Mit fast 500 Besuchern war das Salzwedeler Kulturhaus zur Auftaktveranstaltung des Jahres 2011 am Donnerstag restlos ausverkauft. Das Musiktheater Prag verzauberte beim Großen Neujahrskonzert mit Wiener Melodien des 19. Jahrhunderts.

Salzwedel. Mit einer überaus gelungenen Veranstaltung ist der städtische KulTour-Eigenbetrieb Donnerstagabend in Salzwedel in die neue Konzert- und Theatersaison gestartet. Mit fast 500 Besuchern war die Kulturstätte restlos ausverkauft. Um das traditionelle Große Neujahrskonzert erleben zu können, mussten sich Liebhaber der leichten Muse schon beizeiten eine der begehrten Karten sichern.

Bereits zum zweiten Mal nach 2009 gastierte das Musiktheater Prag mit Orchester, Gesangssolisten, Chor und Ballett in Salzwedel. Unter der musikalischen Leitung von Klaus Linkel und der Regie von Oldrich Kriz entführte das Ensemble die Freunde des Walzers und der Polka in das Wien des 19. Jahrhunderts.

Die Vater-Sohn-Operettendynastie Johann Strauß beglückte die Welt im "Goldenen Zeitalter" mit den schönsten Wiener Operetten. Die herrlichen Arien aus der "Fledermaus", "Eine Nacht in Venedig" und "Der Zigeunerbaron" haben Musikgeschichte geschrieben. Auch Carl Zellers "Der Vogelhändler" und "Der Bettelstudent" von Karl Millöcker sind gern gespielte Operetten auf den Bühnen dieser Welt.

So gaben sich am Donnerstagabend auf der Kulturhausbühne fast ausnahmslos österreichische Komponisten musikalisch die Hand. Einzig die Franzosen Jacques Offenbach und Emile Waldteufel ergänzten mit ihren Werken den Wiener Charme mit Pariser Chic.

Die Werke der Komponisten entstanden in der "Goldenen Zeit" der Operette von der Mitte bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert. Dementsprechend hatte man auch die Bühne des Kulturhauses in ein goldenes Tuch gebettet. Hoch oben über den Köpfen des Ensembles wachte der österreichische Doppeladler darüber, dass der Wiener Charme und die unbeschwerte Fröhlichkeit auch das altmärkische Publikum ergriff.

Doch da konnte er sich ganz beruhigt zurücklehnen: Denn schon nach den ersten Takten waren die Gäste dem Jetzt entrückt und hatten sich kollektiv in die Zeit von Kaiser Franz Joseph I und Kaiserin Sissi entführen lassen. Leichte, beschwingte Melodien vom Prague Festival Orchestra, sehr dezent intoniert, wurden gekrönt von den einfühlsamen Arien, vorgetragen von den Solisten Peggy Steiner (Sopran), Rebekka Reister (Sopran), Thomas Andersson (Tenor) und des Baritons Oldrich Kriz.

Doch die großen Komponisten hinterließen nicht nur zauberhafte Operetten. Sie schufen auch die Melodien für einen Tanz, der eng mit der österreichischen Hauptstadt verknüpft ist, den Wiener Walzer. Das Ballett zelebrierte "die Königin des europäischen Tanzes" mit einer Leichtigkeit und Professionalität, dass das Publikum immer wieder die Leistungen mit frenetischem Beifall honorierte.

Dank der zahlreichen Betei-ligten in ihren farbenfrohen Kostümen gab es auf der Bühne für das Publikum vieles zu entdecken. Ein gespieltes Techtelmechtel in der einen Ecke der Bühne, ein Zank in der anderen während der vorgetragenen Arien schmälerten in keiner Weise die Darbietung. Im Gegenteil: Sie verliehen Lebendigkeit, belustigten und waren das sprichwörtliche Salz in der Suppe. Das Publikum fühlte sich ausgezeichnet unterhalten. Nach über zwei Stunden verabschiedete sich das Prager Musiktheater mit einem markigen Radetzky-Marsch. Nur ungern ließ sich das Publikum der Wiener Traumwelt entreißen und forderte dem Musiktheater mit lang anhaltendem Beifall eine Zugabe ab.

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