In den Gotteshäusern der Hansestadt sind zahlreiche Grabsteine zu finden. Die Volksstimme-Serie "Salzwedeler Kirchengräber" beleuchtet die Personen, die in den Kirchen beigesetzt wurden. Heute: die Familie Cleinow.

Salzwedel l Die Grabsteine der Familie Cleinow liegen im hohen Chor der Marienkirche. Die für Wilhelm Johann Georg Cleinow und seine Ehefrau Katharina Sophia, geborene Krusemarcken, sind nebeneinander platziert. Nicht weit davon entfernt finden sich die Grabplatten ihres Sohnes Johann Christian Wilhelm Cleinow und von Anna Luise Sophie Cleinow.

Die relative Nähe der Grabplatten zum Altar deutet darauf hin, dass die Familie Cleinow in Salzwedel, insbesondere in der Gemeinde der Marienkirche, sehr hohes Ansehen genossen hat. Auch in den Abhandlungen von Johann Friedrich Danneil und August Wilhelm Pohlmann finden sich Lobeshymnen auf Wilhelm Johann Georg Cleinow.

Pohlmann weiß zu berichten, dass Cleinows Reden ihm eine "Einladung zu einem Predigeramte in Hamburg" eintrug. Auch Danneil schreibt ausführlich über das Redetalent von Cleinow, auch darüber, dass er bis zum Jahre 1776 nie einen Vortrag zweimal hielt. Erst in diesem Jahr würden einige Themen ein zweites Mal auftauchen. In der Abhandlung heißt es weiterhin, dass Cleinow bei seinen Predigten "ungezwungen, lebhaft und nachdrucksvolll" gesprochen hätte.

Viel Anerkennung für sein rhetorisches Talent

Cleinows rhetorisches Talent brachte ihm die Anerkennung von Nicolaus von Gercken ein, "der sonst eben kein Freund der Theologen war".

Ab 1794 wurde sein Sohn Johann Christian Wilhelm Diaconus der Marienkirche, wo "der würdige Vater die Freude hatte, seinen Sohn zum Kollegen zu haben".

Wilhelm Johann Georg Cleinow wurde am 28. Januar 1727 geboren. Was seinen Geburtsort angeht, gibt es zwei Angaben. Danneil nennt Osterwohle als Geburtsort, Pohlmann das nahegelegene Tylsen. Über seine Ehefrau Katharina Sophia ist bekannt, dass sie am 10. Juli 1731 in Lenzen geboren wurde und am 4. Oktober 1808 in Salzwedel gestorben ist. Sie hatten vier gemeinsame Kinder.

Wilhelm Johann Georgs Vater war Diakonie-Beamter. Zuerst wurde der Junge von einem Hauslehrer unterrichtet, bis sein Onkel ihn 1741 nach Königsberg mitnahm, wo er ab 1744 am Collegio Fridericianus studierte.

Studium der Theologie, Philosophie und Mathematik

Über seine Studien schreibt Danneil: "Außer den theologischen Disciplinen und den Hebräischen trieb er mit Eifer Philosophie, Mathematik und die klassischen Sprachen des Alterthums". Im Sommer 1748 verließ er Königsberg und ging ein Jahr auf Reisen, bevor er sich für ein halbes Jahr an der Universität Halle einschrieb, weiß Pohlmann zu berichten.

Ab 1749 war er erst bei einem Sohn derer von Knesebeck in Stendal als Hauslehrer tätig und unterrichtete dann Johann Joachim Winckelmann. Beide bleiben später in Kontakt, auch wenn Danneil einschränkt, dass der Briefwechsel später einschlief, "weil die Studien beider zu wenig Berührungspunkte hatten". 1756 übernahm er das Inspektorat und Pastorat in der Neustadt. 1766 wurde er Superintendent und übte dieses Amt bis zum Jahr 1798 aus, als er am 10. Mai an einem Schlaganfall starb. Er war zu diesem Zeitpunkt 32 Jahre im Amt.

Der Sohn Johann Christian Wilhelm Cleinow wurde am 20. August 1764 geboren. Nach dem Schulbesuch in Salzwedel und Halberstadt ging er zum Studium nach Halle. 1799 wurde er Archidiakon. Er starb am 8. Juli 1826 ebenfalls an einem Schlaganfall.

Auf dem vierten Grabstein steht Anna Luise Sophie Cleinow, geboren am 4. März 1758, gestorben am 20. Januar 1823. Über sie ließ sich nichts weiter herausfinden, aber es ist zu vermuten, dass sie eine Tochter von Wilhelm Johann Georg und Katharina Sophia Cleinow gewesen ist.