Die Erweiterung des Windparks Liesten durch drei 196 Meter hohe Anlagen stößt in der Bevölkerung auf Widerstand. Die Bürger fürchten zusätzliche Lärm- und Schattenbelastung. Bei einem Informationsabend der Stadt warben die Investoren um Zustimmung.

Salzwedel l Kay Dammholz machte aus ihrer Ablehnung der Ausbaupläne für den Liestener Windpark keinen Hehl: "Sie machen Liesten tot", sagte sie am Montagabend während einer Informationsveranstaltung, zu der die Stadt Salzwedel die Einwohner der Dörfer Liesten, Depekolk, Benkendorf und Büssen sowie die Investoren eingeladen hatte.

Grund für den Ärger der Liestenerin sind die Pläne der Investoren Hans-Wilhelm Giere, Erich Preißler und Lars Müller. Auf dem Gebiet des Windparks Liesten/Jeggeleben wollen sie noch in diesem Jahr zusätzlich zu den vorhandenen 18 Windrädern für knapp 15 Millionen Euro drei weitere errichten. Anders als die bestehenden Anlagen sollen die neuen allerdings deutlich höher werden: 196 statt 145 Meter.

Mehrere Anwohner fürchten genau deshalb eine Zunahme der ohnehin wahrgenommenen Belastung durch Lärm und Schattenwurf. Andreas Weigelt sagte: "Die Lärmbelastung ist schon jetzt horrend." Wegen der Windräder habe er sich Schallschutzfenster in sein Haus einbauen lassen. Vom Altmarkkreis veranlasste Messungen seien bislang aber ohne Ergebnis geblieben.

Kay Dammholz erinnerte an eine Unterschriftenaktion, bei der sich im Jahr 2012 mehr als 100 Einwohner gegen den Windpark ausgesprochen hätten. "Die Unterschriften zeigen deutlich, wie die Bevölkerung hier zu den Windrädern steht", sagte sie. Schon beim vorhandenen Windpark seien Versprechungen des Betreibers, die Windanlagen auf Lärmbelastung zu überprüfen und im Zweifelsfall abzuschalten, nicht eingehalten worden. "Bei höheren Windrädern sind ein größerer Schattenwurf und höhere Lärmbelastung vorprogrammiert."

Stadt kann die Höhe der Windräder reduzieren

Hans-Wilhelm Giere warb um Zustimmung für die Erweiterung des Windparks. Die größere Bauhöhe der neuen Windräder habe allein wirtschaftliche Gründe, sagte er. Um der Bevölkerung entgegenzukommen, habe man den ursprünglichen Plan, fünf Windräder zu errichten aufgegeben, weil diese zu dicht an der Bebauung gestanden hätten, sagte er.

Mit den drei nun vorgesehenen Anlagen würden die Investoren freiwillig den Abstand von 1000 Metern zu den nächsten Gebäuden akzeptieren. Außerdem habe man alle notwendigen Gutachten fertiggestellt, darunter eine Untersuchung der Fledermausbewegungen und Tier-Tötungen durch Windkraftanlagen. Auch die gesetzlichen Grenzwerte für Lärm würden durch die neuen Anlagen nicht überschritten. "Es ist theoretisch leise", sagte Giere. Das Argument, die Mehrheit der Bevölkerung sei gegen den Windpark, wollte Giere ebenfalls nicht stehen lassen. "Dafür sind relativ wenig Leute hier", sagte er.

Der Ortschaftsrat soll sich nun noch einmal mit dem Thema befassen und sich zum Windpark positionieren. Anschließend wollen die Investoren den Bauantrag beim Altmarkkreis Salzwedel einreichen. Erfüllen die Investoren alle rechtlichen Vorgaben, dürfte einer Genehmigung des Projektes nichts im Wege stehen, denn die Anlagen sollen in einem Vorranggebiet für Windenergie entstehen. Salzwedels Bauamtsmitarbeiterin Annerose Lahmann sagte, in einem begründeten Fall habe die Stadt allerdings das Recht, die Höhe der Windräder zu begrenzen.