Er weiß genau, was er will: "Einmal mein eigener Chef sein und ein eigenes Hotel führen", hat sich Toni Kamieth aus Winterfeld als berufliches Lebensziel gesetzt. Der 20-Jährige arbeitet intensiv an der Verwirklichung seines Traumes.

Winterfeld l Das Interesse für die Gastronomie ist dem jungen Mann offensichtlich in die Wiege gelegt worden. Vater Joachim Kamieth ist erfolgreicher Gastwirt, ebenso wie Tonis Oma, Erika Kamieth, und Tonis Onkel, Andreas Kamieth. Als Team des Winterfelder Hofes mit Zeltverleih und Festhalle Rustica haben sie sich landesweit einen Namen gemacht und freuen sich, dass Toni in ihre Fußstapfen treten will.

Wobei es den jungen Mann derzeit nicht nach Hause zieht. "Ich will möglichst viele Erfahrungen machen, und das geht nur in der Fremde", sagt er. Wobei: Fremd ist ihm die Ostsee-Region, in der er jetzt lebt, längst nicht mehr. Als er nach Erhalt des erweiterten Realschulabschlusses im Hotel "Meerlust" in Zingst eine Ausbildung in seinem Wunschberuf Restaurantfachmann begann, nahm er sich auf dem Darß gleich eine Wohnung - und kommt seitdem nur alle paar Wochen, immer wenn er einige Tage am Stück frei hat, in die altmärkische Heimat.

"Später muss ich in allen Bereichen Bescheid wissen."

Jüngst beispielsweise als gefeierter Preisträger. Da hatte er, nachdem er den Regional- und Landesausscheid der angehenden Restaurantfachleute in Mecklenburg-Vorpommern (MV) gewonnen hatte, an der Deutschen Meisterschaft teilgenommen und belegte in der Einzelwertung den hervorragenden fünften Platz und mit der Mannschaft, zu der auch ein Koch und ein Hotelfachmann gehörten, den sechsten Platz.

Hatten in den Vorjahren immer die Länder Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Hamburg die ersten Plätze unter sich ausgemacht, sorgte das MV-Team für einen kleinen Paukenschlag. "Das war das beste Ergebnis, das eine Mannschaft für Mecklenburg-Vorpommern je erreicht hat", verdeutlicht Toni Kamieth. Und es war das beste Ergebnis, das ein angehender Restaurantfachmann aus den ostdeutschen Bundesländern erreicht hat.

Die Qualifikation für die Meisterschaft war dann auch gleich der Abschluss der zweieinhalbjährigen Lehrausbildung. So blieb dem bodenständigen Jungfacharbeiter die praktische Endprüfung erspart, die Theorie hatte er zuvor mit Bravour gemeistert. Kein Wunder bei der Begeisterung für den Beruf. Vater Joachim sagt anerkennend: "Ja es steckt eben ein bisschen in ihm drin."

Allerdings arbeitet Toni Kamieth jetzt nicht als Restaurantfachmann, sondern hat gleich eine zweite Lehre begonnen. "Ich hätte wahrscheinlich in dem Hotel bleiben können und wäre übernommen worden. Das wollte ich aber nicht und habe es von Anfang an auch gesagt", erzählt Toni, der jetzt im Hotel "Neptun" in Warnemünde zum Koch ausgebildet wird. "Wenn ich später mal einen eigenen Betrieb leiten will, muss ich in allen Bereichen Bescheid wissen", sagt er.

Dass es im "Neptun" gleich geklappt hat, ist wohl Tonis sehr guter Teilnahme beim Regionalausscheid zu verdanken. "Später hat sich herausgestellt, dass die Gäste, die ich an einer Tafel mit einem Sechs-Gang-Menü zu betreuen hatte, größtenteils in der Chefetage des Neptun arbeiten."

Als er dann wegen seiner Bewerbung anrief und seinen Namen sagte, "war dann schnell alles klar". Das Bewerbungsgespräch hatte quasi ja zuvor schon beim Servieren, Dekantieren und den Spezialarbeiten während des Menüs stattgefunden.

Da die Kochlehre Tonis zweite Ausbildung in der Gastronomie ist, konnte er gleich im zweiten Lehrjahr einsteigen, nächstes Jahr will er fertig sein - und möglichst wieder bei einem Berufswettbewerb mitmischen. "Eine Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft wäre nicht schlecht", überlegt er, wobei er einräumt, dass es dieses Jahr sicherlich noch nichts werde. Vielleicht überrascht der junge Mann sich und seine Lehrherrn auch selbst. Immerhin hat er vor kurzem am Regional-Ausscheid teilgenommen und sich dort für die Landesmeisterschaft qualifiziert.

Selbst wenn es dort dann nicht für eine Fahrkarte zur Deutschen Meisterschaft reichen sollte ("Weil meine Erfahrung in der Küche einfach noch nicht so groß ist. Das Gefühl, aus Lebensmitteln spezielle Sachen herzustellen, wie spezielle Terrinen, Sülzen oder einen besonderen Garpunkt zu erreichen, ist noch nicht so ausgeprägt."), will Toni Kamieth zum Lehrabschluss in anderthalb Jahren die Qualifikation geschafft haben.

"Es gibt so viel zu erleben und zu lernen."

Wie es dann weitergehen soll, ist "ein gute Frage". Genau wisse er es noch nicht, sagt Toni Kamieth. "Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass ich in anderen Häusern Erfahrungen sammle."

Möglicherweise auch ein halbes Jahr im Ausland. "Es gibt so viel zu erleben und zu lernen. Ich will Erfahrungen sammeln. Um Unternehmen gut führen zu können, dafür braucht es Erfahrung, gerade in der heutigen Zeit."

Denn soviel Berufserfahrung hat der junge Mann schon, dass er sagen kann: "Die Gäste wollen immer neue Sachen haben. Und man muss aktuell auf dem Laufenden sein, um die Gäste an die Angebote heranzuführen. Wenn man das nicht schafft, kann man das beste Restaurant haben, es bleibt doch leer."