Als vor Jahren eine Ausstellung in der Kreismusikschule aufgelöst wurde, blieb ein Exponat mit Erinnerungssteinen an KZ-Häftlinge zurück. Die Steine liegen dort bis heute, sie sind inzwischen teils überwachsen und zerbrochen. Touristen haben den Anblick schon mehrfach beklagt.

Salzwedel l Als Olde Dibbern vor kurzem in Salzwedel zu Gast war, fiel ihm im Garten der Kreismusikschule ein scheinbar wahllos zusammengeworfener Haufen mit Erinnerungssteinen auf.

Alle trugen das rote Dreieck der Male, die an die Todesmärsche vom April 1945 um Gardelegen erinnern, berichtete der Wolfsburger. Mehrere Steine seien zerstört gewesen. "Eine am Boden befestigte Metalltafel sollte wohl in vergangenen Zeiten diesen Scherbenhaufen erklären. Vielleicht ein besonders bewusstes Signal der Erinnerung, ein Kunstwerk?", fragt Olde Dibbern.

Keineswegs. Bei den Steinen handelt es sich nach Angaben von Kreissprecherin Birgit Eurich um Erinnerungssteine für 20 ermordete KZ-Häftlinge, die ursprünglich in Breitenfeld bei Gardelegen standen.

Steine gehen an die Gedenkstätte Isenschnibbe

Nachdem die dortige Gedenkstätte im Jahr 2000 umgestaltet worden war, wurden sie nach Salzwedel verbracht und waren hier Teil der Ausstellung "Never let it rest" des Künstlers Hans Molzberger. Als Molzberger die Ausstellung mit neuem Konzept in die USA verschiffte, seien die Steine zurückgeblieben, so Eurich. In Absprache mit der Stadt Gardelegen sei nun geplant, die Steine in die neu zu gestaltende Gedenkstätte Isenschnibbe zu integrieren.

Dass es sich um einen wahllos zusammengeworfenen Haufen handelt, will Eurich dann so auch nicht stehen lassen. Die Steine seien als vollständiges Exponat der Ausstellung zurückgeblieben, sagt sie. Einzig das dazugehörige Schild sei nicht erneuert worden.

Bereits 2012 Hinweis an die Stadt

Vor dem Hintergrund der Pläne für die Steine sieht der Kreis daher auch keinen akuten Handlungsbedarf. Olde Dibbern sieht das anders. "Aus meiner Sicht ist dieser Haufen ein Schandfleck für Salzwedel und eine grobe Missachtung der Menschen, die in qualvollen Hungermärschen durchs Land zogen", sagt er. Schon 2012 hatte Dibbern die Stadt Salzwedel übrigens auf den Missstand aufmerksam gemacht. Die hatte die Angelegenheit damals an den Landkreis weitergeleitet. "Diesbezüglich ist uns nichts bekannt", teilte Birgit Eurich mit. Zeitnah könnten beteiligte Personen nicht befragt werden.