Stendal/Gardelegen l Wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs in insgesamt zwölf Fällen muss sich ein 72 Jahre alter Mann aus Gardelegen seit gestern vor der Jugendschutzkammer am Landgericht in Stendal verantworten.

Dem vielfach, auch schon zu DDR-Zeiten einschlägig vorbestraften Rentner, wird vorgeworfen, einem im Mai 2001 geborenen Jungen von Sommer 2012 bis Mai 2013 elfmal am Geschlechtsteil manipuliert zu haben. Außerdem soll er mit dem Kind einen Pornofilm geguckt haben. Zu den Vorwürfen äußerte sich der Rentner gestern nicht.

Zuletzt hatte das Landgericht Stendal im Oktober 2007 den damals 66-Jährigen zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe wegen mehrfachen Kindesmissbrauchs verurteilt. Erst im Januar 2010 war er aus der Haft entlassen worden. Das Landgericht Magdeburg hatte ihn für vier Jahre unter Führungsaufsicht einer Bewährungshelferin gestellt. Gerichtspsychiater Dr. Mohammad Hasan sprach dem Angeklagten 2007 volle Schuldfähigkeit zu: "Der Angeklagte ist kein Pädophiler (Anm. d. Red.: sexuelle Neigung zu Kindern) mit perversen Visionen."

Seine Bewährungshelferin, die ihn schon seit langem kennt, sagte gestern aus, dass es "keine erkennbaren Anzeichen für Straftaten" gegeben habe. Er hätte nach der letzten Haftverbüßung in vertrauter Umgebung in Gardelegen wieder "Fuß gefasst". Sie bescheinigte ihm eine "gute Zusammenarbeit" und fast wöchentlichen Kontakt - bis zu seiner Verhaftung am 19. Mai vorigen Jahres. Seitdem sitzt er in U-Haft. Über sein Sexualleben wisse sie nichts. Nur, dass er einen Freund hatte, der schon über 18 gewesen sei.

Dem Vorsitzenden Richter Ulrich Galler fiel die "Häufung von Kinderbetreuungseinrichtungen" in der Nachbarschaft des Angeklagten auf. Wo ihm doch jeglicher Kontakt zu Kindern und Jugendlichen untersagt war. Eine Anwältin vertritt die Interessen des laut Anklage missbrauchten, heute zwölfjährigen Jungen. Der soll am 21. Februar als Zeuge gehört werden.