Um Pilgerzeichen und Lederreste ging es am Mittwochabend. Archäologe Andreas Neubert referierte zu Funden bei Grabungen in der Salzstraße und in der Radestraße.

Salzwedel l Der Mittwochabend stand im Johann-Friedrich-Danneil-Museum ganz im Zeichen der Archäologie. Andreas Neubert vom Landesamt für Denkmalschutz und Archäologie hielt einen Vortrag zum Thema "Pilgerzeichen und Schreibgriffel - Archäologische Funde in der Altstadt Salzwedel". Insbesondere ging es dabei um die baubegleitenden Ausgrabungen in der Rade- und in der Salzstraße im vergangenen Frühjahr und Herbst.

Der Vorteil bei den Grabungen ist der morastige Untergrund in Salzwedel. Dadurch haben sich die Knüppeldämme, die früher als Straße genutzt wurden, gut erhalten. Auch sonst hätten die Archäologen zahlreiche interessante Funde gemacht, erklärte Neubert. Da seien neben den Holzbohlen auch Tierknochenfragmente und Lederreste gefunden worden. "Bei den gefundenen Tierknochen gab es zwei Gruppen", berichtete Neubert weiter. Zum einen seien unbearbeitete Knochen gefunden worden. Bei diesen gehen die Archäologen davon aus, dass es sich um Reste von Nutz- und Schlachtvieh handelt. Die zweite Gruppe sind aus Rinderknochen gefertigte Kämme. "Bei einer Ausgrabung in Halle haben wir solche Kämme auch gefunden", sagte Andreas Neubert. In diesen hätte sich sogar noch Reste von Läusenissen gefunden. Unklar sei allerdings, ob es sich bei den Hallenser Exemplaren um Läusekämme gehandelt habe oder ob die Läuse einfach nur Folge der mangelnden Hygiene des Mittelalters waren.

Auch die Lederreste, die die Archäologen fanden, seien noch sehr gut erhalten gewesen. "Wenn ich die Funde mit den Grabungen in Halle vergleiche: Dort konnte man die gefundenen Lederfragmente an einer Hand abzählen", erzählte Neubert. Die Grabungsstätte in Halle umfasste eine Größe von etwa 800 Quadratmetern. Ein besonderer Fund sei in Salzwedel eine verzierte Messerscheide gewesen.

Interessant waren die Pilgerzeichen

Von großem Interesse seien die Pilgerzeichen gewesen, die bei der Grabung auftauchten. "Viele, für uns Archäologen spektakuläre Funde scheinen auf den ersten Blick recht unscheinbar", meinte Neubert. So auch diese etwa vier Quadratzentimeter kleinen Stücke, die vergleichbar sind mit Anstecknadeln. Das in Salzwedel gefundene Pilgerzeichen zeigt den Heiligen Servatius. "Das lässt die Vermutung zu, dass der ehemalige Besitzer nach Maastricht gepilgert ist", erklärte Andreas Neubert. Der Heilige Servatius war Bischof von Maastricht. Auch in Stendal fand Andreas Neubert bei Ausgrabungen im vergangenen Jahr ein solches Pilgerzeichen. "Es war eigentlich purer Zufall, dass wir das gefunden haben." Für einige Lacher im Publikum sorgte Neubert, als er über Grabungszeichner Reinhard Heller sagte: "Er war immer dann zur Stelle, wenn eines dieser Zeichen gefunden wurde", so Neubert und brachte die Besucher erneut zum Schmunzeln, als er anfügte: "Ich habe ihn jedoch als rechtschaffenden Mann kennengelernt. Ich glaube also nicht, dass er diese Zeichen dort platziert hat."

Ein weiterer Fund sei ein Kruzifix gewesen, das im Jahr 2011 in der Schmiedestraße gefunden wurde. "Es ist schon ein Kreuz mit den Kruzifixen", sagte Andreas Neubert. Es sei sehr schwierig zu bestimmen, woher die Kreuze genau stammten.

Die Fundstücke wurden vorwiegend in die Zeit zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert datiert. "Reste aus der Zeit danach sind meist eher die Ausnahme, da die Straßen bei den Bauarbeiten in den vergangenen Jahrzehnten meist tief ausgeschachtet wurden", erklärte Andreas Neubert. Dabei seien viele Überreste verloren gegangen. Eine dieser Ausnahmen ist die Scherbe einer Mineralwasserflasche aus Keramik, die in das 18. Jahrhundert datiert wurde.