Auf dem Bauernmarkt geht die Angst um. Dem Markt droht die Schließung, weil die Stadt eine dringend benötigte Fläche verweigert, sagt die Betreiberin. Bei einer Aktion sammelte sie gestern 400 Unterschriften für den Erhalt des Treffpunkts. Was steckt dahinter?

Salzwedel l Wie an jedem Donnerstag öffnet Käthe Kuhl gestern Vormittag ihren Stand in der Halle des Salzwedeler Bauernmarktes. Vor ihr auf dem Tisch stehen selbst gebastelte Karten, Kartons und Schachteln. Bepackt mit Einkaufstüten und Kisten ziehen Leute vorbei, Gesprächsfetzen hallen durch den Raum. "Ich mache den Stand seit 9 Jahren", erzählt die freundliche 56-Jährige. "Und ich möchte gern auch mein 10-Jähriges hier feiern."

Dass es dazu noch kommt, scheint seit dieser Woche fraglich. Denn dem Bauernmarkt droht nach Angaben von Doreen Lyga-Schuchardt, Chefin der den Markt betreibenden Ausstellungs- und Veranstaltungsgesellschaft mbH (AVG), das Aus.

Grund dafür sei der Inhalt eines neuen Pachtvertrags mit der Stadt. Ein solcher Vertrag muss her, nachdem die Fläche, auf der die Halle steht, infolge der Insolvenz des Reitvereins St. Georg an die Stadt gefallen war.

Stein des Anstoßes bei den Verhandlungen ist vor allem eine hinter der Bauernmarkthalle gelegene Wiese, die Lyga-Schuchardt bislang nutzen konnte: "Ich brauche sie als Parkmöglichkeit für Besucher und für Großveranstaltungen wie den Oldtimermarkt oder Beachpartys", sagt die 44-Jährige. Ohne die Fläche rechne sich der Bauernmarkt für sie nicht. Der Stadt wirft sie Täuschung vor. "Ich habe seit der Insolvenz des Reitvereins mehrfach auch schriftlich darum gebeten, die Wiese zugesprochen zu bekommen", sagt Lyga-Schuchardt.

"Wir haben gesprochen. Frau Lyga-Schuchardt war einverstanden."

Vor einigen Tagen habe die Stadt sie nun wider Erwarten damit überrascht, dass sie mit dem künftigen Vertrag, statt der erhofften 12000 Quadratmeter, nur noch 7300 Quadratmeter pachten kann. Inbegriffen sein sollen die Fläche der Bauernmarkthalle und ein 15 Meter breiter Parkstreifen. Aus Sicht der Markt-Chefin viel zu wenig. "Wenn die Stadt dabei bleibt, müsste ich die Halle wohl schweren Herzens verkaufen", erklärt sie.

Doch damit nicht genug, Am Angebot der Stadt kritisiert Lyga-Schuchardt außerdem dessen Laufzeit. Die Dauer des bisherigen Vertrags mit dem Reitverein St Georg habe 99 Jahre betragen, sagt sie. Jetzt solle der Vertrag nur noch fünf Jahre laufen. "Ich hatte wenigstens auf zehn gehofft."

Hauptamtsleiter Matthias Holz will diese Version der Geschichte so nicht stehen lassen. Richtig sei, dass Lyga-Schuchardt im Herbst 2013 Anspruch auf 40 Prozent der Wiese gestellt habe, sagt er. Bei den Verhandlungen um den Verkauf des Reitgeländes habe sich dann aber herausgestellt, dass das nicht umsetzbar war. Die Käufer wollten die ganze Wiese haben.

"Wir haben dann noch einmal miteinander gesprochen. Frau Lyga-Schuchardt war daraufhin damit einverstanden, nur die Fläche für die Bauernmarkthalle, plus einen rund 15 Meter breiten Parkstreifen von der Stadt zu pachten."

Dies seien eben jene 7300 Quadratmeter, die die Stadt ihr jetzt anbiete. Erst nachdem, der Stadtrat am 13. November 2013 die Wiese verkauft hatte, habe Lyga-Schuchardt erneut Anspruch auf das Gelände angemeldet, sagt Holz. Damit wurden Tatsachen geschaffen. Und es steht nun Aussage gegen Aussage.

"Es wird erstmal weitergehen. Hier hängen Arbeitsplätze dran."

Einen möglichen Ausweg aus der aktuellen Situation sieht Holz darin, dass die Bauernmarkt-Chefin in Verhandlungen über einen gesonderten Pachtvertrag mit den neuen Besitzern der Wiese tritt.

Einen Verkauf der Halle durch die Betreiberin nach einer möglichen Schließung stellt der Amtsleiter dagegen infrage: Diese sei mit Mitteln von Landkreis und Kommune errichtet worden, und gehöre im Zweifelsfall der Stadt. Mit Blick auf die Laufzeit des künftigen Vertrages mit der Stadt ergänzt er: "Fünf Jahre mit stillschweigender Verlängerung um zwei Jahre ist ein üblicher Zeitraum."

Angesichts der Bedingungen des künftigen Pachtvertrages hat Doreen Lyga-Schuchardt im Bauernmarkt eine Aktion gestartet. Für dessen Erhalt sammelte sie allein gestern über 400 Unterschriften und sie will weitermachen. Die Liste will sie Oberbürgermeisterin Sabine Danicke bei ihrem nächsten Treffen Ende März vorlegen. Verhandlungen mit den neuen Besitzern der Wiese schloss Lyga-Schuchardt zugleich aus: "Wir befinden uns im Rechtsstreit", sagt sie.

Sofort zumachen wird die 44-Jährige den Bauernmarkt nun aber nicht. "Es wird erstmal weitergehen, hier hängen Arbeitsplätze dran", sagt sie. Es gehe auch darum Druck aufzubauen. Kommen Lyga-Schuchardt und die Stadt doch noch zu einer Einigung, so wäre der neue Pachtvertrag ab 1. Dezember 2014 gültig.

Käthe Kuhl hofft wie viele darauf, dass alles ein gutes Ende nimmt. "Der Markt ist mein Leben", sagt sie. "Wenn er flach fällt, wüsste ich nicht, was ich machen soll."