Am Sonnabend fand in der Aula des Jahngymnasiums das 37. Ehemaligentreffen statt. Am Abend gingen die Teilnehmer zum Orgelkonzert in die Marienkirche.

Salzwedel l Die Stimme von Heidrun Tegge, der neuen Vorsitzenden der Vereinigung der Ehemaligen des Jahngymnasiums zitterte merklich, als sie von ihrem Vorgänger Wolfgang Preuß erzählte. "Seine Stimme ist nicht mehr. Mit ihm ging ein geachteter Mensch und ein großartiger Pädagoge", sagte sie. Auch Rolf Müller, ehemaliger Mathelehrer am Jahngymnasium, ist in der Zeit seit dem letzten Treffen 2012 gestorben. "Mathe-Müller war eine Instanz nicht nur für die Schule, sondern auch für die Stadt Salzwedel", so Tegge.

Auf etwa 200 schätzte Tegge die Zahl der einstigen Schüler, die sich am Sonnabend zum 37. Treffen der Ehemaligen in der Aula des Gymnasiums eingefunden hatten. Bereits am Freitag war der Vorstand der Ehemaligenvereinigung gewählt worden. Neu im Vorstand ist Marika Mölleke.

Schulleiter Rainer Aschmann freute sich in seiner Rede besonders darüber, dass es "keine leeren Bänke gibt". In der Tat war die Aula so gut gefüllt, dass zusätzliche Stühle hereingebracht werden mussten. Aschmann rief den Gästen ins Gedächtnis, dass das Jahngymnasium in diesem Jahr seinen 270. Geburtstag feiert.

Festvortrag über das Leben im geteilten Deutschland

Den Festvortrag hielt Anette Winkelmüller zum Thema Heimat Ost und Heimat West. Wolfgang Preuß habe sie zu Lebezeiten darum geben, diesen Vortrag zu halten. Winkelmüller las aus ihrem aktuellen Buch "Deutschland halb und halb". Darin schilderte sie, wie sie während des Krieges von Berlin aus nach Salzwedel zu ihren Großeltern evakuiert wurde. Sie studierte später in Leipzig und Berlin und floh 1960 in den Westen. 18 Jahre später kam sie wieder nach Salzwedel. "In meinem Tagebuch aus der damaligen Zeit ist viel Düsteres zu lesen", meinte Winkelmüller. Doch sie gab zu, dass das Treffen mit der Verwandtschaft sie entschädigte. Ihre Kinder wollten zunächste nie wieder in den Osten Deutschlands. Das habe sich aber mittlerweile geändert, meinte Winkelmüller. "Eine meiner Schwiegertöchter stammt sogar aus der ehemaligen DDR."

Einen Vortrag zu einer ähnlichen Thematik hatte der ehemalige Schüler Hansjörg Ehrke vor zehn Jahren auch gehalten, erzählte dieser nach Abschluss der Veranstaltung. Er war von 1945 bis 1953 Schüler am Jahngymnasium, flüchtete dann in den Westen und leitete von dort aus die Vereinigung der Ehemaligen. Nach der Wende habe man sich dann mit den in der DDR verbliebenen ehemaligen Schülern wiedergetroffen. Mittlerweile spiele die Frage nach Ost oder West keine Rolle mehr.

Ehemaliger Lehrer bleibt eng mit der Schule verbunden

Mit der Schule verbunden, fühlt sich auch der ehemalige Lehrer Werner Kirste. Der Lehrer für Deutsch, Mathe und Latein kommt immer noch regelmäßig nach Salzwedel, weil sein jüngerer Sohn mit seiner Familie hier wohnt. Auch zum Treffen der ehemaligen Lehrer jedes Jahr im November komme er, meinte Kirste. "Im Anschluss daran bleibe ich noch einige Tage bei meinem Sohn", erzählte er.

Am Abend gingen viele Ehemalige zu einem Orgelkonzert in die Marienkirche. Mit dem Konzert wurde das 100-jährige Bestehen der Orgel begangen.

 

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