Auf dem Truppenübungsplatz in Letzlingen entsteht hinter den Absperrungen Schnöggersburg. Flussbett, Bahnschienen, Kanalisation - die Stadt wächst. Die U-Bahn soll noch in diesem Jahr fertig werden.

Letzlingen l Schnöggersburg wächst: 1500 Meter Schienen sind für die Bundeswehrübungsstadt verlegt. Unter der künftigen Altstadt liegt bereits ein Kanalisationsnetz. Die U-Bahn soll dieses Jahr fertig werden (Kosten: 2,5 Millionen Euro). Die Fortschritte in den vergangenen Monaten sind deutlich sichtbar. "Das erkennt man gar nicht wieder", sagt Bernd Schmidt, der als Fahrer für die Bundeswehr arbeitet und häufig auf dem Truppenübungsplatz unterwegs ist.

Ein riesiges Flussbett erstreckt sich vor ihm. Die Eiser schlängelt sich 800 Meter lang durch die Letzlinger Heide. 22 Meter ist der Fluss breit. Fünf Brücken sollen über ihn führen.

"Das Zentrum liegt am Fluss. In den Randbereichen gibt es die Autobahn oder das Industriegebiet."

Falko Balzer

Arbeiter fertigen die Verschalungen für die Brückenpfeiler. Kosten für den Fluss und die Brücken: zirka 10 Millionen, Bauzeit bis Mai 2015, sagt Falko Balzer, Geschäftsführer des Landesbetriebes Bau. Der Diplom-Ingenieur hat Schnöggersburg mitentwickelt. Der Landesbetrieb arbeitet bei dem Projekt für das Bundesverteidigungsministerium. Ein Luftbild und die Baubeschreibung des Auftraggebers waren der Anfang. "Nach den Grundsätzen der Stadtplanung haben wir Schnöggersburg entwickelt. Das Zentrum liegt am Fluss. In den Randbereichen gibt es die Autobahn oder das Industriegebiet", erklärt Balzer. Schnöggersburg bekommt ein Elendsviertel, Landwirtschaft, moderne Hochhäuser und normale Infrastruktur von Supermärkten bis zum Sportstadion. Das alles auf einer Fläche von 2 mal 2,5 Kilometern. Bis 2020 solle das 100-Millionen-Euro-Projekt stehen, 2017 die ersten Soldaten üben können.

Für Balzer ist eines klar: "Wenn wir Soldaten ins Ausland schicken, müssen sie gut ausgebildet sein." Die Übungsstadt soll sie auf komplexe und realistische Einsatzszenarien vorbereiten. Feinde können sich in der Kanalisation verstecken. Panzer bei der Fahrt durch die Altstadt einbrechen oder in den engen Gassen steckenbleiben. Als nächstes steht die Planung der Altstadt auf dem Plan. Mit dem Bau soll im Herbst begonnen werden. Bis dahin sei hoffentlich auch klar, wie der Europäische Gerichtshof auf die Beschwerde der Grünen und Linken gegen die Übungsstadt reagiert. Balzer zeigt sich zuversichtlich, dass die Arbeiten weitergehen können. "Wir haben alles getan", sagt er. Ohne die Bundeswehr würde es die Heidelandschaft gar nicht geben. Die Panzer zerstören die Birken. Balzer: "Sonst wächst rucki zucki die offene Landschaft zu." Bisher liegt Schnöggersburg voll im Zeitplan. "Meine Männer mussten wegen des Winters eineinhalb Wochen Pause machen, aber jetzt geht es weiter", sagt Bauleiter Martin Meyer. Es ist für viele eine besondere Aufgabe. Sie arbeiten mitten in der Heide. "Wir haben zwar Ruhe, dafür gibt es logistische Probleme", sagt der Bauleiter. Täglich bekommen die Arbeiter außerdem tierischen Besuch. Ein Fuchs schaut immer bei den Baucontainern vorbei. "Wir haben ihn Hans genannt", sagt Meyer.

   

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