Salzwedel. Neu eingedeckte Dächer, Sanierungen in den Kirchenschiffen, Behandlungen aufgrund von Holzwurmbefall, Anschlüsse, damit Glocken künftig elektrisch geläutet werden, aufwändige Restaurierungen von Wandmalereien - in der Bilanz des Baugeschehens des Kreiskirchenamtes stehen für 2010 insgesamt 50 Maßnahmen, in die zusammen ein finanzielles Volumen von etwa einer Million Euro floss. Wenn Rainer Wellkisch das Baugeschehen in den zahlreichen Gotteshäusern des Kirchenkreises mit zahlreichen Fotos Revue passieren lässt, gibt es viel zu erzählen - etwa über gelungene Experimente wie einen Putz nach historischem Vorbild an der Dambecker Kirche. "Für die Dambecker Kirche haben wir Fördermittel aus dem Konjunkturpaket II erhalten", erinnert der Kirchenbaureferent. Für die Außenfassade sei ein reiner Kalkputz verwendet worden, der viel Zeit zum Abbinden benötige, aber eben auch sehr haltbar sei. Die darin enthaltenen Kalkkrümel, die so genannten Kalkspatzen, würden dafür sorgen, dass sich Risse wieder schließen. "Schließlich sieht man fast nur die Putzfläche, aber dafür ist diese Wetterschale auch sehr lange haltbar", so Rainer Wellkisch optimistisch.

Dagegen sei es noch nicht gelungen, den Fachwerkanbau der Dambecker Kirche zu restaurieren. Das Problem bei diesem Anbau sei, dass er nicht nahtlos an das Gotteshaus anschließe, so dass zwischen Anbau und Kirche immer wieder Wasser gerate und letztlich die Wände in der Kirche feuchte Stellen hätten.

Wie die Dambecker wurde auch die Winterfelder Kirche verputzt, allerdings nicht vollständig. "Eigentlich wollten wir den ganzen Turm verputzen, haben aber nur drei Seiten geschafft." Die Sanierungsarbeiten seien für die Gemeinde anstrengend gewesen. Der Turm habe sicher anfangs auch einen ungewohnten Anblick geboten, blickt Rainer Wellkisch zurück. In Winterfeld seien 85 000 Euro investiert worden.

Neben der Dambecker Kirche, in deren Sanierung etwa 190 000 Euro flossen, konnte auch die Stappenbecker Marienkirche mit Zuschüssen aus dem Konjunkturpaket erneuert werden. Der bisherige Well-asbest wich einem neuen Dach samt Tragwerk. "In diesem Jahr sollen noch die Anschlüsse an das Mauerwerk hergestellt werden", so Rainer Wellkisch weiter.

Die Arbeiten an der Siedenlangenbecker Kirche, ebenfalls ein Projekt des Konjunkturpakets, seien ebenfalls abgeschlossen, Mauern und Dachstuhl saniert sowie das Dach neu gedeckt worden.

Die umfangreichen Sanierungsarbeiten in der Salzwedeler Katharinenkirche sollen in diesem Jahr fortgesetzt werden. Wie bei der Beetzendorfer Marienkirche sollen Pfähle in den Untergrund getrieben werden, um die einsturzgefährdete Westhalle zu stützen. "Dieser Anbau wurde der Kirche später hinzugefügt. Zudem ist der Baugrund in der Jeetzeniederung dort schlechter", erläutert Rainer Wellkisch das Problem. Die Sicherung werde etwa sechs bis acht Wochen in Ansprich nehmen. Im Kreiskirchenamt hoffe man, dass die Abiturienten im Frühsommer dieses Jahres ihre Zeugnisse wieder in der Kirche erhalten können.

Eine derartige Stabilisierung sei auch für die Säulen im Inneren der Katharinenkirche erforderlich. Im Zusammenhang mit diesen Arbeiten, aber auch, weil Hausschwammbefall entdeckt wurde, mussten im Dezember mehrere Grüfte geöffnet werden. Die dort bestatteten sterblichen Überreste ehemaliger Salzwedeler sollen umgebettet werden.

Befragt nach seiner "Baustelle des Jahres" würde Rainer Wellkisch wohl mit einer ordentlichen Portion Humor die Kirche in Klein Engersen nennen. "Das ist eine typische altmärkische Feldsteinkirche, ein richtiges Schmuckstück", beschreibt er das Gotteshaus. Eigentlich sollte nur das Dach neu gedeckt und die Decke einer Behandlung gegen Holzwurmbefall unterzogen werden. Doch als Problem stellte sich der Turm heraus. "Der besteht innen aus Fachwerk, um das herum gemauert wurde." Das drücke auf die Balken, die sich ihrerseits verdrehten. Bei näherer Betrachtung wies der Turm jedoch schwerwiegendere Schäden als ursprünglich erwartet auf. "Es war unglaublich. Mitunter dachte ich fast, manche Steine hielten nur aus Langeweile", erinnert sich Rainer Wellkisch. Man habe vor der Wahl gestanden, den Turm entweder abzureißen oder im unteren Bereich zu sanieren. Letztlich setzten sich die Experten des Denkmalschutzes mit ihrer Maxime, soviel wie möglich zu erhalten, durch. Die Arbeiten nahmen mehr als ein Jahr in Anspruch und kosteten 110 000 Euro.

Zahlreiche Vorhaben in den kommenden Monaten

Ein Ende der Sanierungsarbeiten in den Kirchen in der westlichen Altmark ist nicht in Sicht. Das Dachtragewerk des Steimker Gotteshauses steht unter anderem in diesem Jahr auf dem Plan, ebenso der Turm der Katharinenkirche in Oebisfelde. Die Sanierung der Decke in der Kirche Osterwohle soll fortgesetzt werden, mit Zuschüssen aus dem Leader-Programm in Lagendorf eine Winterkirche entstehen. Dringend erforderlich und 2011 auf dem Plan: die Sanierung des Kirchturms in Hagen, einem neben dem Gotteshaus stehenden Holzbauwerk.

Der Kirchenkreis investiere in die Arbeiten auch eigene Mittel. Viele Vorhaben seien jedoch erst durch Zuschüsse aus verschiedensten Quellen, so vom Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten, den Kommunen, privaten Spendern oder das umfangreiche Engagement der Fördervereine und ihrer Mitglieder, betont Rainer Wellkisch.

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