Am 27. April kommen die Da Rookies mit einer "Nussknacker"-Inszenierung nach Salzwedel. Dorthin, wo vor 18 Jahren alles begann. Mit Da Rookie Nils Klebe hat Volksstimme-Redakteurin Christina Bendigs über die erste Eigenproduktion der Crew gesprochen. Weltweit einmalig, trifft das wohl bekannteste Theaterstück der Welt auf Breakdance.

Volksstimme: Die Da Rookies kommen nach Salzwedel zurück - mit "Der Nussknacker", einem Projekt, das Klassik und Breakdance vereint. Wie kam es dazu?

Nils Klebe: Die Idee dazu gab es eigentlich schon 2006. Damals sind wir bei einer Unicef-Gala aufgetreten, und die CD hat nicht funktioniert. Der Pianist hat vorgeschlagen, dass er ja etwas auf dem Klavier spielen kann und wir dazu tanzen. Das kam beim Publikum so gut an, dass wir uns dachten, so was wäre die perfekte Show fürs Gala-Publikum. Wir haben es aber erst einmal verworfen. 2013 haben wir zwei neue Tänzer aus Brasilien dazubekommen. Da haben wir uns gedacht: Jetzt oder nie. Wir haben uns relativ schnell für den "Nussknacker" entschieden und jedes Lied auseinandergenommen und neu inszeniert.

"Junge Leute fürs Theater begeistern, die älteren für Breakdance."

Volksstimme: Sie sagten, eine Show für Gala-Publikum. Ist das das Ziel der Da Rookie-Nussknacker-Show?

Nils Klebe: Nein, nein. Auf keinen Fall. Mit der Produktion wollen wir eigentlich die Idee verbinden, eine eigene Show in einem abendfüllenden Programm zu haben. Und zwar für generationsübergreifendes Publikum. Wir wollen junge Leute fürs Theater begeistern und die älteren für Breakdance.

Volksstimme: Gehen Sie selbst denn gern ins Theater?

Nils Klebe: Ja, wenn das Stück passt, dann schon. Für mich ist das dann etwa die "Blueman-Group". Aber auch "Der Nussknacker", den wir uns ja dann auch angesehen haben, ist ein großartiges Werk.

Volksstimme: Werden die Da Rookies dann auch im Tütü zu sehen sein?

Nils Klebe: (lacht) Nein, nein. Wir haben extra Kostüme anfertigen lassen. Die komplette Formation samt Streichquartett besteht aus 13 Tänzern und Musikern. Eine Balletttänzerin haben wir uns aus Berlin eingekauft, und sie hat schon verschiedene Welttouren getanzt. Also ein Profi vom Fach in Sachen Ballett. Wir vermischen und verschmelzen ja viele verschiedene Stilformen miteinander, haben unter anderem auch zwei Capoeira-Tänzer und Hip-Hopper dabei, mehrfache Europa- und Weltmeister. Aus allen Bereichen haben wir die Besten der Besten am Start.

Volksstimme: Die Geschichte der Da Rookies hat vor 18 Jahren in Salzwedel begonnen. Wie war das damals?

Nils Klebe: Ich komme ja aus Pretzier. Und durch den Film "Beat Street" kamen wir 1996 oder 1997 zum Breakdance. Wir gründeten damals "The Real Fresh Crew". Dann bin ich nach Magdeburg gegangen, um dort meinen Lebensunterhalt als Tänzer zu verdienen. Als wir uns mit einer Gruppe aus Magdeburg zusammengeschlossen haben, haben wir uns auch einen neuen Namen gegeben. Die Da Rookies. Zuletzt sind wir in Salzwedel bei Local Heroes aufgetreten.

Volksstimme: Das ist nun schon zwölf Jahre her. Warum kamen Sie nicht mehr nach Salzwedel, und wieso gibt es gerade jetzt eine Rückkehr?

Nils Klebe: Normalerweise werden wir eingekauft. Und wir sind deutschlandweit und auch international unterwegs, meistens in großen Städten. Vielleicht fehlte da ein bisschen das Geld. Mit der Eigenproduktion haben wir uns nun in Theatern und Stadthallen eingekauft, unter anderem auch ins Kulturhaus Salzwedel.

"In vier Metern Höhe wird das Streichquartett uns begleiten."

Volksstimme: Ist für den Salzwedeler Auftritt dann auch etwas besonderes geplant?

Nils Klebe: Ja. Wir wollen das Streichquartett ins Bühnenbild einarbeiten. In vier Metern Höhe wird das Streichquartett uns live begleiten. Außerdem ist noch ein Workshop für Tänzer geplant, am Tag zuvor in der Tanzschule Müller. Die Teilnehmer können dann mit den Künstlern trainieren. Und auch eine Autogrammstunde nach der Veranstaltung wird es geben.

Volksstimme: Und wie kommt man an einen der Workshop-Plätze?

Nils Klebe: Dafür muss man sich dann in der Tanzschule Müller anmelden.

Volksstimme: Mit welchen Gefühlen kommen Sie in Ihre Heimatstadt?

Nils Klebe: Ich komme mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite bin ich gespannt, wie unsere Show ankommt, auf der anderen Seite werde ich vielleicht Freunde und Bekannte wiedersehen, mit denen ich zur Schule gegangen bin. Darauf freue ich mich. Aber das Größte ist, mit einem eigenen Projekt hier zu sein.

Volksstimme: Sie haben vorhin schon erwähnt, dass Europa- und Weltmeister in Ihren Reihen sind. Wie oft trainieren sie denn dafür?

Nils Klebe: Fast täglich. Wir haben auch eine Tanzschule in Magdeburg. Dort arbeiten viele von uns als Trainer, hinzu kommen täglich zwei bis drei Stunden eigenes Training, und am Wochenende sind wir mit Auftritten unterwegs. Auch einen Weltrekord inklusive Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde konnten wir uns in einer TV-Show ergattern.

Volksstimme: Wie sind die Choreografien für das Projekt entstanden?

Nils Klebe: Da haben wir unterschiedliche Leute im Team. Weltweit einzigartig ist aber, dass wir zu 100 Prozent zur Originalmusik tanzen. Es hat viele Wochen und Monate gedauert, das zu 100 Prozent anzupassen.

"Wahrscheinlich wird es in Arendsee ein Sommer-Open-Air geben."

Volksstimme: Kann man denn Breakdance überhaupt zu klassischer Musik tanzen?

Nils Klebe: Ich denke, es ist uns ganz gut gelungen. Die ersten vier Shows waren schnell ausverkauft. Da sind sogar Schüler auf die Lehrer zugegangen und haben gesagt: Wir wollen ins Theater. Dafür ist auch die Nachmittagsvorstellung gedacht. Wer Karten haben möchte, sollte sich wirklich ranhalten.

Volksstimme: Gibt es denn bei ganz großer Nachfrage noch einen Ausweichtermin?

Nils Klebe: Wahrscheinlich wird es in Arendsee ein Sommer-Open-Air geben. Mein Cousin ist dort Bürgermeister. Er hat sich die Show angesehen, und ihm hat sie auch sehr gut gefallen. Daher kam dann auch die Idee, das zu einem Spezialevent am Arendsee zu organisieren.

Volksstimme: Da scheint der Erfolg ja schon für sich zu sprechen. Wollen Sie sich denn an weitere klassische Stücke heranwagen?

Nils Klebe: Wir wollen um die Weihnachtszeit mit dem "Nussknacker" auf Deutschlandtour gehen. Eigentlich ist er von den Medien zu einem Weihnachtsstück gemacht worden. Er passt also durchaus auch in die jetzige Zeit. Allen, die eine unvergessliche Show erleben wollen, die es so noch nie gab, wird die Neuinszenierung vom "Nussknacker" auf jeden Fall gefallen.