Arendsee l Keiner wird mich mehr mit seinem feinen Humor überraschen, mit einem Lächeln grüßen und einem Eukalyptusbonbon oder einem kleinen Nussbäumchen aus seinem Gartenreich beschenken: Otto Friedrich Goyer lebt nicht mehr.

Der unverwechselbare und unermüdliche Arendseer ist am Dienstag im Alter von 82 Jahren gestorben. Am 28. Mai hätte er seinen 83. Geburtstag gefeiert. Und sicher hätte er den Tag wie immer in der Saison an seinem Lieblingsplatz verbracht: am Strand. Über 60 Jahre hatte der rührige Geschäftsmann an seinem Kiosk, inzwischen zur Passage umgebaut, Badeartikel und Imbisssnacks verkauft. Der besondere Renner aber waren seine Liegestühle, über deren Verleih Otto Friedrich Goyer ebenso akribisch Buch führte wie über das Wetter. Neben dem Strandbadzaun pflanzte er Nussbäumchen, die sicher noch in Jahrezehnten an ihren Gärtner erinnern.

Die Tage im Strandbad waren sein Lebenselixier, das ihm zusammen mit seiner Familie sogar über seine Krankheit hinweghalf.

Als Stadtrat prägte Otto Friedrich Goyer viele Jahre die Arendseer Stadtgeschichte maßgeblich mit. Nach der Wende übernahm er den Vorsitz des ersten Fremdenverkehrsvereins, des heutigen Tourismusvereins. Er war Familienmensch und Opa, Numismatiker und Gärtner, guter Beobachter und Menschenkenner. Und nie werde ich meine erste Begegnung mit ihm vergessen vor 33 Jahren, an die er sich noch stets erinnerte, wenn wir uns trafen: "Wo ist denn dein Vater?", wollte er auf der Suche nach meinem Mann von mir (damals 27) wissen. Über diese Verwechslung mussten wir jedes Mal lachen. So vergeht die Zeit. Und so hat jedes Leben seine Zeit.