Mechau l "Bei Erika und Egon habe ich ein echtes Zuhause gefunden", schwärmte gestern Bettina Kiss in Mechau. Die junge Ungarin stammt eigentlich aus Gyöngyöstarjan bei Budapest und kam im September 2013 mit dem Schüleraustauschprogramm AFS nach Deutschland, in die Altmark, nach Mechau.

Für Erika und Egon Pohlmann ist sie wie ein drittes Kind, nachdem ihre erwachsenen Kinder ausgezogen sind. Und für Bettina sind die beiden Familie geworden, mit großer Herzlichkeit und Liebe. "Am Jahngymnasium in Salzwedel hätte ich mir auch so viel Offenheit und Unterstützung gewünscht", merkte sie gestern leise an.

Aber Ausgleich für so manches Problem seien die Unternehmungen mit Erika Pohlmann gewesen. Ob es nach Köln, nach Düsseldorf zum Karneval, nach Berlin zum Weihnachtsmarkt oder nach Münster zum Stadtbummel ging, alles habe Spaß gemacht. "Dabei habe ich Land und Leute sehr gut kennengelernt", betont Bettina. Sie besuchte sogar eine Woche lang eine ungarische Freundin in München. Und in Berlin absolvierte sie ein zweiwöchiges Praktikum in einem Kosmetiksalon. Sie spricht inzwischen fließend Deutsch. Das komme durch den täglichen Gebrauch der Sprache - auch beim Praktikum in der Binder Kindertagesstätte oder beim Babyhüten bei Familie Starck auf dem Haselnusshof. "Dabei habe ich gemerkt, dass der Umgang mit Kindern mir Spaß macht", erzählt sie.

Sehr schön seien auch die Besuche bei der Familie von Justin Wellner gewesen, dessen Oma aus Ungarn stamme und mit der sie in ihrer Muttersprache erzählt habe.

Aber auch sie hat den Alltag in Mechau bereichert, zum Beispiel durch ihre Koch- und Backkünste. So tischte sie Paprikakrumpli und Rakottkrumpli auf, Überbackenes beziehungsweise Gebratenes mit Paprika, Kartoffeln, Eiern und Wurst.

Jetzt naht bald der Abschied, denn am 5. Juli geht es wieder nach Ungarn. Nach dem Auszeitjahr stehen dann 11. und 12. Gymnasiumsklasse und Abitur an. Aber vorher fährt sie mit Pohlmanns an die Ostsee: ein Geburtstagsurlab. Am kommenden Donnerstag wird Bettina Kiss 18 Jahre alt. "Ich freue mich, weil ich den Führerschein machen und endlich Autofahren will", blickte sie voraus.

Vorfreude auf die ungarische Heimat hat sie auch, weil dort mehr Herzlichkeit herrsche als in Deutschland. "Zu Hause begrüßt man sich mit Umarmung und Küsschen, hier nur mit Handschlag."