Salzwedel l "Dein Schutzengel - Dein Glück". Unter diesem Motto bekommen jährlich Mädchen, die 16 Jahre alt werden, Post vom Altmarkkreis Salzwedel. In dem Begrüßungsschreiben erhalten sie einen Schutzengelausweis und werden gebeten, auf ihre Freunde zu achten und Einfluss zu nehmen, wenn diese sich unter Alkohol- und Drogeneinfluss ans Steuer setzen wollen.

Junge Fahrer im Alter zwischen 18 und 25 Jahren sind überdurchschnittlich häufig an schweren Verkehrsunfällen beteiligt, informiert Kreissprecherin Birgit Eurich auf Volksstimme-Anfrage. In der Hoffnung dem entgegenzuwirken, startete der Altmarkkreis Salzwedel im Mai 2007 das Schutzengel-Projekt, das ursprünglich in Dänemark seinen Anfang nahm.

"Wenn nur ein Unfall verhindert wurde, hat sich der ganze Aufwand gelohnt." - Dezernent Hans Thiele

Ob es den jungen Frauen im Alter von 16 bis 24 Jahren gelungen ist, die jungen Männer davon abhalten, sich und andere zu gefährden, ist nur schwer nachzuvollziehen. "Wenn nur ein Unfall verhindert wurde, hat sich der ganze Aufwand gelohnt", sagt Kreisdezernent Hans Thiele, der für die Aktion verantwortlich ist. Aus Gesprächen mit den jungen Frauen anlässlich einer Party, die für sie gegeben wurde, weiß er, dass sie schon einschreiten, wenn es zu "brenzlichen Situationen" kommt.

Zwar sprechen die Schutzengel nicht gern offen darüber, weil sie ihre Freunde nicht in Misskredit bringen wollen, aber es sei schon deutlich geworden, dass sie ihre Aufgabe dahingehend ernst nehmen.

Einige Schutzengel hätten auch ganz offen berichtet, dass sie Autoschlüssel "eingezogen" haben, wenn sie den Fahrer für nicht mehr fahrtauglich hielten, so der Dezernent weiter. Ein Umfrage unter den am Projekt beteiligten jungen Frauen habe zudem ergeben, dass sie ihren Schutzengelausweis schon oft eingesetzt haben. Und über die Jahre ist die Aktion bekannter geworden.

"Wenn wir mal jemanden vergessen, kommt es immer öfter vor, dass diejenigen nachfragen, um ihren Schutzengelausweis einzufordern.

Und das nicht nur wegen der Vergünstigungen beim Friseur oder in Diskotheken", berichtet Thiele. Als Dank für ihren Einsatz bekommen die Schutzengel bei mehr als 100 Sponsoren wie Einzelhändlern, Friseuren, Autohäusern, Gaststätten, Veranstaltern und in Freibädern Rabatte.

"Das Konzept ist pädagogisch richtig und wir werden es fortsetzen." - Dezernent Hans Thiele

"Das Konzept ist pädagogisch richtig und wir werden es auf jeden Fall fortsetzen", schätzt Thiele ein. Wenn Polizei, Lehrer oder Eltern vor den Folgen von Alkohol- und Drogenfahrten oder Raserei warnen, stoße das meist auf wenig Gegenliebe bei den jungen Leuten und werde als Belehrung empfunden. "Wenn aber die Freundin oder eine andere hübsche junge Frau sagt, das ist überhaupt nicht cool, kommt die Botschaft eher an", ist sich der Dezernent sicher. Auch hätten die jungen Damen direkten Einfluss auf ihre Freunde oder Begleiter, da sie meistens vor Ort seien, wenn es nach der Disco nach Hause geht.

In Zahlen ist der Erfolg des Schutzengel-Projektes im Altmarkkreis nicht unmittelbar darstellbar. Allerdings wisse er von den Verantwortlichen aus dem Polizeirevier des Altmarkkreises, dass sie gerade nach Veranstaltungen viel weniger "Alkohol- und Drogensünder" feststellen müssen, als noch vor einigen Jahren.

Auch die Zahl der Unfälle, an denen diese Altersgruppe beteiligt ist, weist inzwischen einen leichten Abwärtstrend auf (siehe Grafik).

Das Schutzengel-Projekt gibt es auch im Nachbar-Landkreis Stendal. Auch dort wird es von den Verantwortlichen als Erfolg gewertet.