Salzwedel (fl) l Weil er es mit der Wahrheit nicht ganz so genau genommen hat, hat eine Ladendetektiv gestern ungewollt eine einschlägig vorbestrafte Diebin vor dem Gefängnis bewahrt. Der 27-jährigen Hansestädterin war vorgeworfen worden, am 28. Oktober 2013 einen Wasserhahn im Wert von 14,99 Euro in einem Salzwedeler Baumarkt gestohlen zu haben. Da sie zu dieser Zeit wegen vorangegangener Diebstähle unter Bewährung stand, musste sie gestern vor dem Salzwedeler Amtsgericht mit dem Gang ins Gefängnis rechnen.

"Ich habe den Wasserhahn eingesteckt und bin zur Kasse gegangen, um etwas zu fragen. Klauen wollte ich nicht, ich hatte mir sogar extra Geld geliehen", sagte die 27-Jährige. Sie sei von der Kasse zurück in den Laden gewesen, als sie gestellt wurde. Der als Zeuge geladene Detektiv bestätigte die Aussage. Jedoch hatte er in seinem Bericht geschrieben, er habe die junge Frau auf dem Weg nach draußen gestellt. "Das ist doch egal, wo ich sie gestellt habe. Ich schreibe eigentlich immer rein, dass ich die Diebe hinter der Kasse angesprochen habe", sagte er. Darüber waren sowohl Amtsrichter Klaus Hüttermann, als auch die zuständige Staatsanwältin entsetzt. "Das, was sie ihrem Bericht geschrieben haben, stimmt nicht. Das kann doch nicht wahr sein", sagte die Staatsanwältin. Klaus Hüttermann regte an, dass Verfahren gegen die 27-Jährige einzustellen, die derzeit laufende Bewährungszeit dafür jedoch um ein Jahr zu verlängern.

"So haben Sie Zeit, zu zeigen, dass Sie auch ohne Straftaten durchs Leben kommen", so der Amtsrichter. "Stecken Sie nie wieder etwas ein, wenn Sie in einem Laden sind. Sonst gehen Sie ins Gefängnis", ergänzte die Staatsanwältin, die außerdem ankündigte, in den kommenden Tagen "ein ernstes Wort" mit dem nicht ganz ehrlichen Detektiv zu reden.