Kreisgebietsreform 1994: 4966 Menschen im Raum Bismark und 6830 im Bereich Oebisfelde lebten ab 1. Juli 1994 in einem anderen Landkreis. 6241 Menschen in der Region Arendsee gehören seit dem zum Altmarkkreis. Wie bewerten die politischen Akteure von damals heute diese Entscheidungen?

Arendsee/Deutsch l Karlheinz Mewes aus Deutsch erinnert sich noch gut an die Zeit, bevor Arendsee 1994 aus dem Landkreis Osterburg in den Altmarkkreis Salzwedel wechselte. Er war von 1990 bis 1994 Landrat im Altkreis Osterburg. "Das war keine Zuordnung wie bei der letzten Gemeindereform von 2010, sondern tatsächlich eine freiwillige Findungsphase", erklärte er im Volksstimme-Gespräch.

"Den Stein ins Rollen gebracht hat aber zuvor das Innenministerium mit seinen Vorgaben zu den künftigen Einwohnerzahlen", so Mewes. Aber dann sollten sich die Landkreise selbst finden anhand der Mindestgröße von 80 000 Einwohnern oder der Optimalgröße von 120 000 Einwohnern. Die Stimmung in der damaligen Verwaltungsgemeinschaft Arendsee sei eindeutig pro Salzwedel gewesen. "Da spielten die Entfernungen zu Verwaltungssitz und anderen Kreisämtern eine große Rolle", blickte er zurück. Das relativ geschlossene Meinungsbild zog sich durch alle Parteien, alle Räte, die Kreistagsabgeordneten hatten ebenfalls eine klare Haltung dazu. Auch aus der Bevölkerung gab es kaum abweichende Meinungen.

Er habe noch sehr gut im Gedächtnis, dass Arendsee vor allem vom neu gewählten Landrat Hans-Jürgen Ostermann mit offenen Armen empfangen worden sei. "Er hat sich für die Arendseer Interessen stark gemacht", betonte Mewes.

Mit dem Wechsel folgten die Kommunalwahlen, Vertreter der Seestadt saßen mit im Kreistag. "Und es war ein Neuanfang für die Verwaltungsgemeinschaft, die nun nicht mehr nach dem Modell Trägergemeinde, sondern in einem gemeinsamen Verwaltungsamt organisiert war", machte Mewes deutlich.

Vorsitzender des Gemeinschaftsausschusses sei Dietrich Bannehr aus Schrampe/Zießau geworden, ehrenamtlicher Bürgermeister Klaus Führ aus Arendsee. "Und hauptberuflicher Verwaltungsleiter wurde ab 1995 ich selbst", sagte Mewes.

"Kreisgrenzen werden auch als trennende Grenzen empfunden."

Der mittlerweile 70-Jährige ist heute längst im wohlverdienten Ruhestand und hat im Ort, im Kirchenkreis aber natürlich auch zu Hause jede Menge neue Aufgaben zu erfüllen.

Wie sein Fazit zum Kreiswechselthema heute nach 20 Jahren ausfalle? "Arendsee hat seinen festen Platz gefunden und behauptet ihn", schätzte Karlheinz Mewes ein. Die Zusammenarbeit beider Kreise funktioniere.

"Aber ich sehe es so, dass die Kreisgrenzen auch als trennende Grenzen in der Altmark empfunden werden", fügte er kritisch hinzu. "Zum Beispiel werden die festgelegten Schuleinzugsbereiche zu starr eingehalten", konkretisierte er. Außerdem bestehe Handlungsbedarf in Sachen Radwegebau an der B 190 zwischen Leppin und Seehausen.

Aber natürlich gebe es auch gute Beispiele der kreisübergreifenden Zusammenarbeit beispielsweise beim Tourismusverband, beim Regionalen Entwicklungskonzept oder dem Nahverkehrskonzept.

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