Die Frage nach dem richtigen Beruf stellt sich jedes Jahr aufs Neue für die Schulabgänger. Den Schülern die Entscheidungsfindung zu erleichtern, hatten sich die Teilnehmer und Veranstalter der diesjährigen Ausbildungsmesse vorgenommen.

Salzwedel l "Mit der Suche nach dem richtigen Beruf ist es wie bei der Partnerwahl: Auf die gemeinsamen Interessen kommt es an." Mit diesen Worten eröffnete Markus Nitsch, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Stendal, am Sonnabend die Ausbildungsmesse in den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Salzwedel. Aber wie bei der Partnerwahl sollen sich die Schulabgänger auch bei der Berufswahl nicht einschränken. "Liebe auf den ersten Blick gibt es zumeist bei der Jobsuche nicht", meinte Nitsch. Der Pausengong, der in diesem Moment erklang, sorgte dann doch für einige Lacher unter den Anwesenden. "Das unterstreicht meine Worte noch zusätzlich", sagte Markus Nitsch. Er sieht in der Ausbildungsmesse eine "klasse Chance für die Jugendlichen, auch kritisch zu fragen". Manchmal, so ist sich Nitsch sicher, entdecke man bei solchen Gelegenheiten ganz neue Interessen und Fähigkeiten an sich selbst.

"Angesichts des demografischen Wandels aus Fachkräftemangel eine Chance machen."

Landrat Michael Ziche

Landrat Michael Ziche schloss sich diesen Worten an. Er wolle "angesichts des demografischen Wandels aus dem Fachkräftemangel eine Chance machen", meinte er. Man nehme die Lage ernst. Aber natürlich gebe es auch unter der Generation, die jetzt die Schule abschließe, Reserven, die genutzt werden könnten. Besonders hob er hervor, dass an den BBS jetzt eine Fachschule für Berufe rund um die Agrarwirtschaft gegründet wurde. Damit würde eine Möglichkeit ergriffen, das Angebot für Schüler zu erweitern. Ziche bedankte sich am Ende seiner Ansprache bei den Betrieben der Region für ihr Erscheinen.

Die Ausbildungsmesse fand in diesem Jahr nicht wie sonst in der Turnhalle statt, sondern wurde in die Pausenhalle und die Flure der Schule verlegt. "Das ist ja schon fast kuschelig", meinte Markus Nitsch.

Unter denjenigen, die sich den Schülern vorstellten, waren auch die beiden Azubis Victoria Wollgramm und Stefanie Lenz . Die beiden besuchen derzeit die Krankenpflegeschule in Salzwedel. "Die einjährige Ausbildung besteht bei uns aus der Theorie in der Schule in Salzwedel und einem halben Jahr Praktikum", erzählte Victoria Wollgramm. Diese Praktika werden unter anderem in Altenpflegeheimen oder in Heimen für behinderte Kinder absolviert. Hanka Bammel vom Seniorenzentrum Vita sieht die Altenpflege als "Beruf mit Zukunft". Die Perspektiven, im Pflegebereich einen Job zu finden, stünden sehr gut, denn die Zahl der pflegebedürftigen Menschen steige immer mehr an. "Wichtig ist allerdings, dass die jungen Leute sich der besonderen Beziehung zu älteren Leuten bewusst sein müssen", weiß Bammel.

"Ich möchte wissen, welche Voraussetzungen ich für einen Job als Tischler erfüllen muss."

Leon Stephan (14), Schüler

Der 14-jährige Leon Stephan interessiert sich für eine Ausbildung zum Tischler. "Ich bin heute hier, weil ich wissen möchte, welche Voraussetzungen ich dafür erfüllen muss", berichtete er. Dass der Schulabschluss an zweiter Stelle steht, betonte Silke Pieper von der Tischlerei Pieper besonders. "Ob der Bewerber nun einen Realschulabschluss oder Abitur hat, ist nicht das Wichtigste", sagte sie. Es sei schon vorgekommen, dass Hauptschüler eingestellt worden seien, erklärte Pieper, weil eben alle anderen Qualifikationen vorhanden gewesen seien, die ein solcher Beruf mit sich bringe.

Interesse des Azubis am Beruf wünscht sich auch Klaus Dieter Meyer, der für die Baumarktkette Obi vor Ort war. "Wir legen als Arbeitgeber sehr viel Wert auf Pünktlichkeit, Leistungsbereitschaft und Fachkompetenz", erklärte er und fügte hinzu: "Also eigentlich ganz normale Menschen". Eine Ausbildung würde auch überwiegend praxisnah erfolgen.

Michel Bergener (15) ist besonders an einer Ausbildung zum Industriemechaniker oder Mechatroniker interessiert. Ob er in der Region um Salzwedel eine Stelle findet oder weiter weg muss, ist für ihn nicht so wichtig, meinte er. Seine Mutter Gesine Bergener findet es schon "nicht schlecht, wenn die jungen Leute in einer anderen Region eine Ausbildung machen. Dann lernen sie erstmal, auf eigenen Füßen zu stehen". Wichtig sei ihr auch zu wissen, dass es trotzdem in der näheren Umgebung Firmen gebe, die die fertig Ausgebildeten dann doch übernehmen könnten. Insgesamt fände sie die Ausbildungsmesse "sehr informativ".

"Unserem Unternehmen ist es besonders wichtig, die jungen Leute in der Region zu halten."

Petra Schramm, Continental

Petra Schramm von Continental ist es besonders wichtig, junge Leute in der Region zu halten. "Der Standort Dannenberg ist ja nicht so weit entfernt." Sie ist mit dem Zulauf auf der Messe zufrieden. "Hin und wieder sind Leute dabei, die ein wenig schüchtern erstmal in der Tür stehen bleiben, aber die tauen dann auf, wenn sie angesprochen werden", erzählte Schramm.

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