Das Salzwedeler Jahngymnasium befindet sich personell gesehen am Limit. Eineinhalb Lehrerstellen reichen längst nicht mehr aus, um alle Ausfälle abzudecken.

Salzwedel l Nicht nur in der Lessing-Ganztagsschule gibt es massive Probleme, Unterricht und Ganztagsbetrieb abzudecken. Auch am Jahngymnasium ist das Thema Lehrermangel aktuell. Am Dienstagabend wurde darüber intensiv im Schulelternrat diskutiert. Denn auch wenn das Schuljahr mit einer Stundenabdeckung von knapp 102,5Prozent begann, und damit gesetzliche Vorgaben erfüllt sind, zeigt sich in der Realität ein anderes Bild. Und das seit Wochen. Aktuelles Beispiel: Heute fehlen in der Schule 13 Lehrer, teils durch Krankheit, teils durch Exkursionen und Fortbildungen. Etwa eineinhalb Lehrerstellen, die für Vertretungsstunden vorgesehen sind, reichen nicht annähernd, um den planmäßigen Unterricht fachgerecht oder überhaupt abzudecken.

Einige Jahrgänge sind besonders betroffen. Probleme bereitet derzeit vor allem der Fachbereich Französisch, in dem von drei Lehrern nur einer in vollem Umfang zur Verfügung steht. Bemühungen, ehemalige Lehrer oder Befähigte auf Honorarbasis zu beschäftigen, sind bislang gescheitert. Die ausgeschriebene Stelle zu besetzen, ist nicht gelungen. Salzwedel als Arbeitsort wurde von potenziellen Lehrern abgelehnt. Entweder gibt es keine oder nicht fachgerechte Bewerber, bestätigt sich ein Problem, mit dem auch die Lessing-Ganztagsschule zu kämpfen hat (wir berichteten gestern).

Derzeit hängen Unterrichtsausfälle vor allem mit Krankheit, Kuren, familiären Umständen, Fortbildungen, Veranstaltungen wie Jugend trainiert für Olympia und Ähnlichem, Exkursionen, Projekten und Vorruhestandsregelungen zusammen. All das bindet Lehrer und damit auch Unterrichtsstunden. Flexible Einsatzmöglichkeiten, Lehrer über das vorgesehene Wochenstundenlimit hinaus zu beschäftigen, verschieben das Problem nur. Denn dafür muss es später einen Freizeitausgleich geben.

Für die nächsten Jahre werden am Jahngymnasium Probleme in einem breiten Fächerkanon erwartet. Neben Französisch könnte es Lehrermangel in den Bereichen evangelische Religion, Deutsch, Kunst und vor allem auch in den Naturwissenschaften geben. Dort sind die guten Zeiten, in denen die Schule mit reichlich Personal ausgestattet war und sogar noch Lehrer abordnen konnte, längst vorbei. So sollen im vorigen Schuljahr drei Lehrer aus den Bereichen Mathematik mit Zweitfach Chemie oder Physik aufgehört haben. In diesem und dem nächsten Schuljahr werden insgesamt voraussichtlich vier weitere Lehrkräfte mit dieser Fächerkombination in den Ruhestand wechseln.

Eine Tatsache, die sorgenvoll in die Zukunft blicken lässt. Denn dort ist man sich sicher: Andere altmärkische Schulen haben die gleichen Probleme, so dass es immer schwieriger wird, Personal von anderen Schulen abzuordnen und den Mangel auszugleichen.