Salzwedel. Wenn Cindy Schumann an die Ereignisse des zurückliegenden Wochenendes denkt, ist sie den Tränen nahe. Noch immer kann sie nicht fassen, was ihr am Sonnabend passiert ist.

"Meine 76-jährige Nachbarin hat mich am Abend angerufen. Ihrem Mann ging es schlecht. Er hatte einen Schlaganfall", erinnert sich die 36-Jährige. Da die Familien schon seit vielen Jahren nebeneinander wohnen und befreundet sind, entschließt sich die Salzwedelerin, den 76-jährigen Nachbarn ins Altmark-Klinikum zu bringen. "Daran, einen Krankenwagen zu rufen, habe ich in diesem Moment nicht gedacht. Es musste alles sehr schnell gehen", so Cindy Schumann.

Am Salzwedeler Krankenhaus angekommen, bleibt ihr nicht viel Zeit für die Parkplatzsuche. Auf der Brunnenstraße findet sie eine Parklücke vor dem Haus von Klaus F. (Name geändert, Adresse ist der Redaktion bekannt). "Ich habe noch kurz geguckt, ob ich nicht zu weit in der Einfahrt stehe. Aber da war ausreichend Platz", versichert die gelernte Friseurin.

Auf dem Weg in die Notaufnahme wird der 76-Jährige ohnmächtig, sackt kurz weg. Im Krankenhaus erledigt Cindy Schumann die Formalitäten, steht ihrer Nachbarin bei. Zwei Stunden vergehen bis sich die 36-Jährige wieder auf den Heimweg machen will. "Ich kam aus der Tür, hatte den Schlüssel schon in der Hand. Da habe ich gesehen, dass mein Auto nicht mehr da war. Ich wusste gar nicht was ich machen sollte", sagt Cindy Schumann.

Den Tränen nahe, sucht sie das nahegelegene Polizeirevier des Altmarkkreises Salzwedel auf. Die Polizeibeamten erkundigen sich bei verschiedenen Salzwedeler Abschleppunternehmen, ob diese den Nissan Primera der 36-Jährigen abgeholt hätten. Fündig werden sie bei Frank Bergholz.

"Als ich nachfragte, ob ich mein Auto sofort wieder abholen könnte, sagte mir der Mann am Telefon auf sehr unfreundliche Weise, dass er bereits zu Hause sei und ich am Montag in seine Firma kommen könnte", berichtet Cindy Schumann. Doch die Salzwedelerin besteht darauf, ihr Fahrzeug noch am selben Abend zurückzubekommen. Mit Erfolg.

Bei der Entgegennahme ihres Pkw bekommt die 36-Jährige dann auch gleich die Rechnung in die Hand gedrückt. Rund 180 Euro soll sie für das Abschleppen bezahlen. "Hätte ich das Fahrzeug bis Montag stehen lassen, hätte ich sogar noch mehr bezahlen müssen. Die 180 Euro sind für mich als Friseurin mit drei Kindern eine Menge Geld", sagt Cindy Schumann.

Ein befreundeter Polizist habe ihr gesagt, dass es vor dem Haus von Klaus F. in der Vergangenheit des Öfteren zu ähnlichen Ereignissen gekommen sei. Polizeisprecher Frank Semisch konnte dazu gestern keine Auskunft geben. "Leider kommen diese Vorgänge nicht immer bis zu uns", sagt er.

Abschleppunternehmer Frank Bergholz rechtfertigt den Einsatz auf Volksstimme-Nachfrage wie folgt: "Das Auto stand mitten in der Einfahrt. Weder links noch rechts wäre ein Fahrzeug vorbeigekommen." Zum Haus von Klaus F. werde er lediglich ein bis zwei Mal pro Jahr gerufen.

"Für mich ist das einfach eine Abzocke. Mein Auto stand höchstens ein paar Zentimeter in der Einfahrt. Da hätte noch ein Panzer durchgepasst. Das Verhalten von Herrn F. ist wirklich das Allerletzte", erklärt Cindy Schumann.

Klaus F. war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.