Am 26. Juli startet das RoQ keeps equality Festival in Quarnebeck. Fünf Bands werden ab 18 Uhr auf der Bühne am Schützenplatz erwartet, um ein lautes Zeichen gegen Extremismus zu setzen. Verena Treichel stellt euch für die Volksstimme die fünf Bands vor. Heute Teil 2: Berlin Syndrome und Commercial Suicide.

Volksstimme: Quarnebeck dürfte euch vor RoQ keeps equality wahrscheinlich kein Begriff gewesen sein, vor allem nicht, wenn es darum geht laut gegen Extremismus zu sein. Eine aktuelle Statistik von sechs Opferberatungsstellen zeigt: 2013 nahmen rechte, rassistische oder antisemitische Straftaten um 20 Prozent zu, Sachsen-Anhalt belegt in diesem Ranking einen traurigen dritten Platz. Habt ihr schon in der Region gespielt und wie sieht eure Erinnerung an die Altmark aus und was erwartet ihr?

Berlin Syndrome: Ein paar von uns waren schon in der Gegend, genauer gesagt in Salzwedel und haben dort Konzerte gespielt. Es ist eine schöne Stadt, die Altmark ist eine tolle Region, da besteht kein Zweifel. Was uns auffällt ist, dass die Szene dort sehr Hardcore- und Metal-lastig ist und zu großen Teilen links orientiert, respektive antifaschistisch. Das ist gut, wenn man genau solche Fakten betrachtet, wie sie in der Fragestellung auftauchen. Dennoch ist für uns wichtig, dass eine Distanzierung zu Gewalt stattfindet. Wir freuen uns in Quarnebeck auf ein gutes Konzert mit einer wichtigen Aussage, dass auch Musik dazu beitragen kann ein Statement zu solchen Themen abzugeben, ohne dabei in Ex-tremismus zu verfallen.

Commercial Suicide: In Sachsen-Anhalt haben wir noch nicht so oft gespielt. Wir sind aber vom Publikum immer gut aufgenommen worden und haben uns hier sehr wohl gefühlt.

Am 26. Juli steht das fünfte RoQ keeps equality Festival auf Eurem Tourplan. Ein ländliches Open Air, ohne großen Unterschied zwischen Backstage- und Festivalgelände und als Herzprojekt von einem ehrenamtlichen Team auf die Beine gestellt. Was bedeuten solche Konzerte für euch als Band?

Commercial Suicide: Wir spielen gerne solche "kleinen" Festivals. Diese sind meist mit sehr viel Engagement und Herzblut seitens der Veranstalter organisiert, so dass man sich als Band sehr wohl fühlt. Im Gegensatz zu Club-Konzerten kommen hier in der Regel Bands aus verschiedenen Musikrichtungen zusammen. Man hat so die Möglichkeit, andere Musiker kennen zu lernen und auch mal wieder über den eigenen musikalischen Tellerrand zu schauen.

Und ihr ersetzt noch dazu kurzfristig Lincoln, die wegen Krankheit absagen mussten.

Berlin Syndrome: Es ist natürlich schade für Lincoln, dass sie ihren Auftritt absagen mussten, gute Besserung erstmal an dieser Stelle! Wir freuen uns nun sehr, dass es für uns so spontan geklappt hat. Es spielt keine Rolle, wie groß ein Konzert oder Festival ist. Auf jedem Konzert sind Menschen, denen wir unsere Musik nahebringen wollen. Auch wenn wir vor fünf Leuten spielen, geben wir trotzdem alles, um einen überzeugenden und vor allem authentischen Auftritt zu spielen. Kleine, unkommerzielle Konzerte und vor allem solche, die durch ehrenamtliches Engagement auf die Beine gestellt werden, haben immer den Vorteil echte Kultur zu schaffen, die für alle verfügbar ist. Umso wichtiger ist es für Bands und somit auch uns, diese Konzerte zu unterstützen und die Idee so auf diese Weise mitzutragen. Wir wissen, dass gerade bei solchen Auftritten die Teams großartige Arbeit leisten und es in jedem Falle spaßig zugeht. Für uns ist dieser Auftritt also genauso wichtig wie jeder andere.

Gibt es Projekte für die ihr euch ehrenamtlich einsetzt? Hier sind ein paar Zeilen, um dafür zu werben!

Berlin Syndrome: Natürlich! Unsere beiden Gitarristen Robert und Marcel sind ehrenamtliche Mitarbeiter bei "Guericke FM - das Uniradio der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg", wo sie von Koordination, Durchführung und Moderation von Sendungen und Events mit eingespannt werden. Marcel ist zudem noch beim "Halternativ-Verein" tätig, wo er sich vor allem um die Organisation und Moderation von Poetry Slams kümmert. Unser Bassist Matze ist Vorstands-Mitglied des Vereins "KanTe. e.V.", der vor allem durch die Veranstaltungen "Die Insel" und das "Upgrade Festival" in Magdeburg bekannt sein dürfte. Marvin wird bald sein FSJ in einer kulturellen Einrichtung beginnen und Graeme setzt all seine Energie in die Planung unserer EP-Release Party, die im Oktober stattfinden soll.

RoQ keeps equality heißt soviel wie Musik sichert Gleichheit. Dem Projektteam liegt viel daran, dass die Bands dem Publikum etwas mitgeben, das nicht nur den Heimweg überdauert. Was könnte das bei eurer Musik sein?

Commercial Suicide: Im letzten Jahr haben wir auf einem "Hardcore bleibt Nazifrei" Konzert gespielt und in diesem Jahr waren wir bei einer Benefizveranstaltung der Antifa Jugend Braunschweig dabei. Wir finden es wichtig solche Shows zu spielen und auf der Bühne klar Stellung zu beziehen. Unsere Texte handeln in erster Linie von persönlichen Dingen. Trotzdem sind wir natürlich politisch denkende Menschen, die Dinge wie Homophobie, Faschismus und Rassismus strikt ablehnen.

Berlin Syndrome: Berlin Syndrome ist eine international besetzte Band. Unser Sänger ist aus Großbritannien, unser Schlagzeuger hat Wurzeln in Lateinamerika, der Rest von uns ist aus Deutschland. Allein das ist Symbol genug dafür, dass verschiedene Herkünfte eine Bereicherung sind. Verschiedene Einflüsse und kulturelle Hintergründe geben einfach verschiedene Perspektiven und die sollte niemand ablehnen. Extremismus von rechts ist in Sachsen-Anhalt ein Problem, aber auch Extremismus von links überschreitet teilweise Grenzen. Wir wollen als Band über Möglichkeiten wie das RoQ keeps equality dem Wunsch nach einem vernünftigen Dialog Ausdruck verleihen.

Vielen Dank für das Interview, ihr habt das Schlusswort!

Commercial Suicide: Wir freuen uns auf jeden Fall schon riesig auf das Festival. Wir hoffen natürlich auf gutes Wetter und eine Menge Leute, die mit uns und unserer Musik eine schöne Zeit haben wollen.

Berlin Syndrome: Geht hin! Kauft Euch Tickets für das RoQ keeps equality und helft somit dem ehrenamtlichen Team die Veranstaltung zu einem vollen Erfolg zu machen. Mit solchen Veranstaltungen zeigt eine Region ihren Zusammenhalt gegen Extremismus. Wichtig ist aber auch, dass die Bands gewürdigt werden, indem ihr rechtzeitig hingeht, um allen eine Chance zu geben. Die Ersten am Abend haben es schwer genug, von daher solltet ihr schon zu Beginn dabei sein.

Commercial Suicide und Berlin Syndrome haben euch neugierig gemacht? Dann hört mal rein unter www.facebook.com/commercialsuicide und www.facebook.com/berlinsyndrome oder live ab 18 Uhr am 26. Juli bei RoQ keeps equality in Quarnebeck. Karten gibt es noch genau eine Woche lang unter www.roqen.de im Vorverkauf für 7,50 als Schüler und 15 Euro für Rettertickets, mit denen ihr einen Teil zum Erhalt des Projektes spendet und als Dank ein Festivalbändchen erhaltet.

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