Der Wasserverband Salzwedel (VKWA) investiert derzeit 1,55 Millionen Euro in fünf neue, insgesamt 1,8 Hektar große Becken für die Entwässerung von Klärschlamm. Ende des Jahres sollen sie die bisherige maschinelle Anlage zur Klärschlammtrennung ablösen.

Salzwedel l Der Startschuss ist Ende Februar gefallen. Jetzt laufen die Arbeiten bereits auf Hochtouren: Große Bagger schaufeln unermüdlich fünf riesige Becken auf dem Gelände des Salzwedeler Klärwerks aus. Lastwagen kippen im Minutentakt Kiesladungen ab.

Am nördlichen Stadtrand von Salzwedel entsteht derzeit für rund 1,55 Millionen Euro eine neue Anlage für die Entwässerung von Klärschlamm. Vorgesehen sind dabei zunächst fünf neue Becken für die "Schlammbehandlung mit bepflanzten Bodenfiltern" auf einer Gesamtfläche von 1,8 Hektar. In ihnen soll ab Ende des Jahres der gesamte Schlamm aus den Abwässern des Klärwerks aufgefangen und gelagert werden.

Mit dem Projekt stellt der Verband kommunaler Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Salzwedel (VKWA) die Weichen für einen ganz und gar neuen Umgang mit Klärschlamm. Bislang werde der noch maschinell und mithilfe sogenannter synthetischer Polymere vom Abwasser getrennt, erklärt Verbandsgeschäftsführer Jens Schütte. Doch nach der Inbetriebnahme der neuen Becken ist damit Ende des Jahres Schluss.

Die Umrüstung hat zwei Gründe: Zum einen seien die Ende der 90er Jahre angeschafften Maschinen für die Abscheidung des Klärschlamms inzwischen in die Jahre gekommen, erklärt Jens Schütte. Die Kosten für eine Reparatur oder Neuanschaffung wären entsprechend hoch.

Zum anderen wolle der VKWA mit dem Projekt Vorsorge treffen für ein angekündigtes Düngemittelgesetz der Bundesregierung. Aktuelle Pläne sehen derzeit ab 2017 ein Verbot der Ausbringung von Klärschlamm auf landwirtschaftliche Flächen vor - bislang gängige Praxis auch in Salzwedel.

Kommt es so wie angekündigt, müsste der Klärschlamm künftig generell in den Kläranlagen verbleiben. Seltene Elemente wie Phosphor sollen dabei vor Ort aus dem Klärschlamm zurückgewonnen werden. Auch wenn die Frage der Rückgewinnung noch offen ist, mit dem Bau der neuen Becken würde der VKWA zumindest der erwarteten Vorgabe entsprechen, den Klärschlamm künftig nicht mehr auf die Felder zu fahren, sagt Schütte.

Einen weiteren Vorteil erwartet Schütte durch den Wegfall der Energiekosten für die maschinelle Trennung des Klärschlamms vom Abwasser. Und schließlich werde sich auch das Volumen des Schlammes durch die Lagerung deutlich verringern, sagt der VKWA-Chef. Optisch wird die Anlage dabei eher unauffällig sein. Mit speziellem Schilf bepflanzt werden die Becken aussehen wie ein Teich- oder Moorgebiet, sagt Schütte. Im Untergrund verlaufen allerdings Drainagerohre, die dem abgelagerten Schlamm nach und nach die Flüssigkeit entziehen. "Am Ende, nach sechs bis acht Jahren Lagerung, haben sie dann richtige Muttererde." Wo das Material dann bleibt, sei derzeit aber noch offen.

Während die Bauarbeiten für die fünf Becken noch laufen, ist ein sechstes bereits in Planung. "Auch dieses Becken soll noch einmal 3000 Quadratmeter groß sein", sagt Jens Schütte.

Das Salzwedeler Klärwerk reinigt nach Angaben des VKWA durchschnittlich 1,8 Millionen Kubikmeter Abwasser pro Jahr. Sein Einzugsgebiet reicht von Seebenau im Nordwesten über Ziethnitz im Süden bis nach Buchwitz im Südosten.

Bilder