Den Elternvertretern der Lessing-Ganztagsschule reicht es. Seit drei Jahren herrsche an der Schule Lehrermangel, beklagen sie. Trotz Briefen sogar an Kultusminister Stephan Dorgerloh habe sich bislang nicht viel geändert. Das Ganztagskonzept steht auf der Kippe.

Salzwedel l "Die Eltern haben recht, sie machen sich Sorgen um ihre Kinder. Denn wir haben ein System, das ins Wanken gerät." Schulleiter Holger Lahne bestätigte auf Volksstimme-Nachfrage, dass seit drei Jahren Lehrermangel an der Lessing-Ganztagsschule herrsche. Auf die Kritik der Elternratsmitglieder daran angesprochen, fand er deutliche Worte. Holger Lahne sieht die Politik in der Pflicht, Anreize zu schaffen, um Lehrer in die Altmark zu holen. Dabei könne er sich etwa eine Landlehrerzulage vorstellen. Denn den Mangel an Personal auszugleichen, wird zunehmend schwierig. Zu spüren bekommen das die Eltern, in erster Linie aber die Schüler. Den Ganztagsschulbetrieb, mit gebundenen Angeboten, könne die Schule schon nicht mehr in vollem Umfang gewährleisten, bestätigte Lahne.

"Und am Ende fallen sie dann doch aus."

Die Eltern ärgert das. Denn sie haben sich bewusst dafür entschieden, ihre Kinder in die Lessing-Ganztagsschule zu schicken. "Wir wollen, dass sie betreut sind", sagte Elternratsmitglied Steffi Appel gegenüber der Volksstimme. Ihr Kind geht in die fünfte Klasse. Es sei in einem Alter, in dem es sich noch für Nachmittagskurse begeistern lasse. "Die Kinder freuen sich regelrecht auf die Angebote, und am Ende fallen sie dann doch aus", bedauerte die Mutter, die erst gegen 17Uhr von der Arbeit kommt und nicht möchte, dass ihr Kind bis dahin sich selbst überlassen bleibt. Es soll die Zeit nach dem Unterricht mit einem sinnvollen Zeitvertreib verbringen. Dass zum Beispiel Hausaufgaben schon in der Schule erledigt werden, empfindet die Mutter als große Hilfe.

Aber nicht nur das Ganztagsangebot leidet. Auch am Unterricht werden Abstriche gemacht. Bis zu 17Wochenstunden seien in den Hochzeiten ausgefallen. In der Klasse des Kindes von Steffi Appel gibt eine Deutschlehrerin Musikunterricht. Ein Engagement, das die Eltern zu würdigen wissen. Dankbar sind sie allemal, dass Lehrer versuchen, den Mangel zu kompensieren. Doch ideal sei das nicht, und einige Fächer ließen sich eben auch nicht vertreten. Etwa in Mathematik soll die Schule in Zukunft massive Probleme bekommen. Für ältere Schüler geht es nicht nur um Grundlagen, die sie verpassen. Sie steuern auf den Abschluss zu. Das betrifft auch die Tochter von Elternratsvorsitzender Daniela Guhl. Dass Unterricht in Größenordnungen ausfällt, ist für die Mutter ungewöhnlich: "Das gab es so nicht."

"Das Konzept bricht wie ein Kartenhaus zusammen."

Dabei schlägt nicht nur die Ausstattung der Schule mit Lehrern zu Buche, krankheitsbedingte Ausfälle verschärfen das Problem. Das Schuljahr wurde mit 92Prozent Stundenabdeckung begonnen, inzwischen liegt sie bei 95Prozent. Doch zum Schuljahresende werden zwei weitere Lehrer gehen.

Der Lehrermangel wird teils über Abordnungen ausgeglichen - bis zu neun Lehrer anderer Schulen halfen an der Lessing-Schule aus. Doch das kann für die Eltern nur eine Übergangslösung sein. Schließlich sei das Ganztagskonzept eines, das gelebt werden müsse. "Lehrer müssen Spaß daran haben", sagte Daniela Guhl. "Doch das Konzept Ganztagsschule bricht wie ein Kartenhaus zusammen", schrieben sie und ihre Mitstreiter des Elternrates im Oktober 2013 an Kultusminister Stephan Dorgerloh. Wohl bemerkt der dritte deutliche Hilferuf, dem zwei weitere vorausgingen. Die Enttäuschung der Eltern spiegelt sich darin wider: "Die Eltern möchten ernst genommen werden und erwarten eine Antwort", schreiben sie.

Doch in den zuständigen Stellen hat sich bislang offenbar nichts getan. Die Eltern würden sich wünschen, dass auch der Schulträger auf die Probleme aufmerksam macht. Vom Altmarkkreis Salzwedel kam gestern ein deutliches Signal: Der Schulträger sei für Personalfragen nicht zuständig. Er sei lediglich in der Verantwortung, wenn es um Gebäude und Ausstattung gehe. Dass ein Schulträger sich im Sinne der Eltern oder gemeinsam mit ihnen an die zuständigen Stellen wenden könnte, sei falsch. Eine Auskunft, die die Eltern enttäuschen dürfte. Schließlich hatten sie sich Hilfe von dort erhofft, damit ihre Kinder optimale Lernbedingungen erhalten.