Schnee und Eis bestimmen das Bild des Salzwedeler Tierparks, der neben dem zugefrorenen Pfefferteich in aller Stille ruht. Viel los ist nicht während dieser Jahreszeit, doch Leiter Jens-Olaf Schawe hat alle Hände voll zu tun, um die Tiere auch bei eisigen Temperaturen so gut es geht zu pflegen und die Gehege in Stand zu halten.

Salzwedel. Ab und an finden noch einige kälteresistente Besucher den Weg in den kleinen Salzwedeler Tierpark, doch der große Ansturm ist längst vorbei. Der Winter ist eingekehrt. Und auch wenn keines der Tiere Winterschlaf hält, so geht es dieser Tage doch gemächlicher in den Gehegen zu. Tierpark-Leiter Jens-Olaf Schawe hat jedoch alle Hände voll zu tun, denn der Winter hat seine Tücken. "Das Problem ist, die Tiere ständig mit offenem Wasser zu versorgen. Es muss immer zugänglich sein und darf nicht gefrieren", sagt er. Noch kurz vor Weihnachten sei der 80 Liter fassende Boiler geplatzt, ein neuer wurde bereits angeschafft. Ständig muss warmes Wasser – die Hühnertränken zweimal täglich – nachgefüllt werden.

Die Kälte stellt die Tiere sonst vor keine Probleme. "Das macht denen nichts aus, wir haben ja hier keine Exoten." Stärkung gibt es für die heimischen Tierarten mit speziellem Futter wie Quetschhafer, den beispielsweise die Esel bekommen. "Das ist besser verdaubar. Mehr Futter als sonst benötigen sie aber nicht." Den Tieren würde nur nasskaltes Wetter nicht bekommen, "ansonsten ist der Kälteschutz mit dem dicken Fell oder dem Federkleid vorhanden". Solange die Tiere trocken lägen, gebe es keine Probleme, erklärt der 41-Jährige.

Eislöcher schlagen für Pfefferteich-Fische

Der angrenzende Pfefferteich ist zugefroren und das macht vor allem den Fischen zu schaffen: Atemnot ist die Folge. "Da-rum stoßen wir hier auch regelmäßig die Eisdecke frei." Hilfe bekomme er dabei auch von seinem Praktikanten, der noch drei Monate im Tierpark tätig ist. Der 23-jährige Tobias Gracz ist derzeit quasi die rechte Hand von Jens-Olaf Schawe.

Wenn der Tierpark-Leiter auf das Jahr zurückblickt, sei vor allem der Vorfall mit der Ponystute ein dramatisches Ereignis gewesen. "Bis heute ist eigentlich ungeklärt, wo das Fohlen abgeblieben ist." Nach dem Tag der Geburt habe man zwar die gesunde Nachgeburt gefunden, und die Stute habe Milch produziert. Aber von dem Fohlen fehlte jede Spur. "Man spekuliert natürlich hin und her, aber eine Erklärung habe ich bis heute nicht", so Schawe. "Ich bin da Realist und für mich kommt eigentlich nur in Frage, dass es gestohlen wurde." Immerhin sei es nirgends tot aufgefunden worden. Es sei alles schon sehr seltsam, denn die Ponystute hätte sich normalerweise vor Eindringlingen gewehrt und sich bemerkbar gemacht. 2011 hofft der Tierpark-Chef auf ein neues Fohlen. Es wäre dann das dritte Kind für die Stute.

Ein freudiges Ereignis war die Geburt von Zwergrind-Kalb Diego, das gesund zur Welt kam und mittlerweile sechs Monate alt ist. Auch Lämmer und Ferkel seien geboren worden. "Im Frühjahr bekommt unsere Sau Uschi auch wieder Nachwuchs", blickt Schawe voraus. Bis zu zwölf Ferkel könnten in einem Wurf auf die Welt kommen.

Nicht nur sie soll für Zuwachs sorgen. "Uns ist es noch nicht gelungen, unsere Mimi wieder zum Tragen zu kriegen. Künstliche Besamung hat nicht funk- tioniert. Daher werden wir es auf natürliche Weise probieren und die Kuh wahrscheinlich im März oder April zu einem Bullen bringen. In Lemgow gibt es einen geeigneten", sagt Schawe.

Ein recht neuer Bewohner ist der Albino-Pfau, der vor einigen Wochen aus Arendsee in den Tierpark kam und mit seinem weißen Federkleid dem Winter alle Ehre macht.

Im Tierpark wird kein Eintritt kassiert. Darum können die Besucherzahlen nicht registriert werden. Im Sommer sei aber Hochsaison gewesen. "Wir haben natürlich ein gewisses Stammpublikum, meistens Familien", sagt der Tierliebhaber. Gerade die älteren Besucher bauen mit der Zeit eine Bindung zu den Tieren auf, weiß er zu berichten. Doch viele meinen es auch zu gut mit der Tierliebe: "Es ist nicht erwünscht, dass Besucher die Tiere füttern. Darum haben wir auch Hinweisschilder angebracht, die erläutern, warum das so ist." Die Leute würden alles bringen, was sie übrig haben, manchmal sei das nicht immer nur frisches Gemüse. "Manchmal ist es hier wie bei der Tafel", findet der Tierpfleger. Das massenhafte Brot könne er gar nicht alles verfüttern. Falls jemand was abzugeben hat, könne er die Futtertonnen befüllen. Doch die Tiere seien so gut genährt, dass Esel und Pony bereits Stoffwechselerkrankungen aufgrund ihrer Beleibtheit hätten.

Blumenbeet soll angelegt werden

Das neue Verwaltungshäuschen – Ersatz für das abgebrannte Gebäude – wurde im Februar in Besitz genommen. "Seitdem haben wir uns gut eingelebt und sind zufrieden. Der Vorher-Nachher-Effekt ist enorm groß", so Schawe. 2011 soll ein Blumenbeet angelegt und der Eingangsbereich um das neue Haus fertig gestellt werden. Die Hofinnenfläche sei in Zusammenarbeit mit der Jeetze-Landschaftssanierung gepflastert worden.

 

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