Liebe Leser, wer soll es werden – "Unser Held von nebenan 2010"? Zehn Kandidaten stehen zur Wahl. Wir werden Ihnen Sonnabend für Sonnabend die Nominierten ausführlich vorstellen. Stimmen Sie mit ab, wer Ihr "Held von nebenan" ist (siehe untenstehender Coupon). Heute: Renée Schotte aus Badel.

Salzwedel/Badel. Wie kann man seine Zeit sinnvoll verbringen? Renée Schotte weiß eine Antwort auf diese Frage: Sie schenkt ihre Zeit anderen Menschen, vor allem denen, denen es gesundheitlich nicht gut geht, die aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls im Krankenhaus sind. Renée Schotte initiierte vor fast fünf Jahren mit der damaligen Krankenhaus-Seelsorgerin Bärbel Treu die Grünen Damen im Altmark-Klinikum. Sie hatte Axel Burghardt, den damaligen Geschäftsführer des Altmark-Klinikums, einfach gefragt, ob es eine Institution wie die Grünen Damen hier gebe. "Danach ging alles sehr schnell", erinnert sich die gebürtige Hamburgerin, die seit 1992 in Badel lebt.

Inzwischen sind acht Grüne Damen und mit Herbert Mekelburg übrigens auch ein Grüner Herr in Salzwedel aktiv, und Renée Schotte hat sozusagen die "Einsatzleitung" inne. Jede Grüne Dame betreut eine Station im Krankenhaus, Renée Schotte besucht die Patientinnen in der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Die Aufgabe der Grünen Damen klingt einfach, ist jedoch für die Patienten enorm wichtig: zuhören, Zeit für Gespräche haben ohne den Gedanken an die noch zu erledigenden Arbeiten. Sie habe den Frauen auch schon vorgelesen, erzählt Renée Schotte. Bei Gelegenheit gibt es auch kleine Spaziergänge oder werden kleine Besorgungen erledigt.

"Ich habe das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun"

Doch wer tut eigentlich wem etwas Gutes? Die Grünen Damen den Patienten oder umgekehrt? Letztere haben die Möglichkeit, mit jemandem über das zu sprechen, das sie in einer Ausnahmesituation bewegt. "Und ich habe das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun. Ich arbeite nicht für Geld, aber auch nicht umsonst", sagt Renée Schotte nachdenklich.

Der Umgang mit Menschen ist für die Badelerin sozusagen ein inneres Bedürfnis. Kein Wunder, wollte sie doch einst Lehrerin werden, studierte Germanistik und politische Wissenschaften. Doch die Bundeswehrlaufbahn ihres Mannes änderte ihr Leben, brachte sie nach "nur" sieben Umzügen schließlich in die Altmark. "Meine Eltern haben mir ans Herz gelegt, nie den Blick für die Menschen zu verlieren, denen es nicht so gut geht."

Mit Elan und Kraft wichtiges Ehrenamt mit in Gang gesetzt

Doch Jammern sei nicht der richtige Weg, vielmehr komme es darauf an, etwas zu unternehmen. Nachdem sie die Grünen Damen in der westlichen Altmark ins Leben rief, liegt ihr daran, weitere Ehrenamtliche für diese Aufgabe zu gewinnen. Eine Aufgabe, die man im Altmark-Klinikum sehr zu schätzen weiß. "Sie geben den Menschen ein Stück Geborgenheit", sagt Pflegedirektorin Birgit Riehs über Renée Schotte und ihre Kollegen. Welche "Qualifikationen" müsste eine Grüne Dame beziehungsweise ein Grüner Herr mitbringen? "Sie oder er müssen kontaktfreudig und offen für andere Menschen sein, Zeit haben, so etwa ein bis zwei Mal in der Woche." Diskret müssten die potenziellen Mitstreiter natürlich auch sein. Klingt ganz einfach, und ist aus Sicht von Renée Schotte nicht besonders heldenhaft. Und ein Held möchte die Badelerin auch nicht sein. Birgit Riehs sieht das etwas anders. Schließlich habe Renée Schotte mit Elan und Kraft ein wichtiges Ehrenamt mit in Gang gesetzt.