Bei Starkregen hat Familie Hagner aus dem Perver einen Fäkalien-Brunnen vor der Haustür. Denn aus dem Abwasserkanal drückt die braune Brühe nach oben und fließt über die Straße, den Bürgersteig und manchmal sogar in die Häuser.

Salzwedel l Die Klopapierfetzen hingen gestern immer noch an den Gully- und Kanaldeckeln der Sankt-Georg-Straße. Seit der Sanierung der Straße in den Jahren 2001/02 haben die Anlieger, die zwischen Baumkuchenbäckerei und St. Georg Kirche wohnen, bei Starkregen damit zu kämpfen, dass das Abwasser hochdrückt - und damit auch jede Menge Fäkalien. Durch die Unwetter in den Nächten von Sonntag auf Montag und Montag auf Dienstag kam die Dreckbrühe binnen 24 Stunden zwei Mal nach oben.

Simone Hagner und ihr Mann Thomas haben die Nase voll. "Vor der Sanierung der Straße gab es diese Probleme nicht", weiß Thomas Hagner. "Wenn die Autos an unserem Haus vorbeifahren und dort das Dreckwasser steht, spritzt regelmäßig Toilettenpapier hoch und hängt an unserem Wohnzimmerfenster", erklärt Simone Hagner.

"Es ist mehrmals aus der Toilette hochgedrückt."

Auch Anliegerin Ilse Müller, die gegenüber von Hagners wohnt, kann ein Lied von dem Problem mit dem Abwasser singen. "Bei uns hat es seit der Sanierung der Straße bereits mehrmals aus der Toilette hochgedrückt", äußert sie sich zu den Zuständen an der Sankt-Georg-Straße.

Neben den ekelerregenden Zuständen für die dort lebenden Perveraner gibt es aus Sicht von Thomas Hagner ein weiteres Problem: "Das Abwasser läuft in die Regenentwässerung der Straße und von dort in die Jeetze", weist er auf eine mögliche Umweltbelastung durch die regelmäßigen Überschwemmungen hin. Allerdings gibt Hans Thiele, Ordnungsamtsleiter des Altmarkkreises Salzwedel, in diesem Punkt Entwarnung. "Wir wissen, dass Abwasser vom Perver bei Starkregen in die Jeetze fließt. Das Abwasser ist aber so stark verdünnt, dass die Belastung sich im zulässigen Rahmen bewegt", erklärt Thiele und fügt hinzu: "Dennoch sind wir über die Situation im Perver nicht glücklich."

"Sollten Regenwasser vom Abwasser trennen."

Aus Sicht der Hagners und von Ilse Müller muss dringend etwas passieren. Doch Jens Schütte, Geschäftsführer des Salzwedeler Wasserverbands (VKWA), erteilte gestern auf Nachfrage der Volksstimme einer baulichen Nachbesserung eine Absage. Das Problem im Perver sei ihm bekannt und der Situation geschuldet, dass an der Sankt-Georg-Straße das Regenwasser von den Grundstücken in das Abwassernetz des VKWA geleitet werde. "Ich würde es begrüßen, wenn sich die Leute mit ihrem Regenwasser vom Abwasser trennen", erklärt der Geschäftsführer.

Unabhängig von der Sankt-Georg-Straße empfiehlt Schütte jedem Hausbesitzer eine Rückstausicherung. Das verhindert aber nicht, dass auch künftig bei Starkregen Fäkalien aus den Gullydeckeln der Sankt-Georg-Straße sprudeln werden.