Neuntklässler der Salzwedeler Pestalozzischule haben gestern die letzte von vier Sitzungen im Rahmen eines Anti-Gewalt-Trainings absolviert. Organisiert wurde das Projekt, an der ausgewählte Jugendliche teilnahmen, von Schulsozialarbeiterin Lena Meier. Henning Riedel, Träger eines Meistergrades im Judo und Mitglied des Mediationsteams Wendland, gab den Mädchen und Jungen Tipps, wie sie Konflikte gewaltfrei lösen können.

Salzwedel. "Stopp" sagen und den Rückwärtsgang einlegen, den Raum des Anderen akzeptieren und ihm die Chance geben, sich zu entschuldigen: Diese Vorgehensweise soll Salzwedeler Pestalozzischülern künftig dabei helfen, Konflikten gezielt aus dem Weg gehen zu können beziehungsweise dabei helfen, Eskalationen zu vermeiden.

Henning Riedel, ein ausgebildeter Kampfkünstler und Träger eines Meistergrades im Judo sowie Mitglied des Mediationsteams Wendland, machte ausgewählte Neuntklässer in insgesamt vier Sitzungen fit dafür, Nein zu Gewalt zu sagen. "Mit der Faust Konflikte lösen, ist das allerletzte", gab der Referent den Jugendlichen im Rahmen eines Anti-Gewalt-Trainings mit auf den Weg.

Ein Kampfkünstler, der Schüler zu gewaltfreiem Handeln bewegen möchte – funktioniert das überhaupt? Durchaus, meinte der Wendländer. Der aus Glienitz stammende Träger des dritten Dan ist Mitglied des Mediationsteams Wendland und weiß, dass sich die Gegner im Judo respektieren. Dies bezeugen sie vor Beginn des jeweiligen Kampfes durch das Verbeugen.

"Sie lernen zu kämpfen, um nicht kämpfen zu müssen"

Klar, dass diese Form der Ehrerbietung gestern nach einem lockeren Fußballspiel und der Erwärmung in der Schulturnhalle an der Amtsstraße auch eine Rolle spielte. Henning Riedel zeigte den Neuntklässlern keine Hebel- oder Würgegriffe beziehungsweise Hüft- oder Schulterwürfe, sondern lud sie zu sogenannten Kuschelkämpfen ein. So bezeichnete der Experte die zu Schulungszwecken inszenierten Auseinandersetzungen – allesamt ohne ernsthaften Hintergrund.

Der erfahrene Kampfkünstler ließ sich dabei auch mal im wahrsten Sinne des Wortes selbst aufs Kreuz legen. Er schritt aber auch sofort ein, wenn es auf den zusammengeschobenen Matten spielerisch mal etwas zu heftig zuging. Sein Anliegen war es, den Schülern das Handwerkszeug der gewaltfreien Kommunikation an die Hand zu geben.

"Sie lernen zu kämpfen, um nicht kämpfen zu müssen", erklärte Lena Meier, seit September als Schulsozialarbeiterin an der Bildungsstätte tätig, den Sinne und Zweck der Übung. Das in insgesamt vier Sitzungen angebotene Anti-Gewalt-Training finde im Rahmen des sozialen Kompetenztrainings statt. Ziel sei es, den beteiligten Mädchen und Jungen ein Stück mehr Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein zu geben, sagte sie. In Planung sei weiterhin ein Streitschlichterprojekt. Es solle im Rahmen von Schulprojekttagen, bei denen es darum geht, Konflikte friedlich lösen zu können, angeboten werden.

Wie an anderen Schulen auch, sei die Hemmschwelle für Streithähne, aneinander zu geraten, sehr niedrig, meinte die Schulsozialarbeiterin. Oft reiche schon eine falsche Geste aus, dass kleinere Rangeleien entstehen. Beim Anti-Gewalt-Training werden den Schülern eigene Grenzen deutlich gemacht. Sie sollen außerdem lernen, die Grenzen anderer anzuerkennen. "Haltung und Körpersprache haben Einfluss auf die Außenwirkung", berichtete Lena Meier.

"Sie wären vermutlich aufeinander losgegangen"

"Wenn Stress ist, solltet ihr versuchen, die Luft rauszunehmen und zurückzugehen", riet der Anti-Gewalt-Trainer seinen Schützlingen. Und nannte ein aktuelles Beispiel. Auf seiner gestrigen Fahrt in die Hansestadt habe er nahe Lüchow zwei an einem Unfall beteiligte Autofahrer voneinander trennen müssen, erzählte Henning Riedel. "Sie wären vermutlich aufeinander losgegangen", sagte er.