Im September soll der zweigleisige Ausbau der Bahnstrecke "Amerikalinie" zwischen Stendal und Salzwedel beginnen. Dennoch können die Anwohner der Strecke wohl nicht vor 2025 mit Schallschutzmaßnahmen gegen Zuglärm rechnen.

Salzwedel l Die Anwohner der Bahnstrecke "Amerikalinie" in Pretzier befürchten durch den zweigleisigen Ausbau der Trasse in ihrem Ort steigende Belastungen durch Zuglärm.

"Ich wohne 40 Meter vom Bahnübergang entfernt und das rauscht und klingelt schon jetzt ganz schön. Womit können wir rechnen?",fragte die Pretziererin Erika Cyries während der Jahreshauptversammlung der Bürgerininitiative Amerikalinie am Mittwochabend.

Fünf Vertreter der Bahn gaben sich Mühe, Fragen wie diese zu beantworten. Doch Hoffnung auf rasche Abhilfe besteht wohl nicht.

So stellte Achim Naujokat vom Bahn-Umwelt-Zentrum Berlin zwar Pläne des Bundes vor, von Lärm belastete Strecken mit einem Lärmsanierungsprogramm zu entlasten. - "Die Halbierung des Schienenverkehrslärms bis 2020 ist für die Deutsche Bahn ein zentrales Ziel."

Dennoch dürfte die Maßnahme für Pretzier kurzfristig kaum greifen. Denn beim Lärmsanierungsprogramm, das etwa den Bau von Schallschutzwänden vorsieht, handelt es sich um ein freiwilliges Programm des Bundes ohne rechtliche Grundlage, ergänzte Naujokat. Darüber hinaus stehe der Abschnitt Pretzier nach aktuellem Stand derzeit nur auf Rang 108 von 141 lärmbelasteten Streckenabschnitten. Maßnahmen würden zudem nur unter der Voraussetzung der Erfüllung einer Kosten-Nutzen-Formel ausgeführt. "Eine Lärmsanierung ist damit nicht vor Mitte des nächsten Jahrzehnts wahrscheinlich."

Auch die Einführung der sogenannten Flüsterbremse als weitere gern deklarierte Initiative der Bahn zur Lärmreduzierung wird den Pretzierern kurzfristig wohl wenig helfen. Die Bahn beabsichtigt zwar bis 2020 die Umrüstung aller ihrer Güterwagen auf die masterialschonenden Bremsen. Der Haken daran ist aber, dass der DB-Schenker-Gruppe nur 60000 und damit ein Drittel der 180000 Waggons auf deutschen Schienen gehören. Auf den Lärm der übrigen Wagen hat die Bahn keinen Einfluss.

Anwohner und BI-Mitglieder zeigten sich entsprechend ernüchtert von den Ausführungen. Anwohner Dieter Fichtner sagte, neben dem Lärm würden ihm schon jetzt die Erschütterungen große Sorgen bereiten. "Wenn ich im Bett liege, wackelt das ganze Haus. Wer bezahlt es mir, wenn es einstürzt?" Eine Frage, die auch Achim Naujokat unbeantwortet lassen musste.

Versöhnlich stimmte die Anwohner am Ende allerdings, dass Andreas Ecker, Leiter der Produktionsdurchführung, Gesprächsbereitschaft für einen Vorschlag von Frank Pieper signalisierte. Dieser sieht vor, mit dem Aushub der Erdarbeiten für den Gleisausbau einen Damm als Lärmschutz zu errichten. DB-Mitarbeiter und Anwohner wollen bei einem Ortstermin darüber reden.

 

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