Die Journalisten Björn Menzel und Jens Kiffmeier kamen am Dienstagabend zu einer Lesung in die Stadt- und Kreisbibliothek. In ihrem Buch beschäftigen sie sich mit Angst und Ohnmacht gegenüber der rechten Szene.

Salzwedel l "OHNeMACHT - Zerfall der Gesellschaft - Kampf gegen Rechts", lautet der Titel des Buches, das die Autoren Björn Menzel und Jens Kiffmeier am Dienstagabend in der Stadt- und Kreisbibliothek einem aufmerksam zuhörenden Publikum vorstellten. Der Fokus wird bei der Betrachtung des Bucheinbandes auf den Hauptteil des Titels gelenkt. Und so macht das kleine rote "e" zwischen den in großen schwarzen Lettern geschriebenen Buchstabenfolgen Ohn und Macht nur zu deutlich, was den beiden Autoren auf der Seele brennt. OHNeMacht scheint somit Frage und Antwort zugleich.

Seit vielen Jahren beobachten die beiden Journalisten Menzel und Kiffmeier den langsamen, aber steten Zerfall der Gesellschaft. Bei ihrem Streifzug durch den Osten Deutschlands dokumentierten sie die Aussagen und Berichte von Menschen, denen sie begegnet waren, nach denen sie aber auch gezielt gesucht hatten.

So erfuhren die Zuhörer an dem Abend aus den Erzählungen, wie in rechten Kreisen mit Verrätern verfahren wird. Es ist die von purer Gewalt durchzogene Beichte eines Neonazis, der nun selbst der rechten Szene den Rücken kehrte.

Ein Dorf wählt rechts, heißt es in einem anderen Kapitel.

In Stresow fast 25 Prozent rechte Wähler

Jamel ist ein kleiner Ort in der Gemeinde Gägelow in Mecklenburg-Vorpommern. Über 60Prozent der Wähler stimmten für die NPD und erklärten den Ort kurzerhand zur "national befreiten Zone". Das Ehepaar Birgit und Horst Lohmeyer wollte und will den Neonazis nicht das Dorf überlassen. Sie machen Front gegen die braune Saat. Und dieses machen sie mit Musik. Mit dem Musikfestival "Jamel rockt den Förster" wollen sie ein Zeichen setzen. Und die Zahl von fast 200 Besuchern beim ersten Konzert spricht für sich. Als eine Zeitung erfuhr, dass die Organisatoren eines Pferdemarktes in Viereck bei Pasewalk der rechten Szene zuzuordnen sind, berichtete sie darüber. Sponsoren sprangen ab und die Veranstaltung floppte. In Folge gaben Anzeigenkunden aus der Region der Zeitung dann einen Korb. In Stresow, unweit von Jerichow, erhielt die NPD bei der Landtagswahl rund 25 Prozent der Wählerstimmen. Björn Menzel ergründete anschließend vor Ort das Warum. Nach zwei Besuchen in dem Ort waren die Türen für einen dritten Besuch für ihn verschlossen.

Und somit zeigten die beiden Journalisten mit Auszügen aus ihrem Buch auf, dass in Deutschland Ohnmacht und Angst regieren. Die Ohnmacht des Staates gegen eine sich nun als Wiederholung anbahnende Situation im Land und die Menschen, die aus Angst vor dieser zurückweichen.

Auch machen die beiden Journalisten den Medien den Vorwurf, dass durch die vollzogenen Personaleinsparungen den Reportern die Zeit für intensive Recherchen fehle und dadurch zusätzlich vieles im Verborgenen bliebe.

Geschichten sollen auch Hoffnung machen

Ein bedrückender Report, dem sie selbst noch ein positives Ende geben wollten. Etwas, was in die Zukunft trägt. Aber ihnen fiel nichts ein, bedauerten sie. Auch Karl-Heinz Reck, der den Abend moderierte, musste in dieser Hinsicht kapitulieren. So blieb ihm nur die Feststellung: "Solange es Menschen gibt, die den Mut haben, so ein Buch zu schreiben, ist mir nicht bange um das Land. Doch das Wort Mut stört mich. Denn wenn etwas Mut braucht, dann kann etwas in dem Land nicht stimmen." Und doch gibt es ein Fünkchen Hoffnung. Wie in Gestalt des Neonazis, der alle rechtlichen Konsequenzen in Kauf nimmt und trotzdem seiner Gruppe den Rücken kehrte. Die Lohmeyers, die einem ganzen Dorf Paroli bieten oder die Journalisten die immer wieder an Türen klopfen.