Die Stadtverwaltung setzt sich für einen höheren Schutz der Liestener vor Windenergieanlagen ein. Für das Vorranggebiet sollen Höhenbegrenzungen festgelegt und Abstandsregelungen überdacht werden. Der Ortschaftsrat hat der Beschlussvorlage zugestimmt.

Liesten l Gegen die bestehenden 18 Anlagen wird sich wohl nichts mehr tun lassen. Doch für neue Windkraftanlagen im Bereich des Windparkes Liesten-Jeggeleben soll es Einschränkungen geben. Unter anderem sollen Höhenbegrenzungen festgesetzt und der Abstand zu den Ortschaften Liesten und Depekolk erhöht werden. Um das zu erreichen, schlägt die Stadtverwaltung vor, den sachlichen Teilflächennutzungsplan Windenergieanlagen im Regionalen Entwicklungsplan zu ergänzen. Der Ortschaftsrat von Liesten hat dem Vorschlag am Dienstagabend zugestimmt, wenn auch einige Unsicherheit darüber herrschte, welche Auswirkungen eine solche Ergänzung mit sich bringen würde.

Die Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung, Martyna Hartwich und Rosemarie Lahmann, standen dem Ortschaftsrat für Fragen zur Seite. Sie erklärten, dass ohne die Ergänzung des Planes Investoren ohne Einschränkungen im privilegierten Bereich (auf der Karte gelb gekennzeichnet) bauen könnten. Nicht nur jener Investor, der schon einen Bauantrag gestellt hat, sondern prinzipiell jeder, der Interesse hat. Für drei Windräder wäre noch Platz.

Doch Bürger der nahe gelegenen Ortschaften Liesten, Depekolk, Büssen und Benkendorf würden sich schon durch die vorhandenen Anlagen in ihrer Wohn- und Lebensqualität stark beeinträchtigt fühlen, heißt es in der Beschlussvorlage der Verwaltung, über die der Ortschaftsrat abstimmte. Die Bürger, die zur Sitzung gekommen waren, bestätigten das. Deshalb sollen Höhen- und Abstandsregelungen für neue Anlagen dazu beitragen, die negativen Einflüsse zu minimieren.

Eine der betroffenen Anwohnerinnen ist Kay Dammholz. Ihr Haus steht nur etwas mehr als 600 Meter von einem Windrad entfernt. Die Geräusche, die die Anlage bei vollem Betrieb verursacht, hätten bei ihr schon zu Schlafstörungen geführt, berichtete sie der Volksstimme. Sie findet, es müsse ein Abstand von mindestens drei Kilometern zur nächsten Wohnbebauung geregelt werden.

Bereits im Sommer 2012 habe sie sich beim Altmarkkreis über den Krach beschwert. Erst ein Jahr später seien Messungen vorgenommen worden. - Im April, Mai und Juni 2013, geht aus einem Schreiben des Altmarkkreises an die Liestenerin hervor.

Weitere Messungen gab es im Februar 2014. Ende Februar erhielt sie schließlich den Bescheid, demnach keine Grenzwerte überschritten worden seien. Was die Liestenerin stört: Vor allem im Herbst und im Winter, also in den windreichen Jahreszeiten, seien keine Messungen vorgenommen worden. Auch nachts sei nicht gemessen worden.

Dammholz hatte sich gemeinsam mit weiteren Liestenern gegen die Erweiterung des Windparkes gewehrt. Dazu gab es auch eine Versammlung (wir berichteten). Seither herrsche eine "himmlische Ruhe", bestätigte nicht nur Kay Dammholz, sondern auch der stellvertretende Ortsbürgermeister Andreas Weigelt während der Sitzung am Dienstagabend. So ruhig sei es in den vergangenen zehn Jahren nicht gewesen, waren sich die Einwohner einig.

Der zuständige Mitarbeiter des Altmarkkreises Salzwedel sei gestern im Außendienst unterwegs gewesen. Deshalb war beim Kreis keine Stellungnahme zu bekommen.

Die Beschlussvorlage der Stadt wird nun nach dem Beschluss des Ortschaftsrates in den Gremien des Stadtrates behandelt, also im Bauausschuss und im Hauptausschuss, und am 23.April im Stadtrat. Der Stadtrat wird abschließend über die Beschlussvorlage zu entscheiden haben.