Salzwedel als dritter Standort der Hochschule Magdeburg-Stendal - Robert von Morgen möchte die Hanse- und Baumkuchenstadt auf diese Weise beleben. Das erklärte er beim Forum der neuen Wählergemeinschaft Die Hanseaten.

Salzwedel l "Salzwedel verkauft sich unter Wert", findet Robert von Morgen, der über die freie Wählergemeinschaft Die Hanseaten in den Stadtrat einziehen möchte. Seit 20 Jahren kennt und schätzt er die Stadt, ist von der Elbmetropole Hamburg ins beschauliche Salzwedel gezogen. Um Salzwedel voranzubringen, brauche es Visionen, sagte er am Dienstagabend beim ersten Bürgerforum der neuen Wählergemeinschaft im Club Hanseat. Zumindest eine seiner Visionen benannte er auch: Salzwedel als Hochschulstandort. Das würde die Stadt beleben, findet von Morgen. Vorstellbar wäre aus seiner Sicht, Salzwedel als dritten Standort der Hochschule Magdeburg-Stendal zu entwickeln. "Inzwischen gibt es aber auch viele private Hochschulen", sagte er im Anschluss an das Forum. Im Pflegebereich beispielsweise werde Fachpersonal gesucht.

Breitband: Wähler- gruppe sieht zu hohes Haftungsrisiko

Seitens der Landesregierung gab und gibt es keine Überlegungen für einen Hochschul-standort Salzwedel. Die Altmark hat mit Stendal einen attraktiven und etablierten Hochschulstandort, der fachlich gut aufgestellt ist und von jungen Menschen sehr gut angenommen wird, hieß es gestern auf Nachfrage aus dem Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft.

Das Forum begann mit einer Vorstellungsrunde. Anschließend positionierten sich die Hanseaten zu einzelnen Themen wie etwa Finanzen und Stadtentwicklung. Dann wurde diskutiert.

Thema war die Frage nach dem Breitband Zweckverband Altmark (BZA), die Stadträtin Susann Meinecke (Freie Liste) aufwarf. Die Hanseaten befürworten schnelles Internet. Die Satzung des Zweckverbandes müsste ihrer Ansicht nach jedoch überarbeitet werden, da das Haftungsrisiko zu groß sei. Dieses Risiko bestehe jedoch nicht, findet Susann Meinecke, denn für die unterschiedlichen Ausbaubezirke ermitteln die Verantwortlichen vorher den Bedarf. Gebaut werde nur, wenn entsprechend viele Verträge geschlossen würden.

Stadtrat Wolfgang Kappler (Salzwedel Land) ergänzte: "Salzwedel kann gar nicht haften, denn auf diesen Zug sind wir nicht aufgesprungen. Wir sollten so schnell wie möglich ans Kabel!", forderte er. Noch ein anderes Thema regte Wolfgang Kappler auf. Der Wunsch der Hanseaten, Fördergeldtöpfe besser auszuschöpfen. Zum einen werde bereits investiert und Fördergeld abgeschöpft, zum anderen "sind uns Fördermittel immer wieder auf die Füße gefallen", sagte er.

Stadtrat Wolfgang Kappler: "Wir streiten in der Sache."

Hatten die Hanseaten kritisiert, dass es im Stadtrat oft um persönliche Differenzen und nicht um die Sache an gehe, so verwehrte sich Wolfgang Kappler dagegen: "Wir streiten in der Sache." Zudem habe der Stadtrat in vielerlei Hinsicht zusammengestanden - etwa als es um die Verhinderung des Baus der Biogasanlage auf dem Chemiewerksgelände ging und als ein Sportstättenentwicklungskonzept auf den Weg gebracht worden war. Und stehen lassen wollte er auch nicht, dass der Stadtrat "gestaltender Teil der Stadtverwaltung" sei, wie es Andreas Goedecke ausgedrückt hatte. "Wir sind der oberste Dienstherr der Verwaltung", betonte Kappler.

Unter den 40 Besuchern des Forums war auch die ehemalige Stadträtin Rosemarie Melzer. Sie sagte: "Mir gefällt die Entwicklung auch nicht. Aber frühere Abgeordnete haben auch nicht geschlafen." Sie forderte, alte Konzepte aus den Schubladen und "junge Leute ins Boot zu holen". Einen sehr jungen Kandidaten haben die Hanseaten auch. Er heißt David Steinke und moderierte den Abend. Er möchte die Stadt für junge Leute attraktiver machen - und das mit wenig Geld. Unter anderem besteht die Idee, ein Wasserballturnier zu organisieren. "Dafür braucht man nicht viel Geld, sondern engagierte Leute", erzählte er.

Nach gut einer Stunde war das Forum beendet. Andreas Goedecke zog ein positives Resümee. Er würde sich wünschen, dass es solche Foren noch öfter gibt. Nicht nur vor der Wahl, sondern auch danach. Dann jedoch in einer etwas lockereren Form als am Dienstag.