Dähre l Bis Ende August wird es in Dähre auf jeden Fall einen Allgemeinmediziner geben. Danach schließt Dr. André Delekat die Praxis im Ort. Er führt persönliche Gründe dafür an, sagte er auf Nachfrage der Volksstimme. Zum einen habe der Arzt, der ihn beim Betreuen der Patienten in Dähre maßgeblich unterstützt habe, eine neue Arbeit in Kiel gefunden. Zum anderen wolle er sich künftig auf seine Praxis in Bad Bodenteich konzentrieren, fügte der 43-Jährige hinzu. Er ist seit 2008 für die Patienten in Dähre und Umgebung da, zuerst gemeinsam mit seinem Vorgänger Peter Ledderboge, danach allein. "Es funktioniert nicht, allein zwei Praxen zu betreuen", sagt André Delekat.

Die Patienten, seine Mitarbeiterin, umliegende Ärzte und die Kassenärztliche Vereinigung (KV) seien seit einigen Tagen über seine Entscheidung informiert. Ein Teil der Patienten werde künftig zu ihm nach Bad Bodenteich kommen, andere von Ärzten aus dem Umfeld betreut, berichtet er. Es gebe in Deutschland eine freie Arztwahl, egal in welchem Bundesland man zu Hause sei, fügt André Delekat hinzu.

Bürgermeister Harald Heuer hofft, dass es bald gelingt, einen neuen Hausarzt nach Dähre zu holen. Dass der jetzige Doktor seine Praxis aufgeben wolle, habe er vom "alten Arzt" Peter Ledderboge erfahren, der 33Jahre im Ort tätig gewesen und im Mai 2009 in den Ruhestand gegangen sei. Der Bürgermeister hofft, dass ihm ein Dorfbewohner helfen könne, die sich bald auftuende Lücke rasch zu schließen. "Ich habe mit Prof. Willi Grunewald aus Eickhorst gesprochen. Eigentlich wollte ich ihn davon überzeugen, bei uns in Dähre zu praktizieren", erzählt Harald Heuer. Doch der Mediziner führe gemeinsam mit einem Partner eine Praxis in Perleberg, die er nicht aufgeben wolle.

Der Eickhorster habe ihm jedoch zugesagt, sich unter der Ärzteschaft umzuhören, damit möglichst rasch ein Nachfolger gefunden werden könne, der sich in Dähre um die Patienten aus dem Ort und der Umgebung kümmern werde.

Auch die KV hat die Suche nach einem neuen Hausarzt für Dähre in die Wege geleitet. Das sagte der geschäftsführende Vorstand Mathias Tronnier gegenüber der Volksstimme. Die Stelle werde bundesweit im Deutschen Ärzteblatt, der Fachzeitschrift für Mediziner, ausgeschrieben. "Wir suchen einen Arzt im Rahmen der Sicherstellung", erklärte er. Die Altmark sei ein Gebiet mit Nachwuchssorgen. Im sogenannten Planungsbereich Salzwedel, zu dem auch Dähre gehöre, würden derzeit allein 6,5 Arztstellen unbesetzt sein. Deshalb würde dem potenziellen Nachfolger in Dähre ein Mindestumsatz garantiert. "Das ist ein Instrumentarium, mit dem wir die Ärzte in den ländlichen Raum locken wollen und sie dazu bewegen, ihre Investitionsscheu abzulegen", erklärte Mathias Tronnier. Zudem könnten Fördermittel für die Gründung einer Arztpraxis in Höhe von bis zu 60000 Euro beantragt werden. "Das ist ein Investitionszuschuss, der nicht rückzahlungspflichtig ist", fügte der geschäftsführende Vorstand hinzu. Die KV versuche, Medizinstudenten im Land durch Zuschüsse zum Reinschnuppern in Hausarztpraxen zu bewegen, lobe Stipendien fürs Hierbleiben aus. Allerdings gebe es den Trend, dass sich junge Ärzte Städte als Lebensmittelpunkt suchen, wegen der besseren Infrastruktur. "Die Kommunen sind gefragt, den ländlichen Raum attraktiver darzustellen. Kitas, Schulen, kulturelle Angebote, Arbeitsplätze für den Partner des Arztes, das können wir nicht leisten", sagte er.