Dähre/Salzwedel l Wenn André Delekat Ende August seine ärztliche Tätigkeit in Dähre beendet, soll die Planstelle im Ort auf jeden Fall erhalten bleiben. Das ist das Ergebnis der Gespräche zwischen Professor Willi Grunewald und der Kassenärztlichen Vereinigung. Dähres Bürgermeister Harald Heuer hatten den Mediziner, der in Eickhorst lebt und in Perleberg eine Facharztpraxis betreibt, gebeten, sich des Problems anzunehmen. André Delekat hatte Anfang April angekündigt, aus persönlichen Gründen seine Arbeit in Dähre einzustellen (die Volksstimme berichtete). Delekat will sich künftig auf seine Praxis in Bad Bodenteich konzentrieren.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) hat die Stelle bundesweit im Ärzteblatt ausgeschrieben. Zwischenzeitlich sei es ihm gelungen, über persönliche Kontakte zwei potenzielle Kandidaten mit ausreichenden deutschen Sprachkenntnissen in Rumänien zu finden, berichtete Willi Grunewald weiter. Das Verfahren seitens der KV sei jedoch noch nicht abgeschlossen. Sollte es bis Ende August keinen Abschluss geben, werde die Stelle mit einem festangestellten Arzt der KV besetzt. Auch die beiden in der Praxis angestellten Arzthelferinnen sollen weiter beschäftigt werden.

Voraussetzung Sprachkenntnisse

Falls die Entscheidung zugusten eines der beiden Mediziner aus Rumänien falle, habe sich auch Peter Ledderboge, der Vorgänger von André Delekat, bereit erklärt, dem neuen Kollegen zur Seite zu stehen, ergänzt Dähres Bürgermeister Harald Heuer. Denn die Umstellung würde dann erheblich sein, weiß Willi Grunewald. Allein das deutsche Abrechnungssystem stelle für ausländische Mediziner einen regelrechten Kulturschock dar.

Doch auch die Suche im europäischen Ausland sei nicht einfach gewesen, fasst Willi Grunewald zusammen. Kontakte seien auch nach Polen, in die Slowakei und nach Bulgarien aktiviert worden. Letztlich seien insgesamt 20 Mediziner angesprochen worden, von denen jedoch 18 eine Niederlassung in Frankreich, der Schweiz oder England vorziehen würden. "Das hängt jedoch oft mit den Sprachkenntnissen zusammen", weiß Willi Grunewald. Für die Approbation in Deutschland sei ein B2-Sprachabschluss erforderlich, der umfangreiche Kenntnisse voraussetze. Die beiden Kandidaten, deren Bewerbungsverfahren jetzt bei der KV anhängig sei, würden diesen Abschluss besitzen.

Briefe an Minister in Magdeburg

Auch wenn sich derzeit für das akute Problem in Dähre eine Lösung abzeichnet, treibt Willi Grunewald das Problem des Ärztemangels auf dem Land ebenso um wie Harald Heuer und den CDU-Kreisvorsitzenden Peter Fernitz.

Gemeinsam wollen sie jetzt auf Landesebene dafür werben, dass ein Kontingent von Studienplätzen eingerichtet wird, in dem die Zulassung zum Studium nicht von der Abiturnote abhängt. Es sei nicht gut, Medizinstudenten nach diesem Kriterium auzusuchen, so die Erfahrung von Willi Grunewald. Kriterien wie Emphathie gegenüber den Patienten seien ebenso wichtig.

Im Gegenzug sollten sich Absolventen, die einen Studienplatz innerhalb dieses Kontingents erhalten haben, verpflichten, in Sachsen-Anhalt zu arbeiten. Immerhin würden derzeit in Sachsen-Anhalt allein 161 Hausärzte fehlen, davon im Altmarkkreis 8. Des Weiteren seien landesweit 394 Hausärzte, mehr als Viertel, bereits 60 Jahre und älter. "Jedes Jahr müssten 120 Hausärzte ersetzt werden", so Willi Grunewald. Um die künftige Versorgung in der Region abzusichern, solle auch die Facharztausbildung am Altmark-Klinikum einbezogen werden.

"Für unsere Idee wollen wir jetzt Mehrheiten gewinnen", kündigte Peter Fernitz an. Erste Adressaten entsprechender Briefe in Magdeburg sollen die Minister Thomas Webel (Landesentwicklung), Hartmut Möllring (Wissenschaft) und Holger Stahlknecht (Inneres) sein.