Stendal/Salzwedel l Gestern hat das Landgericht Stendal den Prozess wegen des Überfalls auf eine heute 29-jährige Litauerin vor der Stadtgrenze von Salzwedel im September 2012 mit der Vernehmung von vier Zeugen und einem Spezialisten für DNA-Spurenanalysen vom Landeskriminalamt (LKA) Magdeburg fortgesetzt.

Dem Gutachten des Diplombiologen zufolge kommt nur der Angeklagte als Täter in Frage. An DNA-Spuren habe sich demnach an den am Opfer sichergestellten Klebebandresten nur der genetische Fingerabdruck des Angeklagten und des Opfers befunden. Eine dritte Person könne er ausschließen, so der LKA-Sachverständige

Wie berichtet, war der vielfach wegen kleinkrimineller Delikte vorbestrafte Angeklagte (57) aus Salzwedel am 7. Mai, dem geplanten zweiten Prozesstag, dem Gericht unentschuldigt ferngeblieben. Seit Montag befindet er sich nun in Untersuchungshaft und wird es vorerst auch bleiben, wie die Vorsitzende Richterin Simone Henze-von Staden den unwilligen Angeklagten informierte. Damit er pünktlich und nüchtern vor Gericht erscheine, begründete sie die Anordnung.

Der Angeklagte, der seit 2006 alljährlich einmal im Gefängnis war, wie es ihm Klaus Hüttermann, Direktor des Amtsgerichts Salzwedel, in einem gestern verlesenen Urteil aus dem Jahr 2013 bescheinigte, sah übernächtigt aus. Der Haftbefehl habe ihn bei einer Zecherei mit einem Ex-Knastkumpel überrascht, sodass er keine persönlichen Sachen in die U-Haft habe mitnehmen können, begründete er sein verwahrlost wirkendes Aussehen.

"Sie erschien völlig aufgelöst, ohne Schuhe und mit Klebebandresten an Hand- und Fußgelenken."

Die Anklage wirft dem 57-Jährigen vor, die Litauerin, die vom Bahnhof in Salzwedel mit dem Fahrrad nach Wustrow unterwegs war, auf der Hoyersburger Straße überfallen zu haben. Dabei soll er ein Messer benutzt und die Frau auch gewürgt haben. In seinem unweit der Straße befindlichen Garten soll er die Frau mit Klebeband an Händen und Füßen gefesselt haben.

Als er laut Anklage ihre Sachen vom Tatort an der Straße einsammeln wollte, gelang der Frau die Flucht. In einem Pflegeheim fand sie Hilfe. Eine Betreuerin sagte aus, dass die heute 29-Jährige "völlig aufgelöst, ohne Schuhe und mit Klebebandresten an Hand- und Fußgelenken" ins Heim gelangt sei und dabei eine Fensterscheibe eingedrückt habe. Sie habe, weil des Deutschen nicht mächtig, auf Englisch brockenhaft erzählt, dass sich der Täter als Drogen- fahnder der Polizei ausgegeben hätte und "auf der Suche nach jungen Mädchen mit Rucksack ist, die Drogen transportieren".

Es habe große Verständigungsprobleme gegeben, bestätigte eine Polizistin, die das Opfer vom Heim ins Krankenhaus gebracht hatte.

Eine Frau aus Niedersachsen, die das Opfer näher kennt, sagte aus, dass die Litauerin als "Internationale Freiwillige" für die Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion - Kurve Wustrow tätig sei.

Am Mittwoch, 21. Mai, wird der Prozess fortgesetzt.