Salzwedel l Der Angeklagte kam am Dienstag in Handschellen zur Verhandlung ins Salzwedeler Amtsgericht. Am Ende verließ er den Saal wieder in Richtung Gefängnis und wird noch längere Zeit hinter Gittern sitzen. Der 29-jährige Marcel B. (Name geändert) stand wegen Beleidigung, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung vor Gericht. Bevor Richter Klaus Hüttermann die aktuelle Beweisaufnahme eröffnete, erhielt B. drei weitere Anklageschriften, die demnächst in Salzwedel verhandelt werden.

Dieses Mal ging es zunächst um einen Vorfall vom 22. April in Salzwedel. Die Polizei suchte an diesem Tag einen Mann per Haftbefehl und kontrollierte eine Personengruppe, zu der Marcel B. gehörte. Der Angeklagte weigerte sich, seine Personalien herauszugeben und begann zu pöbeln. "Ich kann mich kaum an das erinnern, da ich ständig unter Alkohol stehe", räumte der 29-Jährige ein. Er habe aber erst den Polizisten beleidigt, als dieser in geschubst habe. "Er hat uns angespuckt. Deshalb mussten wir ihn auf Distanz halten", erklärte der als Zeuge geladene Ordnungshüter.

Nur wenige Tage später leistete sich der gebürtige Hannoveraner, der, wenn er nicht im Knast sitzt, in der Altmark lebt, den nächsten Bock. Er wollte die Dährer Wohnung seiner Ex-Freundin betreten, um mit ihr etwas zu klären. Allerdings wollte die 31-Jährige nicht mit Marcel B. reden, "da er wieder betrunken war". Weil der Angeklagte das nicht akzeptieren wollte, stieß er die Tür zur Wohnung auf und verschaffte sich so unerlaubt Zutritt.

Die Ex-Freundin - während der Verhandlung sprach der 29-Jährige von seiner Verlobten, die das aber etwas anders sah - verließ daraufhin ihre Wohnung, um bei ihrer in der Nachbarschaft wohnenden Mutter Zuflucht zu suchen. Marcel B. folgte ihr, wurde aber vom Freund der Mutter an der Eingangstür abgefangen. Dieser verwehrte dem Angeklagten den Zutritt, der daraufhin das Türglas mit einer Bierflasche zertrümmerte - Sachbeschädigung.

"Mir und meinen Kindern wurde zu viel Kummer bereitet."

Wie stark die Frau unter ihrem Ex gelitten hat, ließen Teile ihrer Aussage erahnen. "Vor ein paar Tagen versuchte er mich aus der JVA anzurufen. Aber ich lasse mich nicht mehr unter Druck setzen. Mir und meinen Kindern wurde zu viel Kummer bereitet", klagte die 31-Jährige.

Schlussendlich sprach Klaus Hüttermann den Angeklagten in allen drei Punkten schuldig. In der Summe ergab das sieben Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung, da Marcel B. derzeit eine Haftstrafe verbüßt und bereits 21 Einträge im Vorstrafenregister besitzt. Erstmals trat er als Jugendlicher im Jahr 2000 strafrechtlich in Erscheinung. Und das dicke Ende kommt noch. "Wir haben in den kommenden Monaten ein Riesenpaket aufzuarbeiten", kündigte Hüttermann an.