Fahrlässige Tötung eines Tieres und Tierquälerei in fünf Fällen musste sich gestern ein 62-Jähriger aus Fleetmark vorwerfen lassen. Amtsgerichtsdirektor Klaus Hüttermann sprach den Mann schuldig und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe.

Salzwedel l Der Dünndarm war voller Bandwürmer, diverse weitere Parasiten zehrten den Körper des Ponys aus, eine schwere Infektion der Gebärmutter quälte das Tier und obendrein war es völlig unterernährt - die Untersuchungsergebnisse, die die Tierärztin, die das tote Tier obduziert hat, gestern vor dem Amtsgericht Salzwedel vortrug, hörten sich wie ein Protokoll des Grauens an. Doch damit noch nicht genug der Vorwürfe. Neben dem verendeten Pony, standen weitere vier Tiere auf einer Weide bei Mechau, die viel zu wenig Futter erhielten. Deshalb musste sich der 62-jährige Besitzer der Ponys wegen fahrlässiger Tiertötung und Tierquälerei vor Gericht verantworten.

Ein vielfach ausgezeichneter Züchter

Der gebürtige Magdeburger Paul H. (Namen geändert) bestritt, dass er die Vierbeiner vernachlässigt habe. Mehrfach betonte er während des Prozesses, dass er sich mit der Materie auskenne und vielfach ausgezeichneter Züchter sei. Doch in diesem Fall sprachen die Tatsachen eindeutig gegen ihn.

Am 21. März 2013 erhielt die Kreisverwaltung einen Hinweis, dass auf dem besagten Acker, elf unterversorgte Ponys stehen. Die zuständige Amtstierärztin machte sich auf den Weg und fand weit und breit kein Futter für die Vierbeiner. Sofort rief die Veterinärin den Angeklagten an und forderte von ihm, die Tiere zu versorgen.

Zwei Tage später beobachtete eine Mechauerin, die dem Kreis den Hinweis gab, wie ein Pony auf dem Boden festlag. Sie informierte Paul H. darüber, der gemeinsam mit einem Bekannten das Tier am Abend auf einen Anhänger lud. "Ich hatte ein mulmiges Gefühl. Deshalb sind mein Mann und ich dem Anhänger gefolgt", sagte die Frau aus. Sie beobachtete schließlich, wie das Auto mit dem Anhänger in eine Lagerhalle an der Schillerstraße in Salzwedel fuhr und zeigte auch das beim Kreis an.

Als sich die zuständige Amtstierärztin am Sonntagmittag, 24.März 2013, mit Kreisordnungsamtsleiter Hans Thiele an der Lagerhalle traf, um den Sachverhalt zu klären, stritt der 62-Jährige ab, dass das Pony dort sei. Deshalb fuhren die beiden Kreismitarbeiter auf die Koppel nach Mechau. Kurze Zeit später kam dann die Information vom Angeklagten, dass das Pony von einem Tierarzt eingeschläfert wurde. Die Amtstierärztin ordnete eine Obduktion an, die zu dem anfangs genannten Befund kam.

Bei Nachkontrollen durch Mitarbeiter des Kreises wurde einwandfrei belegt und dokumentiert, dass fünf der elf Mechauer Tiere in einem sehr schlechten Zustand waren. Zu dem verstorbenen Pony sagte die Amtstierärztin: "Ich habe noch nie ein Pferd gesehen, das so gelitten hat." Sogar der Sohn des Angeklagten, der angeblich die Tiere regelmäßig gefüttert haben will, musste einräumen: "Die Pferde sahen immer gut aus. In diesem extremen Winter aber nicht."

Richter Klaus Hüttermann sah vor allem durch die Aussagen der Kreismitarbeiter die Vorwürfe als bestätigt an und verurteilte den bisher unbescholtenen Paul H. zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 10 Euro. Am treffendsten fasste zuvor der Staatsanwalt den Vorfall in seinem Plädoyer zusammen. Er sagte an Paul H. gerichtet: "Die Staatsanwaltschaft will nicht ihr Lebenswerk in Sachen Pferdezucht in Abrede stellen. Als Pferdehalter haben sie aber in diesem Punkt versagt."