Salzwedel l "Der schwierigste Moment für ein neues Werk ist der Anfang", gesteht der gebürtige Brasilianer Daniel Moreira. Deshalb sei es für ihn ein Glücksfall, dass er die ersten drei Monate dieses Jahres im Künstler- und Stipendiatenhaus Salzwedel leben und arbeiten darf. Denn der 29-Jährige fängt soeben mit einer neuen Komposition an, einer Auftragsarbeit für ein europäisches Netzwerk für zeitgenössische Musik. "Dabei brauche ich Zeit und Ruhe, um mich konzentrieren zu können. Da ist solch ein Stipendium ein purer Luxus, um mich ausschließlich dem neuen Werk widmen zu können", erzählt der junge Mann, der in seinem Heimatland erst Physik und dann Komposition studiert hat.

Hobbymäßig hat er sich schon frühzeitig mit Musik beschäftigt, begann als Siebenjähriger mit dem Klavierspiel, probierte sich mit der E-Gitarre, mit Rock- und Jazzmusik aus. "Mein Gitarrenlehrer in Brasilien hat auch komponiert. Ich glaube, ohne sein Vorbild wäre ich nicht darauf gekommen, es selbst zu probieren", sagt Daniel Moreira.

Vor fünf Jahren erhielt er die Chance, an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg den Master-Abschluss im Fach Komposition zu machen. "Deutschland ist ein Topland für neue und zeitgenössische Musik. Da wollte ich gern hin", blickt er zurück. Da habe er nicht lange überlegt, als die Zusage gekommen sei. So kam der Brasilianer nach Europa, ohne die Sprache zu sprechen. Doch nach fünf Jahren beherrscht er diese perfekt - und fühlt sich sehr wohl. "Ich war gerade mal einen Monat hier, da ist ein Stück von mir öffentlich aufgeführt worden", erinnert er sich gern. In seiner Heimat tue man sich mit zeitgenössischer Musik schwerer. Vor zwei Wochen habe es die erste Aufführung eines seiner Werke in seinem Heimatland gegeben.

Deutscher Musikpreis im Jahr 2012 gewonnen - Impuls für Karriere

Der Gewinn des Deutschen Musikpreises 2012 im Bereich Komposition war für Daniel Moreira "der erste Impuls für meine Karriere", sagt der 29-Jährige. Er schreibe seine Stücke vorwiegend am Computer. Eingang finden in die Melodien auch Klänge aus der Umgebung oder aus dem Internet sowie Töne von Haushaltsgeräten, beschreibt er. "Am Anfang sauge ich alles auf, was um mich herum ist. Dann suche ich nach einer musikalischen Idee." Es könne durchaus sein, dass von dem ersten Gedanken im fertigen Werk nichts mehr enthalten sei. "Ich arbeite fünf bis sieben Stunden am Tag, muss aber manchmal die Melodien aus der Ferne betrachten und neu sortieren", sagt Daniel Moreira. Die Komposition entwickele sich wie ein Wesen, das heranwachse.

Seit drei Jahren unterrichtet er als Dozent für Akustik und Instrumentenkunde an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. In Hamburg hat er gerade ein Projekt mit Schülern abgeschlossen, das in der nächsten Woche öffentlich vorgestellt wird. Das brachte die Vorstandsmitglieder des Fördervereins des Künstler- und Stipendiatenhauses auf eine Idee: Warum nicht etwas gemeinsam mit der Kreismusikschule machen? Der Gast, der sich in Salzwedel sehr wohl fühlt, weil "alles praktisch um die Ecke ist", ist dazu gern bereit.

Für Daniel Moreira ist Salzwedel der zweite Stipendiatenaufenthalt nach Lauenburg. "Ich dachte, Salzwedel ist kleiner. Aber da habe ich mich wohl geirrt", gibt er zu.