Salzwedel l Es war ein schwerer Unfall zu Ostern, der das Thema erneut auf die Tagesordnung gebracht hat: Die Chüttlitzer sind mit der Verkehrssituation an der Ortsdurchfahrt der B71 unzufrieden

Das Problem: Auf der Trasse, die an der Ausfahrt von insgesamt 16 Grundstücken vorbeiführt, gilt Tempo 70. "Für Autofahrer, die auf die Bundesstraße fahren wollen, ist das viel zu gefährlich", sagt Ortsbürgermeister Wolfgang Kappler. Fahrzeuge würden mit viel zu hoher Geschwindigkeit heranrauschen. Der letzte Unfall sei auch auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen.

Unerträglicher Lärm

Ein zweites Problem, das mit der Tempo-70-Regelung zusammenhängt, bildet aus Sicht vieler Anlieger der Kreisverkehr. "Als er vor vier Jahren gebaut wurde, hat man uns gesagt, durch den Kreisel wird es hier leiser", erzählt Anlieger Günter Kumme. Die Realität aber sehe anders aus. "Die Lkw sind beim Bremsen und Gasgeben so laut, dass die Gläser in den Schränken wackeln." Eine Tempo-Reduzierung könnte auch hier vielleicht für Besserung sorgen, hoffen die Anwohner.

Mit einem Votum zur Einrichtung einer Tempo-50-Zone vor dem Kreisverkehr hat der Ortschaftsrat jetzt auf das Problem reagiert.

Ob das Papier allerdings zum gewünschten Ergebnis führen wird, ist mehr als fraglich. Denn schon einmal hat sich der Landkreis laut Stadtsprecher Olaf Meining mit dem Thema befasst. Die Geschwindigkeitsreduzierung sei damals abgelehnt worden.

Peter Mennicke, Sprecher des Landesverkehrsministeriums, teilte auf Anfrage der Volksstimme mit: "Zum jetzigen Zeitpunkt bestehen in Chüttlitz keine Gründe für eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 Kilometer pro Stunde."

Grund dafür sei zum einen, dass die Ortschaft neben und nicht an der Bundesstraße liege und damit außerorts. Gleiches gelte für den Kreisverkehr.

Gefahren berücksichtigt

Zum anderen rechtfertige auch die Verkehrssituation eine Temporeduzierung nicht: Bei der Einrichtung der Tempo-70-Zone seien Faktoren wie das Unfallgeschehen der zurückliegenden Jahre, die vorhandene Bedarfsampel, aber auch die Ausfahrten der Grundstücke an der Bundesstraße bereits berücksichtigt worden.

Zum Thema Schallschutz sagte Mennicke außerdem, die Lärmbelastung werde an Bundesstraßen berechnet und nicht gemessen. Überschreite die Belastung einen bestimmten Wert, so könnten Betroffene Maßnahmen der Lärmsanierung wie etwa Schallschutzfenster beantragen. Anlieger sollten sich hierfür an die Landesstraßenbaubehörde in Stendal wenden.

Wolfgang Kappler sind diese Auskünfte zu wenig. Er sagte gestern: "Wir werden an unserem Vorstoß festhalten. Steter Tropfen höhlt den Stein." Die Verantwortlichen sollten sich die Situation einmal richtig anschauen und dann die Gefahr beseitigen, fordert er. Am Ende geht der Ortsbürgermeister sogar noch weiter: "Eigentlich bin ich der Meinung, dass das Ortsschild an den Anfang der 70-Zone gehört."