1,5 Millionen jüdischer Kinder sind von den Nationalsozialisten ermordet worden. Damit dies nicht vergessen wird, bietet Künstler Hans Molzberger einen besonderen Workshop an. Sechs Jeetze-Schülerinnen erlebten gestern die Premiere.

Salzwedel/Hilmsen l "Wir setzen uns in diesem Schuljahr mit dem Nationalsozialismus auseinander, waren auch schon im Konzentrationslager Buchenwald. Hier finde ich gut, dass konkrete Geschichten erzählt werden. Das ist besser, als Jahreszahlen auswendig zu lernen", meint Sinja Kuhl aus Blütlingen. Sie hat sich die Teilnahme am Workshop "Rubins colors" ebenso wie ihre Klassenkameradinnen freiwillig ausgesucht. Dieser wird vom Kunstverein Atelierhaus Hilmsen in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung angeboten.

Zuerst treffen sie sich mit Projektleiter Hans Molzberger in Salzwedel. Die Tour beginnt an der einstigen Synagoge im Lohteich. "Sie ist mitten in die Häuserreihe reingebaut worden. Dadurch konnte sie nicht angesteckt werden", erzählt Hans Molzberger. Etwa 100 jüdische Menschen hätten in den 1930er Jahren in Salzwedel gelebt. Nach dem Zweiten Weltkrieg seien es noch 3 gewesen. Mit den Stolpersteinen in der Altperver-, der Burg- und der Neuperverstraße seien Erinnerungen an Familien ins Pflaster eingelassen, berichtet er beim genaueren Betrachten.

Per Bus geht es nach Hilmsen. Dort hat Hans Molzberger mit den amerikanischen Kunststudenten, die derzeit zu Gast sind, die Ausstellung über Rubin Samelson, den Namensgeber des Projektes, aufgebaut. Er sei 15 Jahre alt gewesen, als er im Lager Colditz von den Amerikanern befreit worden sei. "Wir haben uns im Holocaust-Museum Houston kennengelernt. Er war dort als Freiwilliger tätig. Wir haben uns angefreundet und einige Arbeiten zusammen erdacht. Denn er war Glaskünstler", schildert der Hilmsener. In dem Altmärker reifte die Idee, seinen neuen Freund über seine Erinnerungen erzählen zu lassen, um diese der Nachwelt zu erhalten. So erfahren die Jeetze-Schülerinnen, dass es nur eine Scheibe Brot am Tag zu essen gab, die sich Rubin Samelson mit seinem jüngeren Bruder teilte - die andere wurde für den Abend versteckt.

Und sie lernen Schmetterlinge aus Glas kennen. Diese sind ein Symbol für jene 1,5 Millionen jüdische Kinder, die ihr Leben verloren. Denn ihr sehnlichster Wunsch sei es in den Lagern gewesen, einfach davonfliegen zu können.

Lia Ruhrus aus Zierau, Anouk Feisel, Marlene Wiegand, Sayana Stanelle (alle Ökodorf Siebenlinden bei Poppau), Maya Stoppel aus Neuferchau und Sinja Kuhl nehmen die Einladung gern an, selbst einen Schmetterling nach ihren Vorstellungen zu gestalten. Die kleinen Glaskunstwerke werden sie - an ihren Fenstern hängend - an ein besonderes Projekt erinnern.

Dieses werden übrigens auch noch Schüler aus der Comeniusschule, der Pestalozzischule und dem Jahngymnasium Salzwedel erleben.

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