Salzwedel l Die Einführung der Biotonne sorgt schon seit längerem für Diskussionen in den politischen Gremien des Kreises. Ist sie für einen ländlich geprägten Flächenkreis überhaupt geeignet? Reicht die biologisch-mechanische Abfallbehandlungsanlage (MBA) auf der Deponie in Lindenberg, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen? Wie sind die Auflagen des Kreislaufwirtschaftsgesetzes am wirtschaftlichsten zu erfüllen? Fragen, die den neuen Kreistag beschäftigen werden. Eins steht schon fest: Bis zum 1. Januar 2015 ist das nicht mehr zu schaffen. Der Kreis muss eine Ausnahme beantragen. "Wir stehen dahingehend in Verhandlungen mit dem Landesverwaltungsamt", sagte gestern die zuständige Amtsleiterin Katrin Pfannenschmidt auf Nachfrage.

Die Querelen mit dem ehemaligen Deponiechef Dietrich Schultz um das Abschalten der MBA hätten einige "Überraschungen" mit sich gebracht. "Die MBA ist vorübergehend stillgelegt", betont Pfannenschmidt. Nach dem Wechsel an der Spitze des kreiseigenen Unternehmens soll nun mit dem neuen Geschäftsführer Steffen Romatschke geklärt werden, wie es mit der Anlage weitergeht.

Derzeit sei eine Hausmüllanalyse beauftragt, um festzustellen, wie viel Bioabfall in den unterschiedlichen Siedlungsstrukturen in den Mülltonnen vorhanden ist. Eine Auswertung soll im August vorliegen. Das Ergebnis sowie weitere Erkenntnisse zur MBA sollen in die Fortschreibung des Abfallwirtschaftskonzeptes des Kreises für die Jahre 2015 bis 2020 einfließen. Dabei sei zu berücksichtigen, dass der Altmarkkreis eine sehr dünne Bevölkerungsdichte hat und landwirtschaftlich geprägt ist. "Traditionell ist die Eigenkompostierung verbreitet", erklärt die Amtsleiterin.

Die meisten Kreise stellen in ihren Regionen Biotonnen bereit. Jedoch sind auch dort nicht alle Haushalte flächendeckend an das Biotonnensystem angeschlossen, berichtet Pfannenschmidt. Wenn im Altmarkkreis auch so verfahren und die Eigenkompostierung in den Dörfern beibehalten werden soll, könne es passieren, dass aus den Orten nur wenige Biotonnen abgeholt werden müssen - von den Haushalten die nicht über die Möglichkeit verfügen, selbst zu kompostieren. "Vielleicht nur ein bis zwei Tonnen pro Dorf und das alle 14 Tage", mutmaßt Pfannenschmidt. Das würde zu einem erheblichen Aufwand führen. "Die Einführung der Biotonne muss wirtschaftlich zumutbar sein, unzumutbare Gebührenerhöhungen für den Bürger sind zu vermeiden", ergänzt sie.

Die politischen Entscheidungsträger sahen die Biotonne bislang eher kritisch. Die bisherigen Kreistagsfraktionen der CDU, FDP und Grüne/Freie Liste lehnten sie ab. Die Linken nahmen eine abwartende Haltung ein, lediglich die SPD-Fraktion befürwortete die Einführung.

Für die Entsorgung von Grünschnitt scheint hingegen ein erfolgreiches Konzept gefunden zu sein. An sechs Orten haben Bürger die Möglichkeit, ohne zusätzliche Kosten Grünschnitt abzugeben. Das Aufkommen hat sich von 976,43 Tonnen im Jahr 2005 auf 5479,46 Tonnen im Jahr 2012 gesteigert. Das sind durchschnittlich 62,22 Kilogramm je Einwohner im Jahr 2012, erklärt Pfannenschmidt.

Übrigens war die Biotonne schon 1994 im gerade gegründeten Großkreis ein Thema. Ein siebenmonatiger Probelauf ergab: Es lohnt sich nicht, die Tonnen überall aufzustellen. Frühestens 1996, hieß es damals, solle sie eingeführt werden. Umweltamtsleiter Herbert Halbe hatte nach dem Test konstatiert: "Dort, wo die Leute selbst kompostieren, wird eine Befreiung vom Anschluss- und Benutzungszwang angestrebt."