Hunderte Bierkorken und Zigarettenstummel auf dem Boden, verdreckte Wände, demolierte Möbel - im Binder Jugendclub haben Randalierer gewütet. Doch die Jugendlichen, die die Räume nutzen und pflegen, lassen sich nicht unterkriegen und wollen alles wieder herrichten.

Binde l "Boah, das stinkt hier", schoss es gestern aus dem Mund von Alexander Weber heraus, als er den Jugendclub in Binde betrat. Er und seine Freunde schwanken beim Anblick der zertrümmerten Möbel und verdreckten Räume zwischen Fassungslosigkeit und Wut. Möbel sind umgeworfen oder übereinander gestapelt. Der Boden ist mit Bierkorken übersät. Auf der Erde, an den Wänden, an der Decke befindet sich überall eine braune klebrige Flüssigkeit, von der man hofft, dass es sich lediglich um verspritztes Bier handelt.

Vor dem Länderspiel Club hergerichtet

Die vier Jungs haben mit befreundeten Jugendlichen aus Binde und Umgebung erst vor zwei Wochen den Club hergerichtet. "Vor dem Spiel gegen Frankreich haben wir geputzt, eine neue Couch reingestellt, einen Fernseher mitgebracht", erklärt Jens Ehlers. Danach grillten die Jugendlichen und schauten gemeinsam das Spiel. Doch Chaoten haben nun diese Arbeiten zerstört.

Mit als erster sah Ronnie Verschure die Bescherung. Er wurde von seinem Vater Richard zum Jugendclub geholt und informierte auch Ortsbürgermeister Kurt Gabriel. Der Ortschef versprach gestern den Jungen, dass schnellstmöglich ein Schloss eingebaut wird. Bisher waren die Räume frei zugänglich. Wenn der Club verschließbar ist, steht für die Binder Jugend eines fest: Wir bringen das wieder in Ordnung.

Doch auch wenn die Räume künftig verschlossen werden können, bleibt eine Frage: Wer tut so etwas? "Aus dem Dorf war es niemand", ist sich Alexander sicher. "Und aus unserer Gruppe traue ich das auch keinem zu", meint Jens Ehlers und ergänzt: "Wir sind ungefähr 30 Leute aus Binde, den umliegenden Dörfern und auch Salzwedel, die regelmäßig hier sind. In der Gruppe verstehen sich alle und würde niemals die Sachen zerstören."

Seit drei Jahren nutzt die Gruppe um Alexander Weber und Jens Ehlers die Räumlichkeiten, die sie von den "Großen" übernommen hat. Der Club an sich existiert seit mehr als zehn Jahren. "Damals wollte die LPG das Gebäude abreißen. Da haben wir als Gemeinde gesagt, dass wir das übernehmen wollen", erinnert sich Kurt Gabriel. Auch in der Vergangenheit gab es ab und an Probleme mit dem Treff. Allerdings nie in einem solchen Ausmaß. "Es wurde mal Pfandgeld geklaut oder Ketchup an die Außenwand gespritzt. Aber ein solches Ausmaß wie aktuell, gab es noch nie", erklärt Ronnie Verschure.

Wann der Jugendclub wieder genutzt werden kann, ohne dass man vor Ekel gleich wieder hinausrennt, ist offen. Die Jugendlichen sind jedenfalls froh, dass nun ein Schloss für mehr Sicherheit sorgen soll. Sie haben sich deshalb auch bereit erklärt, sich künftig um den Außenbereich vor dem Club zu kümmern und wollen den Rasen mähen.

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