Salzwedel. Kommunikationspanne oder bewusstes Vertuschen? Der geplante CO2-Versuch auf dem ehemaligen Militärflughafen Alt Dabern bei Wittstock (die Volksstimme berichtete) steht im direkten Zusammenhang mit dem geplanten Kohlendioxid-Pilotprojekt bei Mahlsdorf. Darauf wies die Bürgerinitiative (BI) "Kein CO2-Endlager Altmark" gestern in einer Pressemitteilung hin. Sie widersprach damit Aussagen der Wittstocker Projektkoordinatorin Dr. Anita Peters und von Prof. Andreas Dahmke von der Christian- Albrechts-Universität Kiel, die im November vergangenen Jahres öffentlich erklärten, dass der Wittstocker Großversuch nichts mit CO2-Speicher zu tun habe.

"Eine klare Falschaussage"

"Eine klare Falschaussage", so die BI. Sie verweist unter anderem darauf, dass das Kieler Institut für Geowissenschaften an Forschungsprojekten rund um das altmärkische Vorhaben beteiligt ist. So gab es Stellenausschreibungen für vier wissenschaftliche Mitarbeiter zum Thema CO2-Speicherung.

Das Aufgabenspektrum reicht dabei von Modellen zur Risikobewertung bis zum Monitoring von CO2-Speichern. Mit dabei ist ein "Leckageversuch in oberflächennahen Grundwasserleiter", so wie er Mitte März bei Wittstock stattfinden soll. Kohlendioxid soll dabei in einer Tiefe bis 30 Meter verpresst werden, um anschließend die Auswirkungen auf Grundwasserleiter zu erforschen.

Ein Versuch, der übrigens ursprünglich auf dem ehemaligen Flugplatz in Eggebeck (Kreis Schleswig-Flensburg) erfolgen sollte. Doch nachdem im August 2009 im Rundfunk über diese Pläne berichtet wurde, führten massive öffentliche Proteste zu einer Absage des Versuches. Nicht ohne Grund. Zu dieser Zeit formierte sich in Schleswig-Holstein eine breiter Widerstandsfront gegen CO2-Speicherprojekte, die sogar offene Türen bei der Landesregierung fand. Prof. Dahmke kündigte daraufhin an, woanders sein Versuch durchzuführen. In Wittstock scheint er fündig geworden zu sein. Vorerst, denn die Mitglieder der altmärkischen BI haben längst Kontakt zum Wittstocker Rathaus aufgenommen. Dort sorgen die altmärkischen Enthüllungen für Unruhe.

Prof. Andreas Dahmke betreibt Grundlagenforschung, eben auch für das altmärkische Projekt, bei dem bekanntlich bis zu 100 000 Tonnen CO2 in eine Erdgaslagerstätte verpresst werden sollen – mit dem Ziel, die Gausausbeute zu erhöhen. Bislang ist das Pilotprojekt nicht genehmigt.

"Folgen sind nicht absehbar"

Amerikanische Wissenschaftler sind da schon einen Schritt weiter. Sie haben im Labor Proben aus grundwasserführenden Erdschichten in Wasser gelöst und mit Kohlendioxid durchspült. Untersuchungen im Rahmen der Suche nach geeigneten CO2-Speicher. Die Wissenschaftler stellten fest, dass sich nicht nur der ph-Wert änderte, sondern Schwermetalle freigesetzt wurden. Teilweise in einer Konzentration, die Grenzwerte für Trinkwasser überschritten. Auch aus diesem Grund fordert die altmärkische Bürgerinitiative, den Feldversuch in Wittstock zu stoppen. "Die Folgen für Mensch und Umwelt sind nicht absehbar", heißt es in der Pressemitteilung.