Neben Streusalzproduzenten gibt es nicht viele Firmen, die sich über den bislang schneereichen Winter freuen. Die Erdtmann Kleintierfutter GmbH in Langenapel gehört jedoch dazu. Derzeit 25 Arbeitskräfte produzieren Wintervogelfutter, das bundesweit verkauft wird. In diesem Jahr will der Betrieb weiter expandieren, eine neue Halle für Produktion und Lagerung bauen.

Langenapel. Frank und Burkhardt Erdtmann konnten sich bisher die Hände reiben. Nicht nur wegen der Kälte. Auch das Geschäft der Brüder brummt. Viel Schnee erhöht die Nachfrage nach Vogelfutter. Denn Tierliebhaber wissen, dass ihre gefiederten Freunde dann in der freien Natur kaum noch genug Nahrung finden, um den Winter ohne menschliche Hilfe zu überstehen. Studien wie etwa von der Heinz-Sielmann-Stiftung würden belegen, dass das Zufüttern nötig ist, sagt Frank Erdtmann: "Viele Vogelarten sind vom Aussterben bedroht, in manchen Regionen gibt es kaum noch Spatzen." Ein Grund seien bessere Erntemaschinen – da bleibe für die Tiere kaum noch Nahrung liegen.

Kunden in ganz Deutschland

1990 hatte Joachim Erdtmann, Vater der beiden heutigen Gesellschafter, das Unternehmen als Großhandel für Garten- und Zooartikel gegründet. Später übernahm der Betrieb die Produktion von Vogelsand und Haustierstreu. "Und Wintervogelfutter kauften wir bei unserem Cousin in Lauenburg ein. Ab 1996 konnte er uns dann nicht mehr beliefern, weil er zu viele Kunden hatte. Deshalb begannen wir mit der eigenen Produktion in kleinem Rahmen", erinnert sich Frank Erdtmann. Heute ist die Sparte Wintervogelfutter das Hauptstandbein. Die Langenapeler haben sich in den vergangenen Jahren zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für den schleswig-holsteinischen Cousin gemausert. Vater Joachim überließ seinen Söhnen 2004 den Betrieb, hilft seitdem als Prokurist mit.

"Unsere Qualität hat sich he-rumgesprochen. Wir beliefern Kunden in ganz Deutschland", sagt Frank Erdtmann nicht ohne Stolz. Das Geschäft auf den ganzen Kontinent auszuweiten, sei ein Vorhaben für die Zukunft. "Wir wollen langsam wachsen", betont er. Noch zu gut hat er die Flaute in den Jahren 2007 und 2008 in Erinnerung, als sich zur Wirtschaftskrise warme Winter gesellten. "Wir haben wieder Fuß gefasst." Im vorigen Winter setzten die Langenapeler allein mit Vogelfutter bereits 2,5 Millionen Euro um. Eine Marke, die auch in dieser Saison wieder erreicht werden soll.

Auf Kundenakquise gehen Erdtmanns aber immer noch selbst. Ihr Futter ist unter anderem in einigen Märkten der Hansestadt zu erwerben. Und im Salzwedeler Hagebau-Markt, weil dieser direkt in Langenapel einkauft. Die Hagebau-Kette wird ansonsten vom Cousin beliefert. "Er verkauft sein Futter unter dem Namen ,Erdtmanns‘, wir unter ,Erdtmann‘", erklärt Frank Erdtmann. Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal: "Wir haben das Streufutter in blauen Beuteln." Um sich künftig besser vom familiären Mitbewerber abzuheben, sollen ab kommender Saison die altmärkischen Produkte unter der Markenbezeichnung "Anhaltiner Premiumfutter", als Hinweis auf die Herkunft aus Sachsen-Anhalt, vertrieben werden. Ein Logo dafür ist bereits entworfen.

Zehn Mitarbeiter sind am Langenapeler Ortsrand dauerhaft beschäftigt, dazu kommen momentan 15 Saisonarbeitskräfte, die aufgrund der hohen Nachfrage Überstunden schieben. "Wir sind an unseren Kapazitätsgrenzen angelangt, wollen deshalb in diesem Jahr investieren – eine neue Halle für Produktion und Lagererweiterung bauen und neue automatisierte Maschinen anschaffen", blickt Frank Erdtmann voraus. Zudem werde über die Einführung eines 2-Schicht-Systems nachgedacht. Doch dafür Arbeitskräfte zu gewinnen, sei gar nicht so einfach. Einer der Gründe: unflexible Kita-Öffnungszeiten. "Alleinerziehende Mütter wissen nicht wohin mit ihren Kindern", kritisiert der Firmenchef.

Meisenknödel mit dem Nabu entwickelt

Um die Produktion saisonunabhängiger zu machen, hat der Betrieb im Vorjahr mit der Herstellung von Ganzjahresfutter begonnen. Es enthält 13 verschiedene Saaten. Dass dieses Angebot solch ein Renner wie jetzt Sonnenblumenkerne, Fettfutter oder das sechsteilige Wintersortiment werden, glaubt Frank Erdtmann indes nicht.

An der Qualitätsverbesserung werde ständig gearbeitet. Dazu forscht der Chef auch im eigenen Garten bei der Vogelfütterung. So werden Weizenkörner beispielsweise gebrochen – damit sie "schnabelgerecht" verspeist werden können. "Und wir haben jetzt erst mit dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) erfolgreich einen neuen Meisenknödel entwickelt", berichtet er. Dass diese von den gefiederten Freunden – so häufige Klagen – nicht angerührt werden, hat mehrere Gründe. Zum einen könnte es an der schlechten Qualität des Fetts von Billigherstellern liegen, zum anderen an Extremfrösten. Im Idealfall sollten deshalb die Meisenknödel abends reingeholt und erst am folgenden Morgen wieder draußen angehängt werden.

Wichtig sei auch, die Futterstellen rechtzeitig vor Wintereinbruch einzurichten. "Die Vögel suchen sich ihre Futterplätze schon im Spätherbst", erklärt Frank Erdtmann. Aus dem Streufutter würden Amsel, Sperling, Meise und Co. übrigens zuerst das Beste rauspicken. Kein Grund, die länger liegenbleibenden Futterbestandteile wegzuwerfen – auch sie würden irgendwann gefressen.

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