Von Angelica Jansen

Lüneburg/Salzwedel l "Es war nicht richtig was ich tat", sagt der Angeklagte im Strafprozess vor der 10. Großen Strafkammer am Lüneburger Landgericht. Dem 26-Jährigen fällt es schwer, zu erzählen, was passiert ist. Im Sommer des vergangenen Jahres hatte er eine 36-jährige Joggerin auf einem Feldweg zwischen Salzwedel und Wustrow vergewaltigt.

Tief gebeugt sitzt der geständige Mann neben seinem Verteidiger. Die Kapuze seines Pullovers hat er tief ins Gesicht gezogen. Die Antworten auf die Fragen des Vorsitzenden Richters Axel Knaack sind kurz, meist nur schlecht zu verstehen. Der Vorsitzende passt seine Fragestellungen an.

"Ich war mit dem Fahrrad auf dem Weg nach Hause", beschreibt er seinen Rückweg von einem Termin bei einer Logopädin in Salzwedel nach Wustrow, wo er seit 2009 in einem Heim für Behinderte lebt. "Und da ist das dann halt passiert."

Bei der Polizei hatte er am Tag nach der Tat ausgesagt: "Ich wollte mal wieder von einer Frau befriedigt werden." Auf die Idee sei er erst gekommen, als er die Joggerin auf dem Weg gesehen hatte. Er radelte zunächst an der Frau vorbei, legte einige Meter weiter sein Rad ins Gebüsch und nahm sein Klappmesser aus der Tasche.

Erst als die Joggerin auf seiner Höhe war, sei er mit seinem Klappmesser in der Hand auf sie zugegangen und habe sie an der Schulter in das angrenzende Maisfeld gezogen. Die Frau wehrt sich, tritt ihm zwischen die Beine, zieht ihm seine Hose auf die Füße, damit er sie nicht verfolgen kann und versucht, fast vollständig entkleidet, vor ihrem Peiniger zu flüchten.

Aber er holt sie ein und wirft sich auf sie. Sie versucht sich ihm durch ein Gespräch zu entziehen, fragt, ob er denn keine Freundin habe. "Nein, mir war in dem Moment nicht klar, dass sie nur aus Angst vor dem Messer mitgemacht hat", sagt er.

Nicht zum ersten Mal hat der Mann einer Frau aufgelauert und sie brutal vergewaltigt. Bereits 2006 war er von der Jugendkammer am Landgericht Magdeburg zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Muster war ähnlich. Damals hatte er einer 18-Jährigen an der Bushaltestelle aufgelauert. Den 26-Jährigen erwartet eine Freiheitsstrafe zwischen 5 und 15 Jahren. Am nächsten Prozesstag soll die geschädigte Joggerin befragt werden.