Für zwei Überfälle auf die Sprint-Tankstelle an der Letzlinger Landstraße und des Jugendförderungszentrums müssen drei Gardelegener für mehrere Jahre hinter Gitter. Haupttäter ist ein 29 Jahre alter Mann.

Stendal/Gardelegen l Das Landgericht Stendal hat gestern drei weitgehend geständige Gardelegener im Alter von 25, 29 und 30 Jahren zu mehrjährigen Haftstrafen wegen schwerer räuberischer Erpressung verurteilt - den 29-Jährigen zu sechs Jahren, den 25-Jährigen zu drei Jahren und sieben Monaten sowie den 30-Jährigen zu drei Jahren und drei Monaten Gefängnis.

Die 1. Große Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Simone Henze-von Staden sah es als erwiesen an, dass der als Haupttäter geltende 29-Jährige am 3. Januar und noch einmal am 2. September vorigen Jahres maskiert und mit täuschend echt aussehender Scheinwaffe die Sprint-Tankstelle in der Letzlinger Landstraße in Gardelegen überfallen hat. Zusammen mit den beiden zum Tatzeitpunkt ebenfalls vermummten sowie mit Axt und Knüppel bewaffneten Mitangeklagten hat er laut Urteil am 11. April 2013 das Jugendförderzentrum (JFZ) im Tannenweg überfallen und drei Bewohner ausgeraubt.

Mit Beute Reisen ins Ausland finanziert

Bei dem Überfall auf die Tankstelle am 3. Januar hatte der Angeklagte einen Mittäter, dessen Namen er aber im Prozess nicht preisgab. Bei diesem Raubzug, der wie im TV-Krimi geplant und durchgeführt worden war, hatten die Täter mehr als 7000 Euro erbeutet. Nach dem Ruf "Geld her!" hatte die Kassiererin nur gefleht: "Nehmt das Geld, aber tut mir nichts". Der arbeitslose 29-Jährige hatte sich davon zwei Auslandsreisen gegönnt.

Als das Geld Monate später alle war, hatte er ein zweites Mal die Maske übergestreift und zu einer ungeladenen Schreckschusswaffe gegriffen. Doch diesmal lief alles ganz anders. Der Kassierer zeigte sich recht unbeeindruckt und bekam dafür beim Schubsen durch den Angeklagten den Knauf der Waffe an den Hinterkopf, woraufhin er zu Boden ging und eine leichte Kopfverletzung erlitt. Der Tresor der Tankstelle war leer. Und in der Kasse befanden sich nur Tageseinnahmen in Höhe von 130 bis 200 Euro.

Zum Überfall auf das JFZ: Insgesamt geständig, lieferten die Angeklagten, die bis auf den 25-Jährigen noch nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten waren, verschiedene Versionen zu Motivation und Vorgehensweise ab. Eigenen Angaben zufolge sei es zwei von ihnen nur darum gegangen, bestimmten JFZ-Bewohnern einen Schrecken einzujagen. Denn angeblich würde diese Drogen an Kinder verkaufen.

Zivilverfahren für Schmerzensgeld

Das sei nur eine Finte gewesen. "Sie hatten von Anfang an vor, die Beute zu behalten und zu teilen", widersprach Richterin Henze-von Staden dieser Behauptung: "Nach gemeinsam gefassten Tatentschluss sollten die Opfer abgezogen werden."

Erbeutet hat das räuberische Trio bei den JFZ-Bewohnern drei Handys, eine Spielkonsole und einen zugehörigen Controller im Gesamtwert von etwa 1000 Euro. "Für diese räuberische Erpressung haben wir den nach dem Gesetz absolut untersten Rahmen angesetzt", sagte Richterin Henze-von Staden in der Urteilsbegründung.

"Dem Grunde nach" sprach das Landgericht der Kassiererin vom Tankstellenüberfall am 3. Januar Schmerzensgeld zu, weil deren "psychische Gesundheit beeinträchtigt" worden war. Die Höhe der Schmerzensgeldansprüche müsse aber in einem Zivilverfahren geklärt werden.

Mit den Strafen war das Gericht in der Höhe weitgehend den Forderungen der Staatsanwaltschaft gefolgt. Der Verteidiger des 29-Jährigen hatte für seinen Mandanten drei Jahre und vier Monate Haft und die beiden anderen Verteidiger Bewährungsstrafen von jeweils einem Jahr gefordert.