevertreter durften an der Abstimmung teilnehmen. In der ersten Abstimmungsrunde kamen acht Vorschläge in die engere Auswahl. Die meisten Stimmen hatten danach "Mühlenkinder", "Zur Mühle" und "Seeperlen". Über diese drei entschieden die Frauen und Männer in einer zweiten Runde. Daraus ging "Seeperlen" mit 15 Stimmen als Sieger hervor. Die restlichen Stimmen teilten sich die Mühlenvarianten.

Zufriedenheit bei den einen, Enttäuschung bei den anderen. "Aber nun soll es eben so sein", sagte Schlicke, der zu Sitzungsbeginn noch einmal das ursprüngliche Verfahren der Wahl beschrieben hatte. Denn der Stadtrat hatte im Herbst den Sozialausschuss beauftragt und dieser hatte die Kita-Teams und Elternkuratorien zur Namenskürung aufgefordert. Mit seiner Ablehnung hatte der Stadtrat im November für Zündstoff gesorgt (wir berichteten). Das letzte Wort hat auch diesmal der Stadtrat.