Zu ihrer großen Faschingsfeier hatten die Mitglieder des Salzwedeler Männerchores Harmonie am Sonnabend ins Kulturhaus eingeladen. Dieses verwandelten die Sänger kurzerhand in einen Flughafen.

Salzwedel l Es sollte die schönste Zeit des Jahres werden. Und dann das. Die Air Harmonie geht mit ihrem gesamten Personal in den Streik. Nichts geht mehr. Dieses Szenario erlebten die Fluggäste auf dem altmärkischen Flughafen "Kulti" nun am Sonnabend am eigenen Leibe.

Im Saal war neben zahlreichen Urlaubern auch eine große Anzahl an Piloten zum Nichtstun verdammt. Man gut, dass sich wenigstens auf der Bühne etwas tat und ein kleines bisschen von dem Desaster ablenkte. Etwas Langeweile dagegen herrschte bei den beiden Chefpiloten, oder besser gesagt, Göttern der Lüfte, Heiko Klähn und Peter Sosnowski, die zum Servicepersonal abgestellt waren und sich nun mit den quengligen Fluggästen rumärgern mussten.

Da war es für die beiden eine Freude, dass Dutti Frieda aus dem Duty Free da, sie zwischendurch wenigstens immer mit Kaffee versorgte. Und schon waren auch die ersten Fluggäste da. Darunter ein Rockerquartett, das nach L.A. wollte. Während für drei von ihnen klar war, dass damit das kalifornische Los Angeles gemeint war, war für den vierten das altmärkische Langenapel, die Insel L.A., das angedachte Ziel.

Auch das mit dem "Sex, Drugs und Rock´n Roll" verstand er nicht so richtig, denn statt sechs waren sie doch nur vier. Aber da der Flieger nicht abhob, ging es nun doch auf die Insel nach L.A.

Was macht der Flughafenzoll, wenn er Langeweile hat? Ganz klar, er nimmt sich Zeit für die Fluggäste. Und so kamen nach dem Fingerabdruck-, Gesichts- und Nacktscanner nun auch die verbeamteten Fummler zum Zug, wusste Fluggast Karl-Heinz Kräuter frustriert zu berichten. Für einen Geschäftsreisenden wurde es noch etwas ärgerlicher, denn seine drei Flaschen Whisky und drei Dosen Kaviar, die er zum Selbstverbrauch in seinem Koffer mitführte und die der Zoll entdeckte, heimste letztendlich Dutti Frieda für die Firmenparty ein.

Anschließend schlurfte sie mit ihrem Servicewagen durch den Saal und versorgte die wartenden Fluggäste mit allem, was man für einen Flug so benötigt. Also, mit den entsprechenden Auffangbehältern für diverse Mageninhalte, mit Thrombosestrümpfe und natürlich mit dem immer so begehrten Tomatensaft.

Auf dieser Art und Weise kam bei den wartenden Urlaubern und den streikenden Piloten keine Langeweile auf. In gewohnt lockerer Manier sorgte das Personal der Air Harmonie für gute Unterhaltung und verabschiedete sich zum Ende des Programms, wie es sich für einen Chor gehört, mit einer Vielzahl von Liedern rund um das Fliegen. Begleitet wurde der Männerchor von Stefan Huth, dem Mann mit dem einen Flügel, am Klavier und dirigiert von ihrem Chorleiter Herrmann Horenburg.

   

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