Salzwedel l Weil er einen 58-Jährigen im Burggarten um Geld gebeten und ihn danach zusammengeschlagen haben soll, musste sich gestern ein 27-jähriger Salzwedeler vor dem Schöffengericht des Salzwedeler Amtsgerichts verantworten. Was war passiert?

Kevin M. (Namen geändert) hatte am 8. Oktober 2013 seinen Nachbarn Bernd K. im Burggarten nach zwei Euro gefragt. Als dieser ihm kein Geld aushändigen wollte, schlug der 27-Jährige, der seit Februar dieses Jahres wegen zahlreicher Diebstahlsdelikte in einer Dessauer Haftanstalt einsitzt, Bernd K. zuerst ins Gesicht. Als dieser zu Boden ging, trat er mehrfach auf ihn ein und ließ schließlich sein Fahrrad auf ihn fallen.

"Ich bin mir keiner Schuld bewusst. Ich war an dem Tag bei meiner Freundin und wir haben zusammen etwas getrunken", erklärte der Angeklagte. Nach sechs Gläsern Wein und vier Flaschen Bier sei er so betrunken gewesen, dass er sich an nichts mehr erinnern könne. "Wie kann es denn sein, dass mehrere Zeugen sie gesehen haben?, wollte Amtsrichter Klaus Hüttermann wissen. "Sie haben sich ja bisher an ganz schön viele Dinge erinnert. Also ich weiß nicht mehr, was ich am 8. Oktober des vergangenen Jahres gemacht habe", so der Richter.

Um Licht ins Dunkel zu bringen, rief Hüttermann das Opfer Bernd K. in den Zeugenstand. "Ich habe ihm gesagt, dass ich keine Gelddruckmaschine sei. Dann habe ich eine aufs Maul gekriegt und dachte nur: `Was ist denn nun passiert`", schilderte der arbeitslose Salzwedeler. Er habe keinen Ärger gewollt und deshalb die Schläge und Tritte über sich ergehen lassen.

Klaus Hüttermann gab Kevin M. und dessen Verteidiger den rechtlichen Hinweis, dass eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung infrage käme. Daraufhin räumte der Angeklagte die Tat ein. "Es ging nicht um Geld. Bernd K. hat meine Freundin immer wieder belästigt, stand schon mehrmals nackt vor ihrer Tür und wollte Oralsex. Irgendwann hat es mir einfach gereicht", gab der 27-Jährige an. Da wegen weiterer Verfahren eine Haftverlängerung für Kevin M. ins Haus steht, einigten sich alle Beteiligten darauf, das Verfahren einzustellen.